"Toxic Style" heißt das Geschäft von Steven Liesegang, in der er auch Schallplatten verkauft. Die "schwarze Null" hat er in den vergangenen zwölf Monaten immer geschafft. Seinen Lebensunterhalt muss er jedoch beim Arbeitsamt beziehen.
Foto: Ellen Liebner
"In zwei Monaten blieb etwas übrig"
Ein Jahr selbstständig: Steven Liesegang hat mit Laden in der Oheim-Passage durchgehalten - Kurve zeigt nach oben
Plauen. "Ich bereue den Schritt auf jeden Fall nicht", sagt Steven Liesegang. "Aber man muss schon erst etwas abgehärtet sein", so der 25-Jährige. Er meint damit jene Tage, an denen niemand in seinem Geschäft etwas kauft. Kein einziger Kunde, der ein außergewöhnliches T-Shirt, eine Gürtelschnalle oder einen Aufnäher bei ihm ersteht. "Gerade in den heißen Tagen zuletzt war es schon sehr ruhig", erzählt er. Dennoch war der August 2009 besser als der 2008 - sein erster Monat, in dem er vergleichen kann. Deshalb ist er optimistisch: Die Kurve zeigt nach oben. Nicht steil, aber stetig.
Am Anfang hat Steven die Werbetrommel gerührt. Mit einer Eröffnungsparty in der "Röste" machte er auf sich aufmerksam. Freude verteilten Werbeflyer. "Und Mundpropaganda ist natürlich wichtig", erzählt er. Der Erfolg stellte sich ein, Kunden kamen, kauften und halfen ihm bei der Erfüllung seines Minimalziels: die Kosten des Geschäftes zu decken. Immer sei das gelungen, sagt er stolz, auch wenn er manchmal schon Bauchschmerzen hatte, wenn mal gar nichts ging. Am Ende kam er jedes Mal "raus". "In zwei Monaten blieb auch etwas übrig", freut sich Steven.
Es sind kleine Brötchen, die er backt. Nichts anderes hatte er erwartet. Vielleicht auch deshalb strahlt er Optimismus aus, bald nicht mehr seinen Lebensunterhalt vom Arbeitsamt beziehen zu müssen. Große Hoffnungen knüpft er an einen Umzug eine Etage tiefer in die Klostermarktpassage. Ende September soll es soweit sein. Er will in den ehemaligen Tabakladen einziehen. Die gesamte unterer Passage sei dann wieder voll vermietet. "Dort kann ich auf jeden Fall auch mit Laufkundschaft rechnen. Hier oben kommt ja niemand automatisch vorbei", erzählt er. Ringsum stehen Ladenlokale leer.
Auch das Geschäft übers Internet will er ankurbeln. Momentan arbeitet er an seinem virtuellen Laden, der für Umsatz und mehr Durchlauf bei seinen Waren sorgen soll. Steven weiß: Die Kunden wollen Abwechslung. Wenn nur die immergleichen Teile im Laden hängen, bleiben die neugierigen Stöberer aus. Aber ein Teil muss eben erst verkauft sein, bis er ein neues hinhängen kann. Aber Steven Liesegang hat einen langem Atem. "Das ist überhaupt das Allerwichtigste."

