Bienenzüchter warnen vor Mobilfunk

Reuther Bürgerinitiative schlägt Alarm

Plauen/Reuth. Plauen/Reuth. Ein plötzlich leerer Bienenstock ist wohl der Albtraum aller Züchter. Und die machen dafür nicht zuletzt die Zunahme von Elektrosmog etwa im Umfeld von Mobilfunktürmen verantwortlich. "Wir vermuten, dass das Orientierungsverhalten der Bienen durch elektromagnetische Strahlung beeinflusst wird", sagt Rolf Bauer, Vorsitzender des Imkervereins Plauen. Die mögliche Folge: Bienen, die sich naturgemäß auch am Erdmagnetfeld orientieren, finden nach Ausflügen nicht mehr heim.

Schon vor gut zwei Jahren hatte der Verein deshalb vor dem Ausbau von Funk-DSL im Vogtland gewarnt und seine Bedenken in einem Brief Landrat Tassilo Lenk (CDU) geschildert. Verbunden mit der Bitte, wissenschaftliche Studien einzubeziehen. In seiner damaligen Antwort ließ Lenk noch mitteilen, Funk-DSL gar nicht den Vorrang einräumen zu wollen. Dass es diese Technologie nun trotzdem geben soll, enttäuscht Vereinschef Bauer. "Wer so oberflächlich und rücksichtslos, nur des Erfolges wegen, mit unserer Natur umgeht, ist als politischer Vertreter für uns Imker im Vogtlandkreis nicht mehr wählbar", so Bauer.

Lenk zeigte einerseits Verständnis für die Bedenken, stellte aber auch klar, dass es für das ohnehin weltweit beklagte Bienensterben nicht nur eine Ursache gibt. Der Landrat nannte als ein Beispiel den zunehmenden Einsatz von Chemie in der Landwirtschaft. Ob Mobilfunk wirklich zum mysteriösen Bienensterben führe, sei jedenfalls umstritten. Unumstritten hingegen ist nach Lenks Ansicht, dass der ländliche Raum vom schnellen Internet nicht abgekoppelt werden darf. "Damit auch hier weiterhin Entwicklung stattfindet, neue Arbeitsplätze entstehen."

Die Telekom hatte im vergangenen Herbst eine Ausschreibung gewonnen, den Landkreis bis Ende 2012 flächendeckend mit DSL zu versorgen. Allerdings können nicht alle Haushalte per Kabel angeschlossen werden. Weil in einigen Gegenden Glasfaser- statt Kupferleitungen im Boden liegen, ist der Telekom dort der Umstieg auf die Kabelvariante zu teuer. Das Unternehmen entschied sich wie etwa in Reuth für eine Funklösung. Dort gibt es inzwischen allerdings eine Bürgerinitiative, die gesundheitliche Gefahren durch Elektrosmog befürchtet und stattdessen die Breitbandversorgung über Kabel fordert.

Ob Bienen durch Mobilfunk tatsächlich die Orientierung verlieren, ist aber auch bei Züchtern umstritten. Marco Prause aus dem Pöhler Ortsteil Ruppertsgrün hält seine Bienen schon seit Jahren in unmittelbarer Nähe eines Mobilfunkturmes und hat in dieser Hinsicht noch keine Beobachtungen gemacht. Seine Tiere fanden bisher immer zurück. "Aber ich denke, dass sie aggressiver, stechfreudiger geworden sind." Ganz deutlich sei das gewesen, als er einige Völker zum Nektar sammeln im benachbarten Coschütz unter einer Hochspannungsleitung platzierte. "Bienen spüren solche Veränderungen", ist er überzeugt.

 
erschienen am 11.04.2011 ( Von Thomas Stranz )
 
Kommentare
1
(Anmeldung erforderlich)
  • 13.04.2011
    18:23 Uhr

    JoyMe: Sehr schön, endlich mal eine klare Aussage zu dem Thema.
    Wenn das Bienensterben nur auf Chemikalien und die Varroa-Milbe zurück zu führen wäre, würden sie nicht einfach verschwinden sondern verenden und das Desaster wäre im Stock und an der Brut ablesbar.

    Wer die Broschüre "Bienen, Vögel, Menschen - Die Zerstörung der Natur durch Elektrosmog" von Dr. Warnke gelesen hat (aus seinen Untersuchungen heraus wurde das Kunstwort ElektroSmog ca. Anfang der 80er Jahre geprägt), versteht sofort warum wir dem Zusammenhang zwischen Bienenverschwinden und E-Smog sehr, sehr viel mehr Aufmerksamkeit schenken müssen.

    Wen das Thema interessiert: Es gibt die Broschüre vom Warnke auch Online auf den Seiten der Kompetenzinitiaitve.
    Und wenn es erlaubt ist, setze ich hier noch gleich den Link dazu: http://www.broschuerenreihe.net/broschueren/bienen-voegel-und-menschen/index.html

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