Der Neubau eines Feuerwehrgerätehauses für die Wache 3 in Klingenthal stellte mit einem Umfang von rund 893.000 Euro das bislang größte grenzüberschreitende angelegte Projekt in Klingenthal dar. Im Foto: Der damalige Bürgermeister Reiner Schneidenbach und Oldrich Wolf von der Feuerwehrdirektion Karlovy Vary beim symbolischen Spatenstich am 2. Juni 2006.
Foto: Helmut Schneider/Archiv
Mikroregion wartet auf Impulse
Zusammenarbeit soll trotz gescheitertem Projekt weitergehen
Klingenthal/Zwota/Muldenhammer. Auch wenn das erste Projekt gescheitert sei, die Zusammenarbeit über die Grenze gehe weiter, zeigte sich Klingenthals Bürgermeister Enrico Bräunig (SPD) zuversichtlich.
Unter der Überschrift "Zukunftswerkstatt - Lebensqualität durch grenzüberschreitende Kooperation" hätten in den Jahren 2009 und 2010 insgesamt 255.000 Euro in die grenzüberschreitende Mikroregion fließen sollen, die Klingenthal, Zwota und Muldenhammer sowie Graslitz/Kraslice, Schwaderbach/Bublava und Silberbach/Støíbrna bilden. Davon sollten 230.000 Euro aus Fördertöpfen der EU kommen.
Angedacht war, Aktivitäten in den Bereichen Tourismus, Kultur, Sport und Bildung zu vernetzen. Die Ideen reichten von der Erarbeitung tschechischer Arbeitsmaterialien für die Raumfahrtausstellung in Morgenröthe-Rautenkranz und der Schaffung eines deutsch-tschechischen Begegnungszentrums in Klingenthal über die Veranstaltung einer gemeinsamen Wintersportmesse bis hin zur Erstellung eines gemeinsamen grenzüberschreitenden Veranstaltungskalenders.
Betreut werden sollte das Projekt über den Verein zur beruflichen Förderung von Frauen (VbFF). "Wir müssen Gelder aus der EU in die Region holen. Sonst kommen wir nicht voran", hatte Projektleiterin Birgit Müller 2009 im Zwotaer Gemeinderat deutlich gemacht.
In Zusammenhang mit dem Projekt drehte im Februar diesen Jahres ein Team des tschechischen Staatsfernsehens in der Raumfahrtausstellung Morgenröthe-Rautenkranz für einen Film über die grenzüberschreitende Mikroregion, der im Frühjahr ausgestrahlt worden war.
Gescheitert ist das Zukunftswerkstatt-Projekt nach "Freie Presse" vorliegenden Informationen seitens der Stadt Klingenthal, die den notwendigen finanziellen Eigenanteil von 7000 Euro nicht aufbringen konnte. Diese Entscheidung war auch der Grund gewesen, warum sich der letztlich der VbFF aus Klingenthal zurückgezogen hat.
Seit dieser Entscheidung ist es um die Mikroregion wieder still geworden. "Wir haben unter den Bürgermeistern vereinbart, dass wir uns gegenseitig über geplante Vorhaben informieren", machte Bräunig deutlich. Er will in absehbarer Zeit wieder ein Treffen organisieren, um im Hinblick auf die 2014 beginnende neue Förderperiode Projekte zu besprechen.
Das bis Ende 2013 laufende Ziel-3-Projekt der EU hält allein in der Euregio Egrensis noch immer rund 700.000 Euro an Fördermitteln für grenzüberschreitende Kleinprojekte bereit. Allerdings fordern seit langem Kommunalpolitiker, dass der für eine Antragstellung bürokratische Aufwand deutlich reduziert werden müsse. Der Plauener Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP) hatte dies auf der Jahrespressekonferenz der Euregio Egrensis in Schlackenwerth/Ostrov mit deutlichen Worten angesprochen.
Für 2012 hofft Klingenthal auf Fördermittel aus dem Ziel-3-Projekt, um das seit langem geplante Vorhaben des Neubaus der Kindertagesstätte "Haus Sonnenschein" beginnen zu können. Im März wird eine Entscheidung des zuständigen Begleitausschusses erwartet. Der Neubau ist als grenzüberschreitende Einrichtung konzipiert, wobei von den 93 Plätzen mindestens neun für tschechische Kinder reserviert sind. Das Interesse auf tschechischer Seite, dass Kinder eine deutsche Kindertagesstätte besuchen, ist groß.