Im Fokus der Spielszenen für die Folge "Karl Stülpner - Der Robin Hood aus dem Erzgebirge" steht die Liebe zwischen Christiane - der Tochter des Dorfrichters - und Karl Stülpner. Gemimt werden die Rollen von Christoph Kottenkamp (rechts) und Maja Lehrer.
Im Fokus der Spielszenen für die Folge "Karl Stülpner - Der Robin Hood aus dem Erzgebirge" steht die Liebe zwischen Christiane - der Tochter des Dorfrichters - und Karl Stülpner. Gemimt werden die Rollen von Christoph Kottenkamp (rechts) und Maja Lehrer.

Foto: Uwe Mann

Erlbach: MDR lässt Karl Stülpner auferstehen

Gedreht wurden die Szenen über den erzgebirgischen Volkshelden im Vogtland

Erlbach. Karl Stülpner (1762-1841) hat viele Gesichter: Da gibt es sein wahres Antlitz, das man auf seinem Grabstein im erzgebirgischen Großolbersdorf bewundern kann, ein anderes stammt von Manfred Krug und wieder ein anderes gehört dem Gästeführer auf der Burg Scharfenstein, Ralph Görner. Ab August, wenn die 14. Staffel der MDR-Reihe "Geschichte Mitteldeutschlands" ausgestrahlt wird, hat der legendäre Wilderer, Gejagte und Held ein weiteres: Christoph Kottenkamp mimt Stülpner. Seine Frau Christiane wird von Maja Lehrer gespielt.

Fernsehleute ziehen ins Dorf

Am Set im vogtländischen Freilichtmuseum in Eubabrunn herrschte zu den Drehtagen in dieser Woche Hektik. Mit einem 30 Mann starken Team rückte der Mitteldeutsche Rundfunk in den Ort ein. Lkw und Transporter brachten unter anderem Kameras, Kostüme, Stative und Reflektoren mit. An der Kulisse mussten die Experten wenig ändern. Der stinkende Misthaufen im Inneren des Vierseitenhofes ist immer da. Auch Hühner, Kaninchen und Pferde fühlen sich dort stets heimisch. Nur das in die Outfits des späten 18. Jahrhunderts gekleidete Bauernvolk, der Scherenschleifer und die Kräuterfrau gehören nicht zum üblichen Bild.

Auch Szenen wie das erste Aufeinandertreffen von Karl Stülpner mit seiner späteren Ehefrau Christiane hat es hier nicht gegeben. Doch das Set wirkt so realistisch, dass man sich in die Zeit der Hungernöte hineinfühlen kann. Maske und Kostüm sorgen für die perfekte Illusion. Die Gesichter der Komparsen sind schmutzig und hager, die Kleidung ist verschlissen. Überstrahlt wird diese Tristesse nur von der jungen Christiane. Zwei Stunden saß Maja Lehrer dafür in der Maske - Locken eindrehen, Häubchen feststecken, schminken. Christoph Kottenkamp schlüpft schon allein durch sein Kostüm in die Rolle - etwas Haargel und Puder, fertig. "Ich will Karl Stülpner nicht verkitscht spielen", sagt der 41-jährige Schauspieler am Rande der Dreharbeiten. Für seine 22-jährige Partnerin steht vor allem die Stellung der Frau zu jener Zeit im Fokus. "Christiane wird unverheiratet schwanger von Karl. Damals ist man dafür 14 Tage ins Gefängnis gekommen", erklärt die Berlinerin.

Held oder Verbrecher

Das erste Aufeinandertreffen der Hauptfiguren wird in dem Dokumentarfilm, der mit Spielszenen ergänzt wird, nur wenige Sekunden beanspruchen. Bei den Dreharbeiten dauern die Aufnahmen Stunden. Als erstes wird das komplette Set noch einmal umgebaut. Dann werden die Komparsen eingewiesen, anschließend kommen die Schauspieler dazu. Nach einigen Probedurchläufen wird gedreht. Erst mehrmals aus der einen Perspektive, dann über die Schulter des Titelhelden. Zehn Stunden dauert der Drehtag. Am Ende wird die Doku dem Fernsehpublikum zeigen, ob Stülpner nun Held oder doch Verbrecher war.

Service

Die 14. Staffel "Geschichte Mitteldeutschlands" startet am 19. August, jeweils sonntags 20.15 Uhr im MDR. Die Dokumentation über Karl Stülpner wird am 9. September ausgestrahlt. Die anderen vier Folgen befassen sich mit Erich Honecker, Reinhard Gehlen, Ilse Koch und Karl dem Großen.

 
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Erlbach: MDR lässt Karl Stülpner auferstehen
"Wir haben Stülpner nicht ins Vogtland entführt"
 
erschienen am 25.05.2012 ( Von Denise Märkisch )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
2
(Anmeldung erforderlich)
  • 29.05.2012
    10:15 Uhr

    hkremss: Eine Einschätzung muss immer der Sicht des jeweiligen Betrachters überlassen bleiben. Eine historisch korrekte Darstellung sollte Fakten darstellen und keine Bewertung vornehmen bzw. vorgeben, nach der sich dann alle zu richten haben. Leider wäre das eine ziemlich langweilige und staubtrockene Sache und für "MDR-Edutainment" ungeeignet. Dass Figuren wie Stülpner, Hood oder Störtebeker heute überwiegend positiv gesehen werden hat etwas mit Legendenbildung zu tun, die den Blick auf die Fakten trübt. Wir alle sind mit diesen Legenden aufgewachsen. Wer bzw. wie diese Menschen wirklich waren, lässt sich aber kaum noch rekonstruieren und die Geschichte vom ehrbaren Volkshelden hat viel zu viel Charme, als dass man ernsthaft daran rütteln möchte. Immerhin haben Sie die Geschichte überdauert, ganz im Gegensatz zu vielen Chamäleons und Wendehälsen.

    0 1
     
  • 28.05.2012
    10:52 Uhr

    crashy9708: GANZ IM SINNE DES BETRACHTERS

    Im Vergleich zur heutigen Wirtschafts- und Sozialpolitik lässt sich auch der Karl Stülpner schwer einordnen.

    Letztendlich aber ist er ein Mann des Volkes und der Mann (Frau) aus dem einfachen Volk, der (die) ist immer der (die) Dumme.

    Werden nicht heute auch noch Helden zu Verbrechern gestempelt und im gleichen Atemzug Verbrecher zu Helden erhoben?

    Wie schon gesagt - es ist alles eine Sache des Winkels und der Machtverhältnisse, sowie des eigenen Rechtsempfindens wie Menschen hier zu Lande beurteilt, vorverurteilt und abgestempelt werden.

    Einzig das Chamäleon oder der Wendehals haben eine Chance als Held in den Geschichtsbüchern eine positive Bewertung zu erhalten.

    Der Ehrliche und Aufrechte, der wurde und wird schon immer geächtet.

    Leider sind all jene, die den Stülpner'sch Karl wirklich kannten, schon lange tot und so wird auch dieser Mensch nie gerecht beurteilt werden können, sondern nur aus der Sichtweise des heutigen Betrachters eine Einschätzung erfahren.

    0 1
     

 
 
 
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