Schweine müssen nicht stinken

In Schöneck dreht sich derzeit alles um den Stallneubau auf der Hohen Reuth

Schöneck. Friedhelm Taubert aus Obermylau kennt sich mit Schweinzucht- und -haltung bestens aus. Jahrelang war er Berater im Plauener Landwirtschaftsamt. Jetzt ist er Rentner. Er hat selbst auch viele Jahre in der Schweinzucht gearbeitet. Er sagt: "Ställe mit Tiefstreu, wie der in Schöneck geplante, sind durchaus eine zeitgemäße Bauweise. Der Landwirt hat sich dabei sicher etwas gedacht. Wenn er zum Beispiel seine Kühe auch auf Stroh stehen hat, kann er für die Schweine dieselbe Technik verwenden. Das macht also Sinn", erklärt Taubert zum Vorhaben der Familie Jentsch, die mit dem Stall für 115 Tiere ihren am Ort bestehenden Hof erweitern will.

Taubert bescheinigt dem Landwirt Gründlichkeit bei der Vorbereitung des Vorhabens. "Er hat ein Geruchsgutachten erstellen lassen". Was die Gerüche betrifft, meint der Experte: "Man wird nicht viel riechen. Natürlich wird es auch Tage mit bestimmten Wetterlagen und Arbeiten geben, an denen Gerüche auftreten, aber das wird selten der Fall sein". Die vom Landratsamt erteilte Baugenehmigung sei aus seiner Sicht rechtens und korrekt. Widersprüchen dagegen räumt Taubert nur geringe Erfolgschancen ein. Allerdings sei der Landwirt gerade dabei, den ganzen Ort gegen sich aufzubringen, auch dieser Fakt müsse in die Waagschale geworfen werden. Dem entgegen stehe das Problem, das die Menschen heute alles ständig konsumieren wollen, aber dafür Null Belästigungen in Kauf nehmen.

Ähnlich sieht das auch ein Landwirt aus dem Raum Reichenbach, der ebenfalls einen Schweinestall in einer ähnlichen Größenordnung mit Stroheinstreu an einem Ortsrand betreibt, der aber aufgrund der sowieso schon angeheizten Stimmung lieber anonym bleiben will. "Heute ist das so, dass niemand auf dem Dorf mehr eine Belästigung haben will. Die Schnitzel werden aber wie selbstverständlich täglich im Supermarkt gekauft". Der Zusammenhang zwischen Produktion und Konsum werde nicht hergestellt, meint der Bauer.

In Lauschgrün tobte 1996/97 ein ähnlicher Streit. Aufgebrachte Bürger wollten den Schweinestallbau eines Lambziger Bauern verhindern. Damals wurde ein Kompromiss gefunden. Der erst 50 Meter hinter dem Ortsrand geplante Stall rückte dann in eine Entfernung von 280 Metern. Seit der Stall steht, ist nie wieder ein Wort der Klage in die Öffentlichkeit gelangt. Rosemarie Ludwig, die in den 90-er Jahren Bürgermeisterin in Lauschgrün war, kann sich noch genau erinnern. "Es gab damals viele Proteste. Wie sich die Geruchsbelästigung am erst geplanten Standort entwickelt hätte, vermag ich nicht zu sagen. Aber am jetzigen Standort stört der Stall niemanden. Ganz selten, dass der Wind aus dieser Richtung kommt. Belästigungen gibt es höchstens ein paar Tage oder ein paar Stunden im Jahr". Der Lambziger Bauer selbst wollte sich zum Thema nicht äußern. Dafür aber der Limbacher Bürgermeister Bernd Damisch (Freie Wähler): "Seit Inbetriebnahme des Schweinestalls hat es keine einzige Beschwerde gegeben. Mir ist nichts bekannt".

Der Schweinestall in Schöneck soll nördlich des bestehenden Hofes der Familie Jentsch entstehen (Grafik). Nach sächsischem Baurecht ist der 235 Meter entfernte Ifa-Ferienpark kein direkter Nachbar, da andere Grundstücke dazwischenliegen.

 
erschienen am 08.08.2012 ( Von Silvia Kölbel )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
1
(Anmeldung erforderlich)
  • 09.08.2012
    15:40 Uhr

    Nixe: Wie wäre es denn mit einer Zusammenarbeit mit dem IFA Ferienpark, wenn das Hotelrestaurant sein Fleisch von dort bezieht, und die Touristen samt Kindern bei Interesse den Hof besichtigen können? Nur eine Idee...?

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