Mario Buchheim (links) und Dirk Dölling aus Gunzen beim Aufbau eines Griebenherdes. 
Mario Buchheim (links) und Dirk Dölling aus Gunzen beim Aufbau eines Griebenherdes.

Foto: Archiv Freie Presse

Pechsiederei wird für Gunzen Markenzeichen

Zum Ortsjubiläum 2009 war nach 71-jähriger Pause wieder ein Griebenherd angeheizt worden

Gunzen. Das alte Handwerk des Pechsiedens sollte ursprünglich nur ein Besuchermagnet zur Gunzener 600-Jahr-Feier im Jahr 2009 werden. Inzwischen zeigen die Gunzener das alte Handwerk auf verschiedenen Festen, wie zum Tag des Vogtländers 2010 in Markneukirchen oder im vergangenen Jahr zum Flößertag in Muldenberg und zur Schönecker Kirmes. "Wir sind überrascht, welch großes Interesse die Leute haben", freut sich Ingo Penzel, in Personalunion Ortsvorsteher und Vorsitzendes des Vereins Gunzen 1409.

Für dieses Jahr ist bereits wieder der Auftritt beim Flößerfest in Muldenberg vereinbart. Der Griebenherd wird dort zu Himmelfahrt am 17. Mai rauchen. Darüber konnte Penzel kürzlich in der Jahreshauptversammlung des Vereins informieren, zu der fast alle der 30 eingetragenen Mitglieder gekommen waren.

Bis April 1938 war in Gunzen Pech gesotten worden. Erhalten geblieben sind noch mehrere der sogenannten Griebenherde. An der Straße nach Eschenbach liegt der mit rund 1,2 Tonnen schwerste, der im Vogtland bekannt ist.

Zur Gunzener Bilanz gehört aber nicht nur die Pechsiederei. Zu einer Spielplatzaktion im Mai kamen viele Eltern mit ihren Kindern, auch Großeltern halfen tatkräftig mit. Auf dem Spielplatz konnte einiges gerichtet und repariert werden. Der Verein nahm am Wettbewerb "Sternquellvereinsmeier" teil und trat in der Kategorie "Tradition" an. Die Gunzener wurden im Juli "Verein des Monats" und belegten in der Gesamtwertung Platz zehn.

Die Teilnahme am Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" brachte einen dritten Platz, verbunden mit einem schönen Preisgeld, ein. Eine Ausfahrt des gesamten Vereins an den Brombachsee im Oktober war eine kleine Belohnung für die vielen Stunden uneigennütziger Arbeit im Verein. "Wir haben unseren Bekanntheitsgrad im Vogtland wieder etwas steigern können", zeigte sich Ingo Penzel zufrieden.

Fest steht auch der Plan für die Veranstaltungen in diesem Jahr. Neben den monatlichen Vereinstreffen, zu der immer alle Einwohner des Dorfes eingeladen sind, soll vor allem die Kirwe wieder Höhepunkt für Gunzen werden.

Eröffnet wird die Veranstaltung am 9. Juni mit der Gruppe "Sachsentramp". Am Sonntag gibt es Frühschoppen und nachmittags Festplatzbetrieb in gewohnter Form. Dazu gehören gute musikalische Unterhaltung, Speisen und Getränke in "Gunzener Tradition" und Pechsieden. Dazu gehört aber auch, dass Kinder Vorrang haben und sich auf einige Überraschungen freuen können. Für den Oktober ist zudem wieder ein Bockbierfest geplant, auch das Programm für die Silvesterparty ist schon in Arbeit.

Für die nächsten Jahre steht der Verein vor großen, aber aus Sicht von Penzel beherrschbaren Aufgaben: "Es geht dabei weniger um den alten Haltepunkt, der inzwischen privat in gute Hände gelangt ist, sondern der traditionsreiche Kultursaal wird uns noch viel Energie kosten. Wir hoffen, dass der Saal weiterhin genutzt werden kann, denn aus dem Dorf wegdenken kann sich keiner dieses Gebäude", machte er deutlich. Zu einer Übernahme ist der Verein allerdings selbst zu klein. Dafür wäre er auf Spenden angewiesen.

Im Griebenherd wird harzreiches Holz erhitzt, bis das Pech durch ein Loch im Boden in ein bereitstehendes Gefäß fließt. Griebenpech wurde früher für Schiffs- und Bootsbau, in Brauhäusern sowie von Schuhmachern und Sattlern verwendet. Mit Leinöl vermengt, diente es auch als Wagenschmiere. Apotheken nutzten es sogar zur Herstellung von Salben und Pflastern.

 
erschienen am 31.01.2012 ( Von Thorald Meisel )
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