Kreisbaumeister Henry Seyfert (rechts) und Oberbauleiter Christian Hunger begutachten die Stützen aus Stahl. Sie tragen das gesamte Gebäude.  
Kreisbaumeister Henry Seyfert (rechts) und Oberbauleiter Christian Hunger begutachten die Stützen aus Stahl. Sie tragen das gesamte Gebäude.

Foto: Ellen Liebner

Altes Kaufhaus in Plauen jetzt auf nackten Füßen

Auf der Baustelle für das neue Landratsamt am Plauener Postplatz gehen Abbruch und Entkernung voran

Plauen. Bislang waren sie verkleidet, umbaut, unsichtbar. Jetzt liegen sie frei, wirken beinahe nackt, dabei mächtig und ästhetisch zugleich. Die rund 60 Stahlstützen im ehemaligen Horten-Kaufhaus sind mit den Füßen und dem Stützapparat eines Menschen vergleichbar. Sie halten alles. Die ganze Last des Gebäudes, Tausende von Tonnen. Die Pfeiler ziehen sich vom Keller bis zum Dach durch alle sieben Geschosse. Sie tragen das Stahlskelett. Als der Kaufhausbau 1911 begann, war die Stahlskelettbauweise gerade erst aus Amerika nach Deutschland geschwappt, das Schocken-Kaufhaus eines der ersten Gebäude Deutschlands, das in dieser modernen Bauform errichtet wurde. Vom Zustand dieser Konstruktion hängt deshalb alles ab. Wird sie das Haus als Landratsamt ein weiteres Jahrhundert tragen?

Für Kreisbaumeister Henry Seyfert und den Oberbauleiter auf der Landratsamts-Baustelle, Christian Hunger, war dies eine der wichtigsten Fragen vor der Öffnung des Gebäudes. Im Kellergeschoss ließen sie jetzt die Stützen freilegen und sandstrahlen - und sie erlebten eine Überraschung. Nein, ausnahmsweise keine negative. "Die Stützen sind in einem außerordentlich guten Zustand", sagt Christian Hunger. "Geradezu hervorragend." Überhaupt sei die Substanz des Gebäudes gut. "Probleme gibt es immer dort, wo später etwas in des Gebäude hineingebaut wurde", sagt Henry Seyfert. Und es wurde viel hineingebaut in seiner langen Geschichte. "Zeichnerisch ist das alles kaum dokumentiert. Das ist hier die größte Herausforderung."

Bei der Entkernung des Hauses stießen die Bauleute sogar auf regelrechte Geheimnisse. Einmal entdeckten sie einen Raum, den keiner kannte. Im Keller war er einfach zugemauert. Zum Vorschein kamen dort elektrische Bauteile, Kondensatoren. Fast 100 Stück. "Die wurden bestimmt eingemauert, um die Entsorgungskosten zu sparen", spekuliert Seyfert, Bauchef im Landratsamt. Dass fast 5000 Quadratmeter Parkett mit Teerkleber befestigt wurden, sahen die Fachleute ebenfalls erst beim Hineinreißen. Unterm Strich liegt die Baustelle dennoch im Soll - was Zeit und Kosten betrifft. In den nächsten Wochen erfolgen die Abrissarbeiten am oberen Gebäudeteil an der Forststraße, im Frühsommer wird der Grundstein gelegt. Zeitgleich bekommt die Fassade zum Postplatz neue Fenster.

 
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Altes Kaufhaus in Plauen jetzt auf nackten Füßen
Schlaglichter von der Landratsamts-Baustelle
 
erschienen am 06.04.2012 ( Von Tino Beyer )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
2
(Anmeldung erforderlich)
  • 10.04.2012
    08:58 Uhr

    gsx600: Wer keine Ahnung hat, der soll besser schweigen. Schließlich ist ein großer Krieg gewesen, der in der Stadt viele bis heute sichtbare Wunden gerissen hat. Das Kaufhaus hat ihn überstanden, nur der Lichthof wurde zum Flächengewinn geschlossen, nicht immer nur meckern. Dank der Stadtgalerie ist die Bahnhofstraße als Einkaufsmeile doch eh abgemeldet, da kann das Kaufhaus als Landratsamt nur gut sein!

    0 0
     
  • 07.04.2012
    11:33 Uhr

    crashy9708: Ganz schön verostet und verottet - der Stahl.

    Das sieht nicht nur so aus, das riecht auch nach mehr Geld für deren Sanierung und nach Erhöhung der finanziellen Mittel für die Bauwerkserhaltung.

    Wohl dem, das war, ist und wird immer so sein - ob nun in Plauen oder anderswo.
    Schließlich gibt es ja uns, die Steuerzahler, die dafür blechen, wenn es mal wieder teuerer als geplant wird.

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