Neue Bergwachtstation am Grenzübergang

Mit Blick auf die Wintersaison 2010/11 soll am Aschberg ein deutsch-tschechische Projekt realisiert werden

Klingenthal. Klingenthal. Vor Beginn der Wintersaison 2010/11 soll am Grenzübergang zwischen Klingenthal und der tschechischen Aschberggemeinde Schwaderbach/Bublava eine grenzüberschreitende Bergrettungsstation in Betrieb genommen werden. Darüber informierte Landrat Tassilo Lenk (CDU) in seiner Funktion als Präsident der Arbeitsgemeinschaft Sachsen/Thüringen der Euregio Egrensis. "Das Gebäude wird auf tschechischer Seite errichtet, in dem die sächsische und die tschechische Bergwacht gemeinsam Dienst tun. Sie nutzen dieselbe Infrastruktur, dieselbe Technik, und stehen im Wintersportgebiet zweisprachig zur Verfügung", erläuterte Lenk das Vorhaben.

Das Skigebiet am Bleiberg ist in den vergangenen Jahren ausgebaut worden und wird auch von vielen Skiläufern aus Westsachsen gern genutzt. Geplant ist auch eine Verbindung mit den Abfahrtspisten in Silberbach/Støíbrna.

In der Saison 2008/09 nutzen die Pisten am Keilberg mehr als 250.000 Skiläufer, rund die Hälfte davon kam aus Deutschland. Die tschechischen Bergretter mussten mehr als 90 Mal ausrücken. In zehn Fällen wurden Rettungswagen aus Klingenthal oder Schöneck gerufen, um verletzte Skiläufer zurück nach Sachsen zu bringen. In der Regel fahren die Fahrzeuge über den Grenzübergang am Aschberg zu den Liften am Bleiberg. "Die Zusammenarbeit mit der sächsischen Seite, vor allem mit der Rettungsleitstelle in Plauen, funktioniert sehr gut", hatte Bohumil Havel, der Chef der Bergwacht Bublava, schon vor Jahresfrist im Gespräch mit "Freie Presse" bestätigt. Mit Bodo Schulz von der deutschen Seite des Aschberges haben die Tschechen jetzt auch einen Vogtländer in ihren Reihen.

Die Bergrettungsstation ist eines der grenzüberschreitenden Projekte, die über das so genannte Ziel3-Programm von der Europäischen Union gefördert werden. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr im sächsisch-tschechischen Grenzraum der Euregio Egrensis 73 grenzüberschreitende Vorhaben mit einem Volumen von 7,66 Millionen Euro auf den Weg gebracht. Seit 2000 flossen allein für das Gebiet Sachsen/Thüringen insgesamt rund 56 Millionen Euro.

Ein Beispiel für die erfolgreiche innovative Arbeit im Vogtland ist das Projekt "Wave - Wissenstransfer Alternativenergien Vogtland-Egerland" des Bildungsinstituts Pscherer aus Lengenfeld. Bei der Bewerbung um den von der Arbeitsgemeinschaft Europäischer Grenzregionen jährlich vergebenen Preis "Sail of Papenburg" schafften es die Lengenfelder in die Endauswahl der besten vier Projekte.

Trotzdem sieht Lenk die Möglichkeiten der Zusammenarbeit noch nicht ausgeschöpft. Derzeit liegt die Verwaltung der Strukturfondsmittel bei der Sächsischen Aufbaubank (SAB), die durch die Verwaltungsbehörde im Sächsischen Wirtschaftsministerium (SMWA) beaufsichtigt wird. "Wir merken immer wieder, dass sich unsere Sichtweise darauf, was unserer Region nützt, von der Sicht der SAB und des SMWA unterscheidet", betonte Lenk gegenüber "Freie Presse".

Hinzu kommt, dass Projekte nicht begonnen werden können, weil die geforderte Vorfinanzierung nicht möglich ist. Dem, so Lenk, ließe sich durch eine geringe Anschubfinanzierung abhelfen: "Insbesondere bei Kleinprojekten wäre es notwendig, mehr auf den Bedarf und die Vorschläge der Projektträger vor Ort einzugehen, zumal diese Projekte am ehesten bei den Bürgern ankommen".

 
erschienen am 14.03.2010 ( Von Thorald Meisel )
 
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