Letzter Tanz im N1 in Plauen.
Foto: Ellen Liebner
Das Disko-Sterben in Plauen geht weiter: Auch im N1 ist jetzt nichts mehr los
Ein Jahr nach dem Prince hat jetzt die letzte große Diskothek in der Spitzenstadt geschlossen - Für Szenekenner keine große Überraschung
Plauen. Die Samstagnacht sieht in Plauen so aus: Junge Leute, viele so jung, dass sie den Führerschein noch auf Probe haben, setzen sich gegen Mitternacht in ihre Autos und verlassen die größte Stadt im Vogtland. Denn der Bär steppt anderswo. In Rodewisch und Adorf zum Beispiel.
In Plauen gibt es keine klassische Diskothek mehr. Nacheinander haben alle drei geschlossen. Vor drei Jahren das Trend in Haselbrunn, vergangenen April das Prince im Chrieschwitzer Hang und am Samstag das N1 im Stadtzentrum. "Die Plauener wollen es nicht mehr. Sie gehen auswärts zur Disko", sagt Geschäftsführer Mike Kilian. Der frühere Türsteher hat das N1 im letzen halben Jahr von der Firma Number One Automaten gepachtet. Der Entschluss, die sechs Jahre alte Disko zu schließen, sei im Februar gefallen: "Sie lief seit anderthalb Jahren schlecht." Im Herbst war das N1 nach einer Massenschlägerei zwischen Ausländern und Security-Männern ins Gerede gekommen.
Jetzt steht es leer. 800 Quadratmeter in bester Lage, in der größten Stadt der Region. Geschäftsmann Uwe Seidel, der die Plauener Firma Number One aufgebaut hat, hofft auf einen Nachmieter: "Es laufen Gespräche, aber konkret ist nichts." Die Miete sei billig, sagt er. Auf das Bowlingcenter, das sich mit der Disko einen Eingang teilt, habe die Schließung keinen Einfluss. Die Firma Number One ist Mieter in dem Gebäude am Klostermarkt.
Stev Hemmerling hatte das N1 bis zum Herbst geführt. Auf Nachfrage der "Freien Presse" bestätigt er, dass es damals Mitbewerber gab, die die kränkelnde Diskothek übernehmen wollten. Man habe sich nicht über den Preis einigen können.
Hemmerling galt als Party-König von Plauen. Er organisierte vor 17 Jahren seine erste Veranstaltung, war fünf Jahre N1-Geschäftsführer und zuletzt auch Prince-Chef. Derzeit organisiert die von ihm gegründete Agentur Winterpalais in Plauen lediglich sporadisch Partys. Als am vergangenen Samstag das N1 zur letzten Disko aufrief, eröffnete die Agentur eine Cocktail-Bar - in Zwickau am Hauptmarkt.
Was aber läuft schief in den Plauener Diskotheken? Für Hemmerling kommt die Entwicklung nicht überraschend. "Das N1 hätte grundhaft umgebaut werden müssen, das habe ich lange genug gepredigt", sagt er. Nach vier Jahren brauche eine Disko eine neue Verpackung, um interessant zu bleiben. Angesagt seien mehrere Räume unter einem Dach, in denen verschiedene Musikrichtungen laufen.
Heiko Wolfram, Chef der Adorfer Disko Glashaus und der Veranstaltungsfirma Atmocity, macht genau das vor: "Uns geht es um den Erlebnisfaktor Wochenende. Die Leute wollen immer etwas anderes erleben. Deshalb dekorieren wir ständig mit einem Mordsaufwand um."
Während er anfangs das obere Vogtland versorgt hat, interessiert er sich zunehmend für Plauen. Erst zu Pfingsten hatte er im Oberdeck des Elster-Parks eine XXL-Party für rund 1600 Menschen organisiert. Auch die Park-Decks der Stadt-Galerie mietet er immer wieder als Party-Zone. Für den Sommer plant er wieder eine "Night of Sensation Cars", eine Fete, auf der Auto-Fans ihre aufgemotzten Wagen vorführen und junge Frauen ihre neuen Kleider. "Wir suchen interessante Außen-Locations. Einkaufscenter. Dort machen wir auch weiter", sagt Wolfram.
Er will der Jugend die Abwechslung bieten, die sie sich wünscht. Laut Wolfram war das der größte Fehler der hiesigen Diskotheker: Die Verpackung auf den Party-Plakaten habe gestimmt, doch der Inhalt sei im Grunde gleich gewesen. "Ich brauche neue Zutaten, die machen es würziger." Statt darauf zu warten, dass die Jugend wieder kommt, will sich Wolfram mit seinen Partys im Gespräch halten - unter anderem mit verrückten Shows, in denen auf Müll Musik gemacht wird.
Auf die Frage, ob er in Plauen ein festes Party-Haus übernehmen würde, antwortet Wolfram: "Wir wären nicht abgeneigt." Mehr nicht.
Es ist nicht so, dass in der größten Stadt im Vogtland gar nichts mehr los ist am Wochenende. Szene-Clubs wie Malzhaus, Kaffeerösterei und der Club Zooma halten nach wie vor die Plauener in Bewegung. Seit dem Disko-Sterben mitunter auch ein paar mehr.


16:31 Uhr
Luzifer: Nicht nur Plauens Diskotheken sterben...
man möge mal die Augen aufmachen und mit anderen Städten vergleichen!