Klein, bescheiden und besonnen: Jasmyn-Rufina Gallaus aus Markneukirchen hat ein Menschenleben gerettet. Am Montag wurde ihr dafür von Bürgermeister Andreas Jacob ein großes Dankeschön gesagt.
Foto: Eckhard Sommer
Markneukirchen ehrt Zwölfjährige als Lebensretterin
Jasmyn-Rufina Gallaus rettete Rentnerin im Schwimmbad das Leben
Markneukirchen. Markneukirchen. Wäre Jasmyn-Rufina Gallaus am Montag in der Mathestunde nach vorne zur Tafel gerufen worden, um dort vor den Klassenkameraden eine Aufgabe zu lösen, dann hätte ihr Herz vor Aufregung sicher nicht heftiger geklopft.
Denn wann passiert es schon, dass Bürgermeister Andreas Jacob und Schulleiter Norbert Hildebrand einem Schüler oder einer Schülerin persönlich die Hand drücken und danken? Dank sagen dafür, dass die 12-Jährige einem Menschen das Leben gerettet hat und die Klassenkameraden dabei Beifall klatschen. So wie Jonas Winkel und Emmanuel Schneider, die meinten: "Das war ganz toll und mutig, was sie gemacht hat. Keine Ahnung, ob wir uns auch so verhalten hätten."
Mit dem Büchergutschein in der Hand setzte sich Jasmyn-Rufina Gallaus wieder auf ihren Platz in der letzten Reihe - ganz still und bescheiden und zurückhaltend, wie es auch sonst ihre Art ist. Wer wohl hätte gedacht, dass in diesem Mädchen ein Held steckt? Wer wohl hätte ihr zugetraut, dass sie ein Mädchen ist, das in einer Situation, die das Leben eines anderen Menschen gefährdet, einen kühlen Kopf bewahrt und so "umsichtig und gezielt" - wie es im Polizeibericht heißt - handelt?
Jasmyn-Rufina Gallaus schreibt Tagebuch. "Danach habe ich mehr reingeschrieben als sonst", gestand sie am Montag ein. Danach: Das war am vergangenen Mittwoch, als sie kurz vor 18 Uhr nach einer Reitstunde in Erlbach nach Hause ging und aus dem Rudolf-Thiele-Bad Rufe hörte:
"Erst habe ich gar nichts verstanden, dann war es 'Hilfe, Hilfe!'. Ich bin zum Tor gerannt und habe jemanden im Wasser gesehen, der um sich geschlagen hat. Ich habe geschrien, dass der nicht so schreien soll, damit er nicht so viel Kraft verliert. Und dass ich Hilfe hole."
Weil Jasmyn-Rufina Gallaus ihr Handy nicht dabei hatte, wollte sie zum nahegelegenen Seniorenheim "Haus Ölbaum" laufen, um Hilfe zu holen. Das hätte Zeit gekostet und zu spät sein können. Zufällig war der 49-jährige Andreas Gärtner in der Nähe. Er füllte gerade einen Zigarettenautomaten auf.
Gemeinsam schafften sie es, ins Schwimmbad zu kommen, warfen der Frau im Wasser einen Rettungsring zu und setzten über sein Handy einen Notruf ab. "Die 112 und 110 habe ich im Kopf, weil das die wichtigsten Nummern sind", so die junge Lebensretterin.
Innerhalb von wenigen Minuten war die Markneukirchener Feuerwehr da und konnte die 83-jährige Frau mit einem Schlauchboot aus dem Wasser retten. Sie hatte sich mit einem Sprung vom Turm ins kalte Wasser das Leben nehmen wollen und war plötzlich in Panik geraten, rief um Hilfe. Zum Glück, und zum Glück wurden die Rufe von der 12-jährigen Schülerin gehört. "Als wir die Frau gerettet hatten, konnte sie schnell wieder reanimiert werden. Es war sehr knapp, denn ihre Körpertemperatur betrug nur noch 32 Grad", so Wehrleiter Horst Voigt.