Silke Kral im Museumshof. Um ihre Visionen umzusetzen, muss sie noch Steine aus dem Weg räumen. Aber die Türen stehen ihr offen.
Foto: Ellen Liebner
Direktorin will Vogtlandmuseum neu ausrichten
Museum soll Erlebnis werden
Plauen. Silke Kral hat Muscheln gefunden, groß wie Handbälle. Dass sich die promovierte Volkskundlerin jetzt für die Überbleibsel von Weichtieren interessiert, liegt daran, dass diese beim Entrümpeln des Museums aufgetaucht sind. "Keiner kann mir sagen, woher die Muscheln stammen", sagt die neue Chefin des Vogtlandmuseums.
Nun könnte sie die Muscheln Muscheln sein lassen, doch das passt nicht zu ihrer Art. Silke Kral will sie Experten vorlegen. In gut einem halben Jahr Einarbeitungszeit hat sie im Museum allerhand Staub aufgewirbelt. Sie ist in Räume vorgedrungen, die lange nur als notdürftige Lager dienten, hat einen Brunnen freigelegt und Muscheln entdeckt. Auch ihren Mitarbeitern dürfte jetzt klar sein, dass die Ulmerin das Haus auf den Kopf stellt. "Manchmal braucht es den Blick eines Neuen", sagt Silke Kral.
Als sie vergangenes Jahr zum ersten Mal die Räume betrat, habe sie eine Vision gehabt von dem, was dort schlummert: "Das ist so großartig, das kann man gar keinem verklickern." Das Vogtlandmuseum steuert auf einen Wandel zu, nachdem es zehn Jahre ohne Direktor war. Wichtig sei dabei Licht, um Atmosphäre zu schaffen. Ab September soll mit verschiedenen Architekten ein Gestaltungskonzept erarbeitet werden, dass die Chefin dann Schritt für Schritt umsetzt. Tenor: Welcher Raum hat welche Funktion? Welche Details gehören in Szene gesetzt? Bisher gebe es nur Konzept-Fragmente, und davon stapelweise.
Potenzial sieht sie zum Beispiel im Grundstück. Demnach hat sie vor, den alten Biedermeiergarten rekonstruieren zu lassen. Auch die Höfe will sie ins Konzept einbinden und mehr Sitzplätze schaffen. Denkbar wäre zudem ein Café.
Den Kern dessen, wohin sie will, kann Silke Kral schon beschreiben: "Die Häuser und Höfe hier zu betreten, soll ein Erlebnis werden. Das müssen wir herausarbeiten. Die Plauener sollen das Haus wertschätzen lernen und begreifen, dass das keine Einrichtung ist, die nur verwaltet wird." Sie will es als Innovations- und Forschungszentrum für die breite Bevölkerung interessant machen - ohne von Schlangen an der Kasse zu träumen. Aus Expertensicht sei es ein realistisches Ziel, ein Viertel der Einwohner zu erreichen.
Erster Schritt soll dabei neben dem Fahrstuhl, der zurzeit gebaut wird, ein neuer Eingang sein. Der bisherige sei zu dunkel. Schon nach drei Monaten im Dienst ging sie mit der Idee an die Öffentlichkeit, den Einlass zwei Häuser nach vorn zu verlegen - dorthin, wo er bis zum Zweiten Weltkrieg war. Die Nobelstraße 9 könnte damit zentral als Eingang fürs Museum und fürs benachbarte Erich-Ohser-Haus dienen.
Mit ihren Plänen stößt Silke Kral mitunter auf Skepsis. "Mir ist klar, dass ich Leute vor den Kopf stoße. Vieles ist in seinen Bahnen, da bringe ich Unsicherheit hinein", sagt Kral, die zuvor das städtische Museum in Annaberg-Buchholz geleitet hat. Ihr Team, darunter fünf Wissenschaftler, soll gerne auf den neuen Pfaden laufen.
Den Staub vom Museum zu klopfen, kostet Geld. Doch die Neue ist guter Dinge: "Manchmal kann man mit einfachen Dingen große Wirkung erzielen", sagt sie. Ihr sei da der Golf lieber als der Mercedes.

