Bauherr investiert mehr als eine Million
Chef der Adorfer Bau GmbH plant am Oberen Markt Wohn- und Geschäftshaus
Markneukirchen. Wer bislang im Stadtkern Markneukirchen spazieren ging, sah es voller Schmerz: Das Doppelhaus Oberer Markt 7/9 hatte die besten Jahre hinter sich. Zwar ließ die Fassade einstigen Glanz erahnen, leere Fenster und bröckelnder Putz stimmten aber eher traurig. Nun, nach 16 Monaten Verhandlung, ist eine Lösung für dieses größte Sorgenkind im Zentrum gefunden: Normen Tiedtke, Geschäftsführer der Adorfer Bau GmbH, errichtet anstelle des bisherigen Gebäudes bis Frühjahr 2013 ein neues Wohn- und Geschäftshaus. Der 36-Jährige investiert dafür nach eigenen Angaben mehr als eine Million Euro.
Hinter dem Wernitzgrüner liegen viele Monate mit Verhandlungen mit Besitzern und Behörden. Ein Auge hatte Tiedtke als Besitzer des Hauses Oberer Markt 13 schon länger auf den stadtbildprägenden Bau geworfen, der bis Mitte der 1990-er Jahre eine Skoda-Werkstatt beherbergte und sich seither in wechselnden privatem Besitz befand. "Ich hab Blut geleckt, es macht mir Spaß", geht Tiedtke das Großvorhaben mit Elan an. Bei den langwierigen Verhandlungen gab es viel Unterstützung durch die Stadt, so der Bauherr, gerade durch Bürgermeister Andreas Jacob (CDU). "Er hat sich sehr reingekniet, obwohl der Stadt das Haus gar nicht gehört", lobt Tiedtke. Auch das Landratsamt habe sich stets auf seine Seite gestellt.
Obwohl Landesbehörden wegen des bestehenden Denkmalschutzes gegen den Abriss waren, darf der Bauherr abbrechen und neu bauen. Der Grund ist ein Verfahrensfehler, welcher der Landesdirektion Chemnitz unterlief. Am Oberen Markt entstehe kein Fremdkörper, versichert Tiedtke. "Ich will keinen Neubaublock da haben", sagt er. Der Neubau ordnet sich in die Häuserfront ein, lehnt sich in der Fassade an historische Vorbilder an, erhält rechteckige statt wie bisher Rundbogenfenster und wird ein Flachdach ähnlich der benachbarten Sparkasse erhalten. Im Erdgeschoss entstehen zwei Gewerbeeinheiten - die Büros sind bereits vermietet - in den beiden Stockwerken darüber acht Wohnungen mit zwei bis drei Räumen von 60 bis 85 Quadratmeter Größe. Sie sind noch nicht alle vergeben.
Bis es soweit ist, ist noch viel zu tun. "Die Giebelsicherung geht jetzt los", so Tiedtke. Ab dem 13. Februar werden die alten Bauten weggerissen. Es sind mit teils eingebrochenen Hinterhäusern sieben Gebäude. An der Front zum Oberen Markt ist das Dach eingebrochen, zwei Geschossdecken sind durchgebrochen, im Erdgeschoss steht Wasser, erklärt Tiedtke, Schimmel hat sich ausgebreitet. Bislang ist der Zugang nur vom Oberen Markt aus möglich, ohne Abriss des Vorderhauses müssten die desolaten Hinterbauten per Multicar und Schubkarren herausgeschafft werden. Die Grundstücke erhalten im Zuge der Bauarbeiten auch einen Zugang von der Schönecker Straße aus, an der auf einer Fläche, die Tiedtke gehört, die Parkplätze für das Wohn- und Geschäftshaus entstehen. Für den Abbruch sind vier Wochen vorgesehen. Nach Ostern will die Adorfer Bau GmbH dann mit dem Rohbau beginnen.
Für Abriss und Neubau erhält Tiedtke keinen Cent an Fördermitteln aus Steuergeldern, unter anderem, weil die Töpfe für Stadtkernsanierung im Ort sowie auch die ländliche Entwicklung ausgeschöpft sind. Eins ist dem Bauherren ganz wichtig: Ehefrau Liane baut mit.


