Was für ein Bild: Rund 1000 Besucher bildeten in Adorf den mit 333 Metern längsten singenden Biertisch im Vogtland.
Foto: Eckhard Sommer
Adorfer holen Biertisch-Rekord
Im Wettbewerb um Superlative mit Lengenfeld haben die Obervogtländer jetzt wieder die Nase vorn - und zwar deutlich
Adorf. Es ist soweit: Langsam fahren Manfred Hofmann und Marcus Kiontke die Plattform vom Löschfahrzeug aus. Meter für Meter. Der leere Magen meldet sich und das Herz beginnt Alarm zu pochen. "Ein kleines Stückchen würde es noch gehen", sagt Hofmann - und grinst dabei. Ach nee, lass mal gut sein, es reicht auch so. Schließlich ist die Spitze des Kirchturms fast auf Augenhöhe.
Erst von hier oben wird die Dimension deutlich: Wie ein Lindwurm in knalligem Orange winden sich die Tische und Bankreihen als U um den Adorfer Marktplatz. Ein gieriger, ein hungriger Lindwurm, denn nur vereinzelt sind gegen 13 Uhr Plätze besetzt. Bürgermeister Rico Schmidt ist zu einer Ameise geschrumpft. Als wenn sie ihre Artgenossen verloren hat, läuft er verzweifelt übers Straßenpflaster und seine Gedanken sind trotz der 30 Meter Höhenunterschied zu hören: Hoffentlich reicht es! Bei allem Optimismus und Ehrgeiz hat das nicht den Anschein, denn wer, bitteschön, soll die vielen Lücken füllen in der nächsten halben Stunde, bis es ernst wird, bis Adorf Vogtland-Geschichte schreiben will? Und dann plötzlich, wie auf ein geheimes Signal hin, kommen die Menschen-Ameisen hervor aus den Häusern und Straßen. "Sie werden platziert!"- das war einmal. Jeder sucht sich ein Fleckchen an einem der Tische. Schmale und breite Pos rücken zusammen - einer passt noch, einer passt noch dazwischen. Die Zapfer an den mobilen Bierhähnen zapfen im Akkord, die Plastikbecher mit dem Gerstensaft werden im Flitztempo an den Tischen verteilt. Genauso wie Zettel mit Liedtexten, denn auch der Gesang soll dazugehören zum Rekord.
Um halb zwei lockert Rico Schmidt den Schlips, wischt sich den Schweiß von der Stirn und könnte eine Meterpauschale geltend machen. Während aus rund 1000 Kehlen zwischen zwei Schlucken aus dem Becher "Das Vogtlandlied" und "Dr Vugelbeerbaam" geschmettert wird und sich Arme zum Schunkeln verhakeln, schreitet er mit Messlaufrad die Tischreihen ab. 100 Meter, um die erste Kurve, 200 Meter, um die zweite Kurve. Bei 242 Meter bleibt Rico Schmidt stehen, strahlt und bekommt Beifall, als er verkündet: "Der Rekord von Lengenfeld ist geknackt!" Doch die Schwanzspitze des Lindwurms ist längst noch nicht erreicht. Erst bei 327 bleibt das Messrad stehen. Das gibt's doch nicht, die paar läppischen Meter. "Los", ruft Rico Schmidt, der Mitreißer-Bürgermeister, "die Schnapszahl müssen wir noch schaffen!"
Eilig werden die allerletzten Tische und Bänke - woher auch immer - herbeigeholt. Und wer bis jetzt noch im Schatten zugeschaut hat, setzt sich hin und Kay Wagner dann wirklich den Schlusspunkt.
Wir Adorfer, wir sind heute die Größten! Es lebe unsere Gemeinschaft! Ein 333 Meter singender und schunkelnder Biertisch - wie will Lengenfeld das schaffen? Oder sonst wer im Vogtland?

