Das Foto, dass das Kennzeichen "HH 88" zeigt, wurde bundesweit verbreitet und in Zeitungen gedruckt. Das Foto, dass das Kennzeichen "HH 88" zeigt, wurde bundesweit verbreitet und in Zeitungen gedruckt.

Foto: dapd

"HH 88": Unbescholtene gerät in Nazi-Verdacht

Nummernschild handelt Plauenerin Ärger ein - Zulassungsbehörde erklärt, sie müsse niemanden warnen

Plauen. Die Berichte über beliebte Neonazi-Autonummern haben viele Vogtländer überrascht. Mancher fährt jetzt mit ungutem Gefühl durch die Stadt - weil er eine "88" an der Stoßstange hat und nicht wusste, dass die Zahl missbraucht wird.

In Plauen hat die Unwissenheit bizarre Folgen: Ein Mitarbeiter einer Nachrichtenagentur fotografierte in der Stadt das Kennzeichen "HH 88", das man zweimal als "Heil Hitler" interpretieren kann. Das Foto wurde bundesweit verbreitet und in Zeitungen gedruckt - wenn auch mit der Bemerkung, dass unklar ist, ob der Halter eine Gesinnung ausdrücken will.

Bei der "Freien Presse" meldete sich die Besitzerin des Kennzeichens. Sie betont, von der Symbolik nie gehört zu haben. "HH" sind ihre Initialen: "Eigentlich wollte ich die 888, weil ich die schon immer habe und mir gut merken kann. Die war vergeben, da hat mir die Zulassungsstelle die HH 88 angeboten."

Als sie von den Debatten um ihr Schild erfuhr, war die 64-Jährige schockiert. Sie wünschte sich Aufklärung durch die Zulassungsbehörde und bei der Vergabe zumindest den Hinweis, dass gewisse Ziffern missbraucht werden: "Warum sagt einem das niemand, wenn man ein Auto anmeldet? Die sollten die Nummern lieber verbieten, als unschuldige Leute in Misskredit zu bringen." Die Plauenerin erhoffte sich eine Entschädigung in Form eines neuen Nummernschilds von der Zulassungsstelle. Doch die Mitarbeiter versicherten ihr offenbar, dass sie sich um ihr Schild nicht sorgen müsse. Dieses sei demnach in Ordnung und rechtlich zulässig.

Am Ende des Gesprächs in der Zulassungsstelle ist die 64-Jährige sauer auf die Medien. Denn die thematisieren ein Problem, das die zuständige Behörde nicht sieht. Nun ist die Frau unsicher und überlegt, sich um neue Schilder zu bemühen. Sie hat Angst - vor Stigmatisierung und um ihr Auto. Erst im Oktober hatte sie sich den Wagen gekauft: "Was, wenn jetzt jemand mein Auto zerkratzt, weil er denkt, ich bin rechtsradikal?" Ähnliches befürchten andere Vogtländer. Darunter eine Mutter, deren Tochter 1988 geboren wurde. Die junge Frau fährt ebenfalls eine "88", ohne die Doppeldeutung zu kennen.

Die Stellungnahme des Landratsamtes, zu dem die Zulassungsstelle gehört, ist lapidar. Das Amt sieht keinen Anlass dafür, seine Kunden aufzuklären. "Eine Aufklärungspflicht über die Deutungsmöglichkeit von Buchstaben und Zahlen in Kfz-Kennzeichen besteht für eine Behörde nicht", schreibt Dezernentin Christina Uhlenhaut in einer Stellungnahme. Bestimmte Buchstabenkombinationen wie "SS" oder "HJ" sind bereits bundesweit gesperrt worden. Eine allgemeine Regelung sei auch für Ziffern sinnvoll, befürwortet sie. Weiter heißt es in der Stellungnahme: "Für die Bürger zu empfehlen sind jedoch die einschlägigen Veröffentlichungen des Landesamtes für Verfassungsschutz zu dem Thema." Die Behörde legt den Vogtländern also ans Herz, sich selbst schlauzumachen.

Das Land Brandenburg hat das Problem schon vor zwei Jahren für sich geklärt. "Wir haben beobachtet, dass sich die rechte Szene Schilder zusammenstellt, um sich zu erkennen", sagt Geert Piorkowski, Sprecher des Brandenburger Verfassungsschutzes. Die Zahlen stehen für die Buchstabenfolge des Alphabets - die "88" etwa für "Heil Hitler".

Nachdem der Verfassungsschutz das Verkehrsministerium Brandenburgs sensibilisiert hatte, wurden die Nummern gesperrt. Es ging auch darum, Autohalter zu schützen, die unwissend mit "88", "888", "8888", "188", "1888" oder "8818" fuhren. "Die Leute sind in die rechte Ecke gestellt worden", sagt Piorkowski.

Der Sächsische Verfassungsschutz teilt die Auffassung. "Es ist unstrittig, dass die Kennzeichen von Neonazis missbraucht werden", sagt Sprecher Alrik Bauer. Obwohl das Problem seit Jahren in Berichten des Verfassungsschutzes geschildert werde, gibt es freie Fahrt für die "88".

 
erschienen am 29.11.2011 ( VOn Manuela Müller )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
7
(Anmeldung erforderlich)
  • 30.11.2011
    16:04 Uhr

    benji04: also man kann es auch übertreiben! klar ist die ganze sache mit den nazis nicht schön, aber jetzt alles und jeden als rechten abzustempeln nur weil ne 88 oder ein HH im kennzeichen ist, finde ich schon sehr sehr lächerlich. Da müsste ja jetzt jeder hamburger ein anderes kennzeichen beantragen =)

    0 1
     
  • 29.11.2011
    22:17 Uhr

    Muisch: Hallo,
    ich finde es beschämend über die Interpretation von Kfz-Kennzeichen diskutieren zu müssen. Haben wir keine anderen Probleme, oder wollen wir nur davon ablenken ? ! Wer sich an solchem Schwachsinn hochzieht, damit in der Öffentlichkeit böses Blut schürt und somit kriminellen Elementen egal ob von weit rechts oder weit links Anregungen zu Straftaten liefert, dem ist meiner Meinung nach nicht zu helfen.
    Gute Nacht Deutschland !

    0 2
     
  • 29.11.2011
    19:42 Uhr

    wundesknie: auf meinem klingelknopf steht auch ein S, muß ich mich jetzt stellen, und selbst anzeigen ?????? kann man nur sagen bekloppt !!!!! kuümmert euch um sachen die wichtiger sind !!! und bei der ganzen Hysterie,hat sich da mal einer gefragt (von den schreiberlingen )) warum das so ist. wenn man im leben nur verarscht wird ,reagieren eben manche leute so . das ist auch nur so ein protest wie bei den castor gegnern,und die kosten jede menge geld, den steuerzahlern und keinen anderen

    0 0
     
  • 29.11.2011
    17:15 Uhr

    Freidenker: Irgendwann darf man bestimmt nicht mal mehr rechts abbiegen ohne das man schief angeschaut wird.Im übrigen is es sowieso egal ob rechts,links oder geradeaus.Man wird eh von jedem Verpopot.

    0 2
     
  • 29.11.2011
    11:49 Uhr

    hanswurstjoerg: Ich weis nicht was in diesen land los ist, aber wenn sich unsere Politiker über so was belangloses aufregen kann ich nicht verstehen.
    Sollen sie sich lieber über was wichtigeres den kopf zerprechen, nämlich das die bürger mehr Geld in den Tachen haben.

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