Klingenthaler Stadträte führen ihren Streit mit Schärfe

Kritik am Stadtrat hat in dessen Sondersitzung am Mittwoch nochmals für Gesprächsstoff gesorgt

Klingenthal. Mehrere Mitglieder des Klingenthaler Stadtrates haben in der Sitzung des Stadtparlamentes am Mittwochabend ihr Befremden über das Verhalten von Bürgermeisters Enrico Bräunig (SPD) ausgedrückt. Der hatte sich im sozialen Internet-Netzwerk Facebook aus dem Urlaub zu Wort gemeldet und wörtlich geschrieben: "Liebe Klingenthaler, lasst euch von unseren Stadträten keine Märchen auftischen, die glänzen in der Hauptsache mit Nichtwissen."

In einer Erklärung rekapitulierte Bräunig, wie es zu der Wortmeldung kam und warum er sie verfasste. Sie sei "bewusst überspitzt und drastisch" gewesen, räumte er ein. "Sollte sich jemand beleidigt gefühlt haben, tut es mir leid."

Bräunigs Stellvertreter Gerhard Nöbel (CDU) warf dem Bürgermeister indes vor, die "Regeln gedeihlichen Auskommens verletzt und Klingenthal in ein falsches Licht gerückt" zu haben. Thomas Ungethüm (Bürgerinitiative) warf dem Bürgermeister vor, in Sachen Gemeindefusion "mit zweierlei Zunge" zu sprechen und zitierte aus einer Erklärung, in der Bräunig in seiner Zeit als Landtagsabgeordneter die Fusion von Muldenhammer begrüßt hatte: "Was in Muldenhammer zukunftsweisend und weitblickend war, führt in Klingenthal ins finanzielle Chaos und kommunalpolitischen Stillstand", bezog sich Ungethüm auf jüngste Äußerungen des Bürgermeisters. Im Anschluss überreichte er Bräunig eine "Hitsch" mit der Bemerkung, die Fußbank möge dem nicht mit Größe gesegneten Stadtchef die Verhandlungen mit Zwota "auf Augenhöhe" ermöglichen. Bräunig nahm das Geschenk ohne Zögern entgegen. Auch wenn er gegen die Fusion gestimmt habe, werde er den Arbeitsauftrag des Stadtrates ernst nehmen. Er hoffe auf "sachliche und lösungsorientierte Diskussionen in der Arbeitsgruppe".

"Peinlich" und "diffamierend" nannte indes Carsten Förster (Pro Klingenthal) unter Beifall aus den Gästereihen den Auftritt Ungethüms: "Ich schäme mich, mit ihnen an einem Tisch zu sitzen." Ungethüm habe verschwiegen, dass Muldenhammer die Fusion über zwei Jahre hinweg vorbereitet habe. In Klingenthal sei das anders: "Dem Weg fehlt es an Zeit, Transparenz und Bürgerbeteiligung", sagte Förster.

Die angestrebte Gemeindefusion mit Zwota spielte vor diesen Hintergründen in der Diskussion eine fast untergeordnete Rolle. Bräunig hatte das bisherige Geschehen dazu umfangreich erklärt und betont, dass er zunächst nicht in die von einzelnen Stadträten geführten Gespräche mit Vertretern der Gemeinde Zwota eingebunden war. Stadtrat Peter Vodel (Freie Wähler), der als Notarzt während der Sitzung zu einem Einsatz gerufen wurde und deshalb nicht an der Abstimmung teil nahm, hatte sich zuvor dennoch für die Fusion ausgesprochen: "Wir sollten die letzte Chance nutzen, die uns bleibt, die ausgereichte Hand von Zwota zu ergreifen. Alles andere nutzt weder Zwota noch Klingenthal."

 
erschienen am 30.08.2012 ( Von Uwe Selbmann )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
1
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  • 31.08.2012
    00:36 Uhr

    Nervzwerg: Oh man sind die alle peinlich. Hauptsache es wird sich mit sich selbst beschäftigt. Das kann doch nur in die Hose gehen. Ich glaub ehrlich nicht dran, dass das bis Jahresende etwas wird. Auf jeden Fall gibts hier garantiert noch mehr peinliche Auftritte. Zwotaer ihr tut mir leid und dieser Bräunig ist der peinlichste Bürgermeister den man je gesehen hat.

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