Dagmar Hausburg von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises schaute sich das Tier genau an und stellte schnell fest, dass es sich um eine Zweifarbenfledermaus handelt.
Foto: Eckhard Sommer
Ruhestörer in Sohl entpuppt sich als Fledermaus
Eindringling schlug im Haus von Ingrid Dietz mächtig Lärm
Sohl. Letzte Nacht gegen drei Uhr war es, als Ingrid Dietz aufwachte und ein Kratzen hörte. Erst dachte sie an einen frühen Vogel, der auf dem Dach scharrt. Auch ein Marder hätte es sein können, der sich draußen zu schaffen macht, was nicht das erste Mal gewesen wäre. Dann aber hörte sie das Kratzen plötzlich direkt über sich und verspürte sogar einen ganz leichten Windhauch im Gesicht. Weil sie zunächst nichts sehen konnte, durchfuhr sie ein Schreck: "Ich dachte: Jetzt wird es aber verrückt. Da fliegt doch was." Und tatsächlich: Im diffusen Halbdunkel nahm Ingrid Dietz ein unbekanntes Flugobjekt wahr - sicher ein Vogel, der sich in ihr Schlafzimmer verirrt hatte. Sie schnappte sich ein Handtuch und es gelang ihr, das Wesen einzufangen, und sie legte es in einen kleinen Karton. So richtig fest einschlafen konnte Ingrid Dietz jedoch nicht mehr.
Weil sie sich nach dem Aufstehen nicht traute, den Behälter zu öffnen, weil es darin leise fauchte und kratzte, rief die Sohlerin in der Unteren Naturschutzbehörde an und meldete den Vorfall. Am Freitagnachmittag kam Dagmar Hausburg, um das unbekannte Flugwesen zu identifizieren, und sah auf den ersten Blick: "Das ist eindeutig eine Zweifarbenfledermaus, die in unserer Gegend häufig vorkommt. Ein junges Tier, das sich offensichtlich verirrt hat. Was ungewöhnlich ist, meistens passiert das im Herbst, wenn sich die Fledermäuse ihr Winterquartier suchen."
Der kleinen Fledermaus gefiel die Begutachtung offenbar nicht. Das Tier fauchte ganz schön und wie man sieht, hat es auch spitze Zähne.
Foto: Eckhard Sommer
Wie die kleine Fledermaus in ihr Schlafzimmer gekommen war, konnte sich Ingrid Dietz nicht vorstellen: "Das Fenster war zwar offen, aber davor habe ich eine Gaze. Ich kann mir nur denken, dass die Fledermaus durchs Küchenfenster ins Haus reingekommen ist, sich irgendwo versteckt hat und dann ins Schlafzimmer geflogen ist. Zum Glück bin ich jetzt gerettet."
Dagmar Hausburg beruhigte Ingrid Dietz, dass eine Fledermaus kein Grund ist, um Angst zu haben, und dass sie mit der Meldung im Amt völlig richtig gehandelt hatte. "Sie hätten die Fledermaus aber gar nicht einfangen müssen, weil sie sich dadurch vielleicht verletzt hätte. Einfach nur das Fenster aufmachen- das wäre auch genug gewesen." Richtig war das Verhalten von Ingrid Dietz auch, weil der Fundort jetzt in die Artenbank von Sachsen aufgenommen wird. Und was ist mit der Fledermaus passiert? Dagmar Hausburg hat sie mit nach Oelsnitz genommen und erst einmal mit ein paar Mehlwürmern versorgt. "Ich werde sie natürlich frei lassen und auf Schloss Voigtsberg gibt es dann eine Fledermaus mehr. Sie findet schon Anschluss an ihre Artgenossen."

