Nur unter Aufsicht dürfen Badegäste im Adorfer Freibad vom Fünfmeterturm springen. Trotzdem geschah Dienstagnachmittag ein schwerer Unfall: Ein Neunjähriger schlug mit dem Kopf am Beckenrand auf.
Foto: Harald Sulski
Unfall im Freibad Adorf: Junge nach Sturz vom Sprungturm schwer verletzt
Nach dem tragischen Vorfall stand selbst die Rettungsschwimmerin unter Schock
Adorf. Ein neunjähriger Junge aus Berlin hat sich im Waldbad Adorf bei einem Sturz vom Fünfmeterturm schwer am Kopf verletzt. Das meldete die Polizei am Mittwoch. Der Badeunfall geschah bereits Dienstagnachmittag. Ein Rettungshubschrauber brachte das Kind wenige Minuten nach dem Unglück in eine Klinik nach Zwickau, wo er operiert wurde. Auch die 33-jährige Rettungsschwimmerin, die den Jungen aus dem Wasser gezogen hatte, erlitt einen Schock und kam nach Adorf ins Krankenhaus.
Der Junge, der mit seiner Familie bei seiner Oma in Bad Elster zu Besuch war, sei inzwischen außer Lebensgefahr. Bademeister Rainer Neudeck, der zum Unfallzeitpunkt keinen Dienst hatte, steht mit dem Vater in Kontakt und erhielt Mittwochmorgen Nachricht. "Nun hoffen wir, dass der Kleine keine Spätfolgen davon trägt", sagte er.
So soll sich der Unfall zugetragen haben: Der Junge nahm auf dem Turm zum Sprung Anlauf, bekam kurz vor dem Absprung Angst - und hielt sich am Geländer fest. Zum Bremsen war es zu spät: Er rutschte ab, verdrehte sich, stürzte in der Folge mit dem Kopf zuerst auf den Beckenrand und ging unter. Die diensthabende Rettungsschwimmerin hatte die Vorgänge am Turm beobachtet und sprang ins Wasser, um ihn herauszuziehen. Kurz darauf wurde der Notarzt gerufen.
Badeunfälle gehen nicht immer so glimpflich aus: Seit 2001 hat es an Gewässern und in Schwimmbädern im Vogtland sechs Vorfälle mit tödlichem Ausgang gegeben. Die Sorge ist deshalb stets groß. Bürgermeister Rico Schmidt (SPD), als Stadtchef auch Betriebsleiter des Bades, war noch am Abend an den Sprungturm gekommen, um sich ein Bild vom Unfallhergang zu machen. Die Stadtverwaltung geht mit dem Unglück offensiv um, stellte kurz vor 21 Uhr eine Nachricht auf ihre Internetseite. "Wir wollen nicht hinterm Berg halten. Der Unfall ist tragisch, aber alle Beteiligten haben vorbildlich gehandelt", sagte Schmidt. "Das Wichtigste ist nun, dass der Junge bald wieder auf den Beinen ist."
Im Fall einer Fahrlässigkeit bei den Sicherheitsvorschriften, würde die Stadt haften. Baulich sei alles nach Vorschrift, vom Tüv geprüft. Schilder am Turm weisen auf die Regeln hin: nur einzeln springen, nicht rennen. Der Fünfer ist zudem nur zugänglich, wenn ein Rettungsschwimmer als Aufsichtsperson dabei steht, erklärte Bademeister Neudeck. Der Turm bleibt auch nach dem Unfall offen. Auch die Rettungsschwimmerin steht nach einem Tag Pause heute wieder am Beckenrand - für den Notfall. (mit tm)

