Der frühere Plauener Lehrer Manfred Böhm komponiert und schreibt Bücher. Vor fünf Jahren gründete er seinen eigenen Verlag.
Foto: Ellen Liebner
Eine Fuge vor dem Frühstück
Plauener Rentner testet sich als Komponist und Autor - Komponieren einst bei Hans Wolfgang Sachse gelernt
Plauen.
Plauen. Wenn Manfred Böhm an Beethovens fünfte Sinfonie denkt, dann fällt ihm als erstes der Ruf der Goldammer ein. Denn der klinge genauso wie das berühmte Schicksalsmotiv in dem Werk, das Klopfen des Schicksals an die Tür. Dass der Rentner solche Vergleiche parat hat, ist kein Wunder.
Denn früher hat er die Musik von Beethoven und vielen anderen Komponisten seinen Schülern am Plauener Wirtschaftsgymnasium erklärt. Böhm war als Lehrer für Musik und Deutsch tätig. Obwohl seit zehn Jahren im Ruhestand, kann er davon bis heute nicht so richtig lassen.
Und deshalb steht der Plauener morgens um 5 Uhr auf, setzt sich an seinen Computer, und denkt sich ein Thema aus - ein musikalisches Thema. Das Thema wird mithilfe der Technik in verschiedenen Versionen durchgespielt, für die richtige Harmonie der Töne gesorgt und so lange weiter probiert, bis es hörenswert ist. Erst danach frühstückt der Rentner mit seiner Ehefrau. "Dann gehen wir am Vormittag im Stadtpark spazieren und hinterher korrigiere ich das, was ich früh komponiert habe", schildert er seinen Tagesablauf.
Damit ist es ihm aber nicht genug: Die verfassten Notenblätter mit 30 neuen Fugen hat er gerade erst in drei Bänden zusammengefasst: "Ich werde das einem Leipziger Verlag anbieten", kündigt der schöpferische Vogtländer an. Zwei seiner Werke seien vor knapp zwei Jahren in der Johanniskirche von Gert Fiedler bereits gespielt worden und seien auch gut angekommen. Das Komponieren hat er in den 1950er Jahren auch von Hans Wolfgang Sachse erlernt - einem Plauener Komponist, dessen Stücke damals republikweit im Radio gesendet wurden.
Auch Freizeitkünstler wollen die Ergebnisse ihres Schaffens veröffentlicht wissen. Deshalb hat Böhm vor fünf Jahren für seine literarischen Werke seinen eigenen Verlag gegründet: "Die Bücher werden von Büchereien aufgekauft", berichtet er. Das sei finanziell zwar nicht besonders ertragreich. Aber um Geld gehe es ihm ohnehin nicht. "Ich will das, was ich über Jahrzehnte hinweg unterrichtet habe, jetzt selbst einmal versuchen."
So entstanden eine Biografie über seine Kindheit in Schlesien, eine Publikation mit Fabeln, ein Buch mit kurzen und lustigen Texten und ein Liebesroman. Die nötigen Grafiken dazu erstellte der Rentner am eigenen Computer. "Ich arbeite gerade an Kindergeschichten", verrät er. Sich an mystischen Geschichten zu versuchen, schwebt ihm auch noch vor. Die kreativen Kräfte lassen ihn nicht ruhen. Und kleine Erfolge treiben zu neuen Taten an: "Das Schulamt hat mal eine meiner Fabeln für die Prüfung vorgeschlagen.
Böhm hat zwei Kinder und sieben Enkel. "Meine Enkelin spielt auch Orgel, aber ansonsten ist die kreative Ader nicht auf meine Kinder und Enkel übertragen worden." Sich mal auszutesten als Komponist und Autor, das habe sich gelohnt und lohne weiter: Der Plauener wird also nicht ruhen, seiner Schaffenskraft weiter freien Lauf lassen und Zufriedenheit damit erreichen.


