Eier Kein Ei wie das andere: Die tschechischen Kalkovale sind inzwischen erheblich teurer als die deutschen Exemplare.

Foto: Martin Sünderhauf (Fotomontage)

Böhmische Kunden auf Eierfahrt

Zum Osterfest werden wohl viele Tschechen Lebensmittel in Geschäften im Vogtland kaufen

Klingenthal. Um fast 100 Prozent sind seit Jahresbeginn in der Tschechischen Republik die Preise für Eier gestiegen. Zudem zeigen sich Engpässe in der Versorgung. In Karlsbad/Karlovy Vary waren Ende vergangener Woche bei fast allen großen Handelsketten die Regale leer.

"Wir verzeichnen die Tatsache, dass viele Menschen inzwischen die Eier in Deutschland kaufen. Und nicht nur Eier. Seit der Erhöhung der Mehrwertsteuer zum 1. Januar sind in Deutschland fast alle Lebensmittel billiger. Wer draufzahlt, sind vor allem kleine und mittlere Händler in der Grenzregion", konstatiert Jakub Pánik, Vorsitzender der Handelskammer in Eger/Cheb.

Viele tschechische Kunden

Die Einschätzung von Pánik kann auch Jana Bähr bestätigen, die in Klingenthal den Spar-Markt betreibt: "Die Zahl der tschechischen Kunden, die Lebensmittel kaufen, hat in den vergangenen Wochen deutlich zugenommen." Und das, obwohl auch in Deutschland der Eierpreis gestiegen ist: 1,49 Euro kostet die 10er-Packung der Klasse M, eine Erhöhung um 20 Cent.

Hinter dem Preisanstieg steht vor allem die neue EU-Verordnung, nach der Geflügelzüchter Tiere nicht mehr in den berüchtigten Legebatterien halten dürfen. Dadurch ist ein großer Teil der tschechischen Importe aus Polen und Ungarn weggebrochen. Nach einem Bericht von Radio Prag vom 17. Januar waren innerhalb von fünf Tagen mehr als eine Million Eier aus Einkaufsmärkten genommen worden, deren Herkunft unklar war.

Außerdem wurde zum 1. Januar der Mehrwertsteuersatz von zehn auf 14 Prozent erhöht. Betroffen davon sind neben Lebensmitteln des täglichen Bedarfs vor allem Medikamente, soziale und gesundheitsfördernde Dienste, der Personennahverkehr, Eintrittspreise für Kultur und Sport, Bücher, Zeitungen, Wasser und Fernwärme. Lebensmittel wie Butter oder Milch kosten in tschechischen Läden inzwischen fast doppelt so viel wie im Vogtland. "Unter diesem Aspekt ist die gestiegene Nachfrage der tschechischen Kunden begreiflich", meinte Jana Bähr.

Die nächste Stufe der Erhöhung der Mehrwertsteuer ist bereits angekündigt. Die Einkaufsmärkte in der Grenzstadt Graslitz/Kraslice versuchen, mit einer Vielzahl von Sonderangeboten und Aktionspreisen Kunden zu halten.

Einkommensschere öffnet sich

Heute verdienen die Tschechen nach einem Bericht von Radio Prag monatlich im Schnitt 24.000 Kronen, was etwa 960 Euro entspricht. Nach statistischen Angaben öffnet sich dabei die Einkommensschere zwischen Reich und Arm. Löhne und Gehälter von gut zwei Dritteln der Beschäftigten liegen unter dem Durchschnitt. Die Altersrente beträgt durchschnittlich etwa 10.000 Kronen (rund 400 Euro). Das ist in etwa so viel, wie die Monatsmiete für eine einfache Einzimmerwohnung in Prag kostet. Wer kein Haus besitzt, oder in einer älteren Wohnung mit staatlich regulierter Miete wohnt, muss extrem auf sein Geld achten. Und der Sparkurs der Regierung mit den Wirtschaftsreformen, die 2013 in Kraft treten, bedeutet, dass die Gürtel enger geschnallt werden müssen.

Dass die tschechischen Eierpreise über denen in Sachsen liegen, daran ist nach Meinung von Jakub Pánik nicht nur die EU schuld. "Es sind auch Hersteller und Händler dafür verantwortlich, die die Situation mit dem Mangel an Eiern auf dem Markt ausnutzen. Ihre Marge überschreitet in diesen Tagen sogar die, welche wir aus der Osterzeit kennen, wenn die größte Nachfrage herrscht."

 
erschienen am 08.03.2012 ( Von Thorald Meisel und Vladislav Podracky )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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