Bald Schwarze Sheriffs auf dem Plauener Friedhof?

Blumenklau nimmt überhand

Plauen. Auf dem Plauener Hauptfriedhof soll möglicherweise bald ein privater Sicherheitsdienst Streife laufen. Darüber informierte die Stadtverwaltung. Das Rathaus will damit gegen Blumendiebe mobil machen. Immer wieder werden von den Gräbern Blumen gestohlen - vielen Trauernden schmerzt das in der Seele. Mit dem Einsatz von privaten Sicherheitsdiensten, auch Schwarze Sheriffs genannt, hat Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP) schon in der Innenstadt Erfahrungen gesammelt. Er verteidigte den Einsatz immer wieder. Vor allem von linken Kommunalpolitikern hagelte es aber Kritik.

Auch die Bürger sollen mithelfen, Blumendiebe zu schnappen. "Wir erhoffen uns jetzt Unterstützung beim Überführen der Täter", appelliert Elke Wagner von der Friedhofsverwaltung. "Wer Blumen- oder Grabschmuckräuber beobachtet, soll dies der Friedhofsverwaltung oder auch der Polizei melden."

Der Hilferuf klingt in den Ohren von Bernd Renz jedoch wie Hohn. Der Mann aus Geilsdorf wurde auf dem Hauptfriedhof selbst Opfer von Blumenräubern. Wenn er frische Blumen auf das Grab seiner Mutter gestellt hatte, waren sie nicht selten hinterher weg. "Eines Tages nahm ich eine verdächtige Person wahr, die von Grab zu Grab lief, ein etwa 60-jähriger Mann - und siehe da, es war der Blumendieb." Bernd Renz suchte noch eine Zeugin und rief die Polizei. Der Dieb wurde gestellt und den Beamten übergeben.

Der Vorfall ist mittlerweile einige Jahre her, doch Bernd Renz kommt immer noch in Rage, wenn er an dessen Fortgang denkt. Zweimal musste er im Plauener Polizeirevier vorsprechen, um die Anzeige zu Protokoll zu geben. Der Fall landete schließlich bei der Staatsanwaltschaft. Nach drei Monaten erhielt er Post. Der Inhalt war für Renz ernüchternd. Der Fall werde nicht weiter verfolgt. "Wegen Nichtigkeit abgeschlossen", sagt er - und ist frustriert. "Mehr wie damals kann man nicht mehr tun. Wenn man dann auch noch Kosten hat, um die Anzeige zu machen - lächerlich."

Trotz der Einstellung des Verfahrens im vorliegenden Fall ermuntert Staatsanwalt Thomas Walther Bürger, Blumendiebstahl auf Friedhöfen anzuzeigen. Seine Einschätzung: "Das ist mehr als ein Ladendiebstahl." Hier gehe es nicht nur um den materiellen Schaden, sondern auch um Pietät. Ob ein erwischter Täter letztlich zur Verantwortung gezogen werde, sei manchmal aber auch davon abhängig, ob der Dieb noch anderes auf dem Kerbholz habe. "Es ist etwas anderes, wenn jemand schon mal auffällig geworden ist oder noch unbescholten. Es kommt auf die Umstände an."

Nach Angaben der Polizei werden die meisten Blumendiebstähle auf Friedhöfen gar nicht angezeigt. Voriges Jahr wurden im Vogtland vier Fälle bei der Polizei aktenkundig. Dieses Jahr sind es bislang vier, sagt Polizeisprecher Jan Meinel. "Es ist deshalb von einer hohen Dunkelziffer auszugehen."

 
erschienen am 31.05.2012 ( Von Tino Beyer )
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