Winterdienst: Stadt reagiert auf Beschwerde
Spar-Idee, erst bei fünf Zentimetern räumen zu lassen, ist passé
Klingenthal. Anwohner atmen auf: Die Stadtverwaltung Klingenthal ist jetzt den Schneemassen an besonders engen Straßen im Ort mit Bagger und Laster zu Leibe gerückt. Dienstagabend rollte ein Tieflader zu Lessing- und Aschbergstraße, an den Steindöbraweg sowie Richtung Mühlleiten. Darüber informierte Toralf Wolff auf Nachfrage. Er ist im Bauamt für den Winterdienst zuständig. Auch von einem Abschnitt der Steinbachstraße werden noch Schneehäufen abtransportiert. Zum Teil ist die Aktion eine Reaktion auf wiederholte Bürger-Beschwerden, räumte Wolff ein.
Pro Runde fast 2900 Euro
Einer, der sich immer wieder beschwerte und für die Anwohner der Lessingstraße einsetzte, ist Rudi Schlott. Der 82-Jährige und seine Frau Heidemarie sind erleichtert und dankbar, dass die Schneeberge vor der Tür nun weg sind. Persönlich holte der Klingenthaler mit seinem Wagen Bauamts-Mitarbeiter Wolff zu einem Vor-Ort-Termin am Montag ab. Viele Nachbarn waren wie er mit den Nerven am Ende. "Es zehrt an der Kraft, wenn man jeden Tag räumen muss", sagte Schlott. Regelrechte Wände hätten sich vor den Eingängen zuletzt aufgetürmt. Früher habe der Winterdienst Richtung Hang geschoben, heute türmten sich die Schneewellen vor geparkten Autos und Hauswänden. Der Rentner führt Liste, an welchen Tagen der Räumdienst in seinen Augen unnötig, wann zu selten fuhr.
Fünf-Zentimeter-Grenze gekippt
Rund 2900 Euro kostet es die Stadt Klingenthal, das 65 Kilometer lange Straßennetz einmal komplett räumen und streuen zu lassen. Eine Runde ist an den meisten Tagen nicht genug, gerade in höheren Lagen. Insgesamt sind dieses Jahr etwa 270.000 Euro für den Winterdienst vorgesehen. Ob das reicht, sei noch nicht absehbar. Die Stadt ging im Juli auf Sparkurs. Die Räumfahrzeuge sollten diesen Winter erst ab fünf Zentimetern Schnee auf der Straße ausrücken, nicht schon bei einem. Beim ersten Schnee war die vom Stadtrat beschlossene Neuerung jedoch vom Tisch: "Das Vorhaben mussten wir kippen", sagte Wolff am Mittwoch. "Nicht praktikabel."
Inzwischen drehen die Fahrzeuge von Joachim Wachtler bei zwei bis drei Zentimetern Neuschnee eine Runde. Seine Firma ist seitens der Stadt für den Winterdienst beauftragt. Beschwerden hagelt es täglich, berichtete der Chef auf Nachfrage.
Risiko für die Technik
So wandten sich Anwohner am Aschberg und von der Steinbachstraße an "Freie Presse". Etwa Frank Krauße. Ein Fahrer schiebe alle Ausfahrten und freien Buchten an der Steinbachstraße zu, kritisierte er. Gerade Senioren hätten es dann schwer. Auch Christine Ernst wünschte sich mehr Rücksicht.
Das Schild eines Schneepfluges vor einer Einfahrt zu drehen, wie es sich Anwohner wünschten, sei bei engen Straßen nicht möglich. "Bei nassem, schweren Schnee, wie er in den letzten Wochen war, bewegen wir zudem Tonnen von Last vor unseren Schneepflügen", erklärte Winterdienst-Beauftragter Wachtler. Die Technik nimmt leicht Schaden, wird das Schild dann oft verstellt. "Bei trockenem Schnee versuchen wir immer, es den Bürgern recht zu machen." Bei den derzeitigen Verhältnisse stoße der Winterdienst aber an Grenzen.
Rentner Rudi Schlott wünscht sich indes eine Bürgerversammlung, auf der sich Verantwortliche aus dem Rathaus Hinweise der Klingenthaler anhören. Schließlich kenne niemand die Verhältnisse vor den Türen so gut, wie die Anwohner.