Forschungseinrichtung Seit Jahrzehnten existiert die Forschungseinrichtung in Bad Elster. Doch der Standort ist nicht mehr gesichert.

Foto: Helmut Schneider/Archiv

Institut für Gesundheitsforschung steht im Kurort vor dem Aus

Ohne Geld aus Dresden sieht der Institutsleiter keine Zukunft mehr in Bad Elster

Bad Elster. Nach fast 85 Jahren Forschungsarbeit steht das Deutsche Institut für Gesundheitsforschung in Bad Elster vor dem möglichen Ende. Innerhalb der nächsten drei Monate entscheidet sich, ob sich die 1928 eröffnete Einrichtung aus dem Kurort zurückzieht. Das sagt Institutsleiter Karl-Ludwig Resch auf Anfrage der "Freien Presse". Zuvor hatte es Gerüchte um eine Schließung gegeben.

Damit droht dem Gesundheitswesen in Bad Elster erneut ein Schlag. Seit vorigem Jahr fließt für die seit 2007 privatwirtschaftlich organisierte, gemeinnützige Forschungseinrichtung kein Geld mehr aus Dresden. Davor hatte das Sozialministerium jährlich laut Haushaltsplan 270.000 Euro angesetzt. Tatsächlich ausgewiesen wurden im Jahr 2010 nur noch 189.000 Euro. Der Instituts-Chef will über Summen nicht sprechen. "Es muss eine gesunde Basis da sein", sagt er. "Projekte tragen sich nicht." Resch hofft, dass der Landkreis einspringt.

Landrat Tassilo Lenk (CDU) hatte bereits 2005 geäußert, dass der Kreis keine Möglichkeit habe, sich finanziell zu engagieren. Auf Nachfrage betonte er jetzt, dass er sich damals vehement gegen eine Privatisierung ausgesprochen hatte. "Insbesondere deshalb, weil rein theoretisch auch die Gefahr bestand, dass das einzige Forschungsinstitut dieser Art in Deutschland den Standort Sachsen und das Vogtland verlassen könnte, wenn die Finanzbindung wegfällt", so Lenk. Über einen regionalen Ansatz könne es jedoch trotz angedachter Initiativen im Gesundheitstourismus nicht gesichert werden.

Seit das Ministerium nicht mehr Aufträge nach Bad Elster gibt, werden es im Gesundheitsbereich stetig weniger. Von vormals zehn festen Stellen und zusätzlich bis zu 20 an Projekte gebundene Mitarbeiter sind heute fünf Beschäftigte im Kurort übrig, zwei in der Dresdener Geschäftsstelle. Noch koordiniert Bad Elster das vom Freistaat gesetzte Gesundheitsziel "Aktives Altern". Kerngeschäft bildet indes die Beratung von Kurorten in wirtschaftlichen Fragen - in ganz Deutschland. "Der Standort Bad Elster ist da eher hinderlich", sagt Resch. Die Abgeschiedenheit sei ein Problem.

Staatsbäder-Chef Gernot Ressler zeigte sich auf die Nachricht eines angedachten Wegzugs überrascht. Glaubt aber nicht, dass die Staatsbäder davon direkt betroffen wären. "Aber es ist natürlich gut, wenn eine Gesundheitsdestination viele Säulen tragen", so Ressler.

Das private Institut ging vor fünf Jahren aus dem geschlossenen Fachinstitut für Balneologie und Kurortwissenschaften Bad Elster hervor. Der Freistaat wollte Forschungsleistungen künftig einkaufen. "Auch Professor Resch war damals der Auffassung, sich mit einem tragfähigen privatwirtschaftlichen Konzept am freien Markt behaupten zu können", erinnert Ministeriumssprecher Ralph Schreiber. Eine dauerhafte Förderung seitens der Staatsregierung sei nicht gerechtfertigt - für ausgeschriebene Aufträge könne sich das Institut aber bewerben.

 
erschienen am 31.05.2012 ( Von Nicole Jähn )
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