Im Plauener Rathaus könnten Stadtverwaltung und Landratsamt unterkommen, würden alle Flächen genutzt. Das Stadtarchiv müsste umziehen ...
Foto: Tanneberger/Archiv
Ein großer Wurf für Plauens Großvorhaben
Landratsamt, Spitzenzentrum, Rathaus-Sanierung: Wie ein Architekt mit neuen Ideen und halb so viel Geld alle Vorhaben umsetzen würde
Plauen. Plauen. Die Landratsamts-Pläne für das ehemalige Plauener Horten-Kaufhaus sollten aus Kostengründen aufgegeben werden. Das fordert der Plauener Diplomingenieur Kurt F. Cwienzek. Das 30 Millionen Euro teure Vorhaben steckt derzeit in einer Sackgasse, weil der Freistaat das notwendige Fördergeld nicht aufbringen kann. Cwienzek sieht stattdessen im Plauener Rathaus den idealen Standort für das Landratsamt. Das Gebäude verfügt über eine Fläche von 34.000 Quadratmetern. Es wurde einst für Plauen gebaut, als die Stadt 126.000 Einwohner hatte. Bei einer künftigen Zahl von 585 Angestellten im Landratsamt und 400 bei der Stadtverwaltung als Kernverwaltung wäre im Rathausgebäude ausreichend Platz, meint Cwienzek.
Für das Rathaus würden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Leerstand, der bei perspektivisch sinkenden Einwohnerzahlen droht, ließe sich vermeiden. Der Millionen Euro schwere Sanierungsrückstau in dem riesigen Gebäude könnte bei den Umbauarbeiten ebenfalls behoben werden. Cwienzek: "In der Stadt stünde wieder ein schmuckes Rathaus, das Landratsamt hätte einen neuen Standort, und die Angestellten könnten, wie am Horten-Standort, die Innenstadt beleben." Bedingung: Das Spitzenmuseum, das Stadtarchiv, die Stadtinformation sowie die vermieteten Ladengeschäfte an der Marktstraße müssten ausziehen und Platz für Büroflächen schaffen.
Für das Stadtarchiv schlägt Cwienzek eine Immobilie vor, die bei einem anderen Großvorhaben eine Rolle spielt: das ehemalige Brandschutzamt am Oberen Graben. In dem Gebäude sowie einem angeschlossenen Neubau sollte das neue Spitzenzentrum einziehen. Das Haus mit seinen fünf Etagen stehen 1630 Quadratmeter Fläche zur Verfügung.
Das neue Spitzenzentrum, das aufgrund der klammen Kassen derzeit auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben wurde, rückt in Cwienzeks Plan in den Komplex des Horten-Kaufhauses. Er würde es im Gebäudeteil zur Forststraße hin unterbringen. Eine Vollverglasung als Blickfang zum Spitzenzentrum sollte im wieder hergestellten Lichthof Einblicke in die Schaustickerei und in die Ausstellung ermöglichen. Das Kaufhaus soll in den Vorstellungen des 69-Jährigen weiterhin als Verkaufsfläche genutzt werden. Als Aushängeschild für die Region schlägt er den Aufbau eines Vogtlandcenters vor. Dort sollen vogtländische Unternehmen Flächen für einen Betriebsverkauf mieten können. Die Form der so genannten Factory Outlet Center ist derzeit sehr erfolgreich.
Wiederum könnten zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: In die intakte Substanz des massiven Kaufhausgebäudes müsste nur marginal eingegriffen werden. Die Innenstadt bekäme einen lebendigen Ort, der auch von Touristen und Gästen gut frequentiert werden würde, ist der Fachmann überzeugt - ganz im Gegensatz zu einem vor allem an Wochenenden "toten" Verwaltungsbau. Er sieht in dem Areal zudem den besseren Standort für ein Spitzenzentrum im Vergleich zu dem leicht abseits liegenden Gelände am Oberen Graben. Die aus dem Rathaus aus Platzgründen ausgelagerte Tourist-Info würde im Vogtlandcenter ebenfalls einen neuen Platz bekommen.
Nach Kurt F. Cwienzeks Berechnungen schlagen für Rathaus 14,1 Millionen Euro, für das neue Stadtarchiv 0,9 Millionen Euro sowie für den Umbau des Kaufhauses 4,5 Millionen Euro zu Buche. Unterm Strich stehen damit 19,5 Millionen Euro - und damit halb so viel, wie jetzige Kostenberechnungen für alle Großprojekte vorsehen. Cwienzek: "Ich wünsche mir, dass meine Vorschläge zum gemeinsamen Handeln anregen. Nur so kann die Überlegenheit des Vogtlandes auch in Dresden deutlich gemacht werden."
Der Landrat, der OB und der sächsische Innenminister haben Schreiben mit den Vorschlägen erhalten. Stadt- und Kreisräten teilte er schriftlich seine Bedenken zu den Landratsamts-Plänen im Hortkaufhaus mit. Die Reaktion? Null.


