Traum von neuem Investor für Neue Welt in Oelsnitz ist geplatzt
Chinesische Geldgeber sind zahlungsunfähig
Oelsnitz. Wie eine Seifenblase ist das Investitionsvorhaben einer Firma im Oelsnitzer Industriegebiet Neue Welt zerplatzt: Die China European Business Development GmbH mit Sitz in Oelsnitz hat Insolvenz angemeldet. Das bestätigt die Chemnitzer Insolvenzverwalterin auf Anfrage.
Auf einem rund 5600 Quadratmeter großen Areal im Industriegebiet Taltitz Neue Welt wollte die Firma ein Produktions- und Verwaltungsgebäude errichten lassen. Dort sollten Leuchtdioden, sogenannte LED, entwickelt und hergestellt werden. Bis zu 40 neue Arbeitsplätze waren angekündigt. Die verstorbene Oberbürgermeisterin Eva-Maria Möbius hatte den Verkauf des Grundstücks vorbereitet, führte gar Finanziers aus Fernost durch die Sperkenstadt, Absichtserklärungen zur wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenarbeit wurden unterzeichnet. Es war ein Vorzeigeprojekt für die Stadt. Mehr als ein Jahr liefen Vorgespräche mit Vertretern des Rathauses. Eigentlich sollten die Hallen bis Ende 2012 stehen.
40 Arbeitsplätze angedacht
Jetzt wird die Firma abgewickelt. "Die Errichtung der Produktionsstätte in Oelsnitz scheiterte an der Finanzierung, die überwiegend durch chinesische Investoren sichergestellt werden sollte", heißt es vom Insolvenzverwalter. Die Gesellschaft um den Geschäftsführer und zwei Mitarbeiter hatten keinen eigenen Geschäftsbetrieb. Sie war hauptsächlich darum bemüht, deutsch-chinesische Wirtschaftsbeziehungen auf dem Gebiet der Forschung, Entwicklung, Produktion und dem Vertrieb von Leuchtdioden aufzubauen.
Vorzeigeprojekt mit China
Den Grundstückskaufvertrag machte die Stadt rückgängig, weil der Kaufpreis nicht gezahlt werden konnte. Das geschah bereits im März, wie Oberbürgermeister Mario Horn (CDU) jetzt auf Anfrage informiert. Schaden sei für die Stadt Oelsnitz nicht entstanden. Noch Mitte April hatte Horn jedoch lediglich davon gesprochen, dass im Gespräch mit den Investoren die Säge klemme. Näher äußerte er sich damals nicht. Ende des Monats stand die Wahl zum Oberbürgermeister an.
Es ist die zweite Ansiedlung, die an der Stelle scheitert. Die Flächen waren ursprünglich für die Firma Voltavis vorgesehen. Die wollte dort Solarmodule produzieren, kam jedoch ebenfalls mit der Finanzierung ins Schlingern. Die beiden betreffenden Grundstücke werden nun neuen Interessenten angeboten. Mit einem potenziellen Investor laufen bereits Verhandlungen, die das Stadtoberhaupt als gut bezeichnet. Jedoch werde noch geprüft, ob sich die Grundstücke hinsichtlich Größe und Zuschnitt für seine Betriebszwecke eignen. "Der Interessent hat sich daher noch einige Tage Bedenkzeit erbeten", so Horn.
Die Boomjahre sind vorbei. Große Grundstücke, wie kurz nach der Wende im Industriegebiet Johannisberg - damals das größte Sachsens - gehen nicht mehr weg wie geschnitten Brot. Das ist nicht nur in Oelsnitz so. Indes gehen im Rathaus immer wieder Anfragen nach Gewerbeflächen mittlerer Größe ein. Mit dem Abriss der Halbmond-Brache will die Stadt in guter Lage solche schaffen. Gespräche Mario Horns zum Thema verliefen in Dresden aber zuletzt ergebnislos: Nur mit konkreten Investitionszusagen könnten Gelder für den Abriss des Komplexes bewilligt werden.

