So fing alles an: Am 4. April klaffte frühmorgens ein 60 mal 50 Zentimeter großes Loch, das Bürgermeister Christoph Stölzel vermisst. So fing alles an: Am 4. April klaffte frühmorgens ein 60 mal 50 Zentimeter großes Loch, das Bürgermeister Christoph Stölzel vermisst.

Foto: Harald Sulski

Das Loch des Jahres ist bald Geschichte

Das Bergwerk unter der Eichigter Dorfstraße wird ab Mitte August verschlossen

Eichigt. Mit dem Ferienstart gähnt mal wieder das Sommerloch - aber dem berühmtesten Loch des Vogtlands geht's an den Kragen. Ab Mitte August soll der riesige Hohlraum des alten Bergwerks unter Eichigts Dorfstraße verfüllt werden. Voraussichtlich ab Mitte September sollen wieder Autos drüberrollen. Seit Anfang April war Eichigt in den Schlagzeilen, Neugierige kamen selbst von weiter her, nur um einen Blick in den Untergrund zu werfen.

Was mit einem Rumsen begann, kurz nach dem der Schulbus darüber fuhr, ist längst nicht mehr das "größte Schlagloch Deutschlands", zu dem der Krater flugs ausgerufen wurde. Für Eichigts Bürgermeister Christoph Stölzel (SPD) ist klar, dass hier eine Gefahr im Untergrund lauerte. Unter dem Loch taten sich die Gänge eines rätselhaften Altbergbaus, lange Stollen, teils eingebrochen, ein Bus hätte da mehrfach reingepasst. Bis heute hat sich der Nebel um die Grube nicht gelichtet, zu der es keine Dokumente gibt.

"Wenn hier etwas abgebaut wurde, dann Eisen", so Stölzel zu den Erkenntnissen der Bergsicherung. Die Stollen angelegt wurde per Hand, die Experten gehen von jahrzehntelangen Bergbauversuchen aus. "Es ist alles unheimlich viel Handarbeit. Gesprengt wurde in Schneeberg um 1740 das ersten Mal. In Eichigt wurde nicht gesprengt", sagte der Bürgermeister. Auf das Alter des Bergwerks legen sich Fachleute nicht fest - vorsichtig ist von ausgehendem Mittelalter die Rede. Im Bergwerk verbautes Holz befindet sich zur Altersbestimmung in Berlin.

Der gesicherte Gang des alten Bergwerkes erlaubt inzwischen auch den Vogtländern einen Einblick in die unterirdische Welt - wie hier Friederike Stölzel. Der gesicherte Gang des alten Bergwerkes erlaubt inzwischen auch den Vogtländern einen Einblick in die unterirdische Welt - wie hier Friederike Stölzel.

Foto: Gemeindeverwaltung Eichigt

Die Eichigter und ihr Loch, es ist ein bisschen Hassliebe. "Die Stimmung kippt. Die Leute wollen wieder rauf und runter fahren", gibt der Bürgermeister eine Meinung wieder. Der Landwirtschaftsbetrieb Agrofarm Eichigt ist stinksauer. Statt lange Umleitungen wegen der am Bergwerk vollgesperrten Dorfstraße in Kauf zu nehmen, suchen sich viele den kürzesten Weg. "Um Eichigts Ortsmitte jetzt zu erreichen, werden Felder der Agrofarm brutal zerfahren, Wald- und Feldwege in Schlammpisten verwandelt", klagt Stölzel per E-Mail an den Freiberger Oberberghauptmann Bernhard Cramer. Andere wieder sind zu den Arbeitern in die Grube hinabgestiegen, kommen aus dem Staunen nicht heraus, was sie da sahen, bestürmen den Bürgermeister, das Loch müsse bleiben, als Touristenattraktion. Die Straße könne doch auch nebenan auf die Wiese verlegt werden.

Stölzel winkt ab. Ihm sind die Hände gebunden. Gegen das Wort des Oberbergamt geht nix. Das hat der Bürgermeister erfahren, als er wegen Beschwerden der Eichigter über das Loch und dessen "schleppende Sanierung" in Freiberg anklopfte, ob nicht auf Amts-Kosten die alte Straße zwischen Eichigt und Süßebach, heute Feldweg, als Ausweichlösung gebaut werden könne. Behörden-Chef Cramer sagte Nein. Genauso ist klar, dass das Loch verfüllt wird. Derzeit wird die Entwässerung des Stollens , erklärte Martin Herrmann, Abteilungsleiter im Oberbergamt. Bis Ende August wird verfüllt. An Stellen mit Einsturzgefahr werden etwa 70 Kubikmeter Beton eingebracht. Gleich danach wird die Straße gebaut. Immerhin: Auch wenn das Loch in der Dorfstraße zu ist, den Eichigter bleibt ihr Loch. So heißt der untere Teil der Siedlung schon immer. Nur ist das Kilometer weit vom Loch des Jahres 2012 weg.

 
erschienen am 24.07.2012 ( Von Ronny Hager )
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