Viele Häuser, weniger Menschen: Adorf steht vor großen Herausforderungen. Wohnungen in der Altstadt und im Neubaugebiet sollen deshalb wegfallen. Die Aufnahme entstand am 1. Februar von der Hubbühne der Adorfer Feuerwehr aus. Im Vordergrund der Markt, rechts die Hohe Straße.
Foto: Helmut Schneider
Adorf verliert weiter viele Bürger
2015 fällt die Stadt unter die Marke von 5000 Einwohnern - Gezielte Schrumpfung von Wohnraum geplant
Adorf. In Adorf leben immer weniger Menschen, und die Abwärtsspirale setzt sich weiter fort. Hat die Stadt bereits seit 1990 mehr als ein Viertel ihrer Einwohner verloren, so wird sie in drei Jahren unter 5000 Einwohner fallen, 2025 leben voraussichtlich nur noch 4500 Bürger in der Stadt. Die Rathausspitze will gegensteuern - mit dem Stadtentwicklungskonzept für die Bereiche Südliche Altstadt und Schillerstraße (Neubaugebiet), welches der Stadtrat einstimmig beschlossen hat.
Geht es nach den Abgeordneten, fließen in den nächsten Jahren 4,4 Millionen Euro. Es gibt aber eine Hürde. "Die Städte stehen untereinander im Wettbewerb. Es ist nicht sicher, dass dieses Stadtumbaugebiet auch angenommen wird. Das wird sich im Laufe des Jahres entscheiden", sagte Martin Neubert von der Westsächsischen Gesellschaft für Stadterneuerung (WGS). Dass es sowohl im Neubaugebiet als auch im Areal zwischen Goesmann-, Schul-, Lessing- und Goethestraße Handlungsbedarf gibt, ist unstrittig. In den Neubauten ist der Altersdurchschnitt der Mieter sehr hoch, so dass Wohnungen wegfallen sollen. Allerdings ist nicht vom Abriss ganzer Blöcke, sondern der Entfernung von Segmenten und Geschossen die Rede, so Anett Eisel von der WGS. In der südlichen Altstadt macht hoher Leerstand Sorgen. Im Privatbesitz an der Lessingstraße liegt er zum Beispiel bei 40 Prozent, auch die kommunale Wohnungsgesellschaft hat mit großen Problemen durch leerstehende Wohnungen zu kämpfen.
Mit dem nun beschlossenen Konzept bewirbt sich die Stadt Adorf um Aufnahme in das Förderprogramm Stadtumbau Ost, welches an in diesem Jahr auslaufende Zuschuss-Programme anknüpft. Ist die Stadt erfolgreich, erhält sie beim Abriss von Wohnungen bis 2020 eine Förderung von 70 Euro pro Quadratmeter, bei der Aufwertung von Wohnquartieren kann sie damit rechnen, dass Bund und Land je ein Drittel der Kosten tragen. In jedem Fall müsste Adorf aber auch viel eigenes Geld in die Hand nehmen, um die Stadt als Wohnort attraktiver zu machen.
Anders, als im Technischen Ausschuss des Stadtrates im Januar beraten, sollen Haus-Abbrüche und Investitionen im Wohnumfeld sowohl an der Schillerstraße als auch in der südlichen Altstadt möglich sein. "Wir wollen uns alle Möglichkeiten offen halten. Abspecken können wir immer noch", begründete Bürgermeister Rico Schmidt (SPD). Auch an der August-Bebel- und der Lessingstraße gibt es Häuser, bei denen die WGS einen Abriss für möglich hält. Der Einwohnerrückgang in Adorf liegt laut Martin Neubert über dem Kreis- und Landesdurchschnitt. Diese Entwicklung betreffe jedoch alle Städte gleichermaßen.


