Foto Der Oelsnitzer Karl Völkel lebte von 1869 bis 1934 und gilt als Schöpfer der Sperkensage.

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Nachlass von Sperken-Erfinder im Kreisarchiv auf Schloss Voigtsberg

Nach drei Jahren erhält die Stadt Oelsnitz einen kleinen Schatz

Oelsnitz. Wenn sich die Oelsnitzerin Margarete Baumann in etwas verbissen hat, lässt sie nicht wieder los. Dem Einsatz der Hobby-Forscherin ist es zu verdanken, dass Mittwochvormittag der Nachlass von Karl Völkel, des Urhebers der Oelsnitzer Sperkensage, zusammen mit vielen wichtigen Dokumenten der Familie zur dauerhaftem Aufbewahrung an das Kreisarchiv auf Schloss Voigtsberg in Oelsnitz übergeben werden konnte. Barbara Reichardt und Ulrike Huhn, die Großnichten von Karl Völkel, waren dazu aus Chemnitz ins Vogtland gekommen.

Zufälle führen zusammen

"Wir wollten, dass der Nachlass an einer zentralen Stelle aufbewahrt wird", sagt Barbara Reichardt, die originale Dokumente von Karl Völkels Vater, dem Oelsnitzer Oberlehrer und Heimatforscher August Völkel (1844 bis 1921), übergab. Zuhause lägen sie ja nur im Schrank, im Archiv könnten sie genutzt werden, so die Chemnitzerin, und ihre Schwester Ulrike stimmt zu. Beide sind Enkelinnen des Textilforschers Ernst Völkel, eines jüngeren Bruders von Karl. Das große Plus der Übergabe am Mittwoch war, dass Nachlass-Fragmente zusammenkamen. Denn Margarete Baumann hat ihren Teil dazu beigetragen: Sie hat den Nachlass Karl Völkels geerbt.

"Frau Reichardt hab ich durch Zufall gefunden", erzählt sie. Nur Nachname und Ort fanden sich als Notiz. Sie bohrte so lange, bis sie vor drei Jahren die Nachfahrin an der Strippe hatte, just an deren 67. Geburtstag. Seither gibt es ständigen Kontakt. Karl Völkel (1869 bis 1934) war Angestellter und Autor, teils schrieb er auch in Mundart. Unter seinen vielen Gedichten und Erzählungen ragt die Geschichte der Sperken heraus, die 1907 erstmals publiziert wurde. Der Stoff ist Vorlage für die mehrfach in Oelsnitz mit großem Erfolg unter Regie von Carola Götz aufgeführte Sperkensage.

Wiederum durch Zufall ist kürzlich ein weiterer Karl-Völkel-Nachlass aufgetaucht: ein Album mit Schriftwechsel, darunter Briefe von Julius Mosen, des Thüringer Sagenforschers Ludwig Bechstein oder der Schwester des Philosophen Friedrich Nietzsche. Auch dieser ist nun im Kreisarchiv - zusammen ein richtiger kleiner Schatz.

Die Forschung geht erst los

Auch wenn nach drei Jahren der Nachlass nun unter einem Dach ist, die Forschung geht erst los. Sie betrifft vor allem August Völkel, über dessen Arbeiten zur Oelsnitzer und vogtländischen Geschichte wenig bekannt ist. Dabei saß er über einer Chronik der Stadt, schrieb wichtige Bücher und Zeitungsbeiträge. Die am Mittwoch übergebenen Dokumente können Forscher auf die Spur bringen. Kreisarchivarin Sigrid Unger freut sich darüber. Seit Eröffnung des Archivs im Schloss 2005 sind mehrere Nachlässe ins Haus gekommen, darunter die der Heimatforscher Paul Apitzsch (1873 bis 1949) und Walter Heinzmann (1931 bis 2001) sowie des Landwirtschafts-Pioniers Gerhard Zapf (1920 bis 2008).

Die Nachlass-Übergabe am Mittwoch soll aber nicht der letzte Grund sein, dass Barbara Reichardt und Ulrike Huhn mit ihren Männern ins Vogtland kommen. Spätestens bis September soll der Sperkenbrunnen auf dem Markt die von vielen vermisste Text-Erklärung erhalten, so Daniel Petri, Chef der Oelsnitzer Stadtmarketing- und Tourismusgesellschaft. Brunnen-Schöpfer Peter Luban aus Rößnitz ist dazu schon in der Gießerei gewesen. Auch der Name Karl Völkel wird dann mit im Text vermerkt sein.

 
erschienen am 18.07.2012 ( Von Ronny Hager )
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