Der Gasthof "Walfisch" in Zwota erhält sein Wahrzeichen zurück: den Unterkieferknochen eines Pottwals - allerdings aus Holz. Vollbracht haben das Werk (von rechts) Georg Carsten Eibisch, Eberhard Hoyer, Heiko Seemann, Michael Herold und René Goram.
Foto: Eckhard Sommer
Walfisch-Knochen kehren zurück
Gasthof "Zum Walfisch" erhält sein Wahrzeichen zurück: den Unterkieferknochen eines Pottwals
Zwota. Am 1. Mai wird es am "Walfisch" so turbulent zugehen wie im Juli 1932: Im Rahmen eines Volksfestes erhält der Gasthof sein Wahrzeichen zurück - Unterkieferkochen eines Pottwals. Um ihn rankt sich eine interessante Geschichte.
Es gibt an der Nordsee Fischknochen, die so groß sind, dass man unter ihnen hindurchgehen kann - das hatten Zwotaer Fuhrleute erzählt, nach dem sie Bleche aus dem Hammerwerk und Schönecker Geigen dorthin transportiert hatten.
Weil ihnen das in Zwota wahrscheinlich niemand glauben wollte, brachten sie der Legende nach 1798 solche Knochen mit. Belegt ist deren Existenz in einem Kaufbrief aus dem Jahr 1823. Ihnen verdankt die um 1770 errichtete Hammerschänke letztlich ihren heutigen Namen. 1932 wurden an gleicher Stelle neue Knochen aus Breslau aufgestellt, weil die alten verwittert waren.
Wann die Knochen entfernt wurden, lässt sich im Rückblick nicht mehr genau sagen - 1958, möglicherweise aber auch schon früher: Der Gasthof war nämlich während des zweiten Weltkrieges als Lager für französische Zwangsarbeiter zweckentfremdet worden, was mit zahlreichen baulichen Veränderungen am Gebäude selbst verbunden gewesen war.
Die Anregung, im Biergarten wieder Walfischknochen wie ein Portal aufzustellen, hatte Zimmermann Georg Carsten Eibisch im August 2011: "Ich hatte einen Balken für eine Brücke gebogen, und dachte mir, das könnte man aus Holz doch auch für einen Walfischknochen machen".
Das historische Foto aus dem Jahre 1932 zeigt den Gasthof Walfisch mit den Knochen aus Breslau.
Foto: Archiv
Bei René Goram und seinem "Walfisch"-Team stieß er damit auf offene Ohren. Goram: "Wir hatten uns schon vorher bemüht, echte Walknochen zu bekommen. Aber seitens des Meeresbiologischen Instituts in Stralsund wurde uns gesagt, dass das nicht möglich ist: Wenn Wale stranden sollten, dann erhält ihr komplettes Skelett stets ein Museum. Aber Knochen aus Holz - das ist doch auch was."
Vier Männer legten Hand an, um das Werk in die Tat umzusetzen. Eibisch und Michael Herold bauten den zweiteiligen Unterkiefer in Originalgröße: fünf Meter lang. Insgesamt wurden dazu 1,5 Kubikmeter Bretter verleimt, gebogen und gehobelt. Jeder der beiden Knochen wiegt knapp vier Zentner.
Eberhard Hoyer hat sie mit wetterfester Farbe versehen: "Lasur ist nicht gut, weil sie bei unserem Klima schnell verwittert. Der Fensterlack dürfte dagegen fünf, sechs Jahre halten. Trotzdem muss nach jedem Winter kontrolliert werden, ob das Holz gerissen ist." Und Heiko Seemann ist dabei, eine Halterung aus Stahl zu bauen, mit der die hölzernen Walfischknochen auf einem Betonsockel befestigt werden.


