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"Knöllchen-Felix" aus Plauen kommt ins Fernsehen

RTL und MDR drehen Beiträge - Das spornt den jungen Mann an, noch mehr Parksünder anzuzeigen

Plauen. Am Samstagnachmittag lässt sich Felix R. von einem RTL-Kamerateam begleiten, wenn er mit seiner Kamera Falschparker "abschießt". Am Sonntag das gleiche Spiel mit dem MDR für "Dabei ab zwei". Der junge Plauener schafft es mit seinem Hobby jetzt deutschlandweit in die bunten Schlagzeilen. "Das hilft mir, durchzuhalten und weiter zu machen. Es ist eine kleine Motivation", sagt Felix R. Der Boulevardsender wolle ihn gleich zweimal zeigen - im Mittagsmagazin und abends in der Sendung "Explosiv", voraussichtlich zum Wochenbeginn.

Nach "Knöllchen-Horst" aus dem Harz kommt jetzt "Knöllchen-Felix" aus dem Vogtland. In Osterode schwärzt ein Frührentner ebenfalls seit Jahren Autofahrer an und hat sich in der Bevölkerung diesen Spitznamen eingehandelt.

Der Plauener Ordnungsamtsleiter Wolfgang Helbig brachte seinen Dreh für RTL bereits hinter sich. Bis zu 40 Falschparker-Fotos legt Felix R. den Mitarbeitern von Helbig jede Woche auf den Schreibtisch, ohne Geld dafür zu erhalten oder beauftragt worden zu sein. Mehrere hundert Autofahrer hat er schon angezeigt. Er wolle keine Verbrecher verfolgen, aber seiner Pflicht als Bürger nachgehen, sagt er über sich selbst. Für die Behörde ein kleines Zubrot: Pro Tag verteilen die neun Plauener Politessen etwa 150 Knöllchen.

Helbig muss diese sogenannten Bürgeranzeigen ahnden: "Die Stadt Köln fordert die Bürger sogar dazu auf, Falschparker anzuzeigen", sagt er. Unter den Plauenern ist die Meinung über den 29-Jährigen gespalten. Klaus Papenfuß wohnt im Chrieschwitzer Hang und wäre froh, wenn ein Unbefangener wie Felix R. regelmäßig durch sein Wohngebiet ziehen würde. Auf seiner Straße tobe ein Kleinkrieg in der Nachbarschaft, weil einige Mieter seit Jahren ihre Autos im Parkverbot auf dem Fußweg abstellen. Die Älteren trauen sich nicht, den jüngeren Parksündern ihre Meinung zu sagen.

"Nur mit Knöllchen löst man das Problem aber nicht. Davon haben die schon genügend bekommen", sagt Papenfuß. Das Ordnungsamt könnte härter durchgreifen. Wenn es einen notorischen Ignoranten im Visier hat, darf es Anhörungen anstatt Knöllchen verschicken, sodass Punkte in Flensburg fällig werden. Das funktioniert jedoch nur bedingt und passiert in der Praxis kaum: Sobald die Betroffenen ein normales Knöllchen bekommen und bezahlen, ist der Zug für die Behörde abgefahren. Es müsste also den Politessen auffallen, wenn einer ständig falsch steht. Doch den Strafzettel schreibt mal die eine, dann die nächste. Eine Statistik darüber, wer wie oft Knöllchen bekommt, gibt es nicht. "Wenn mir jemand notorische Falschparker meldet, kann ich meine Politessen informieren. Dann wird genau geschaut", sagt Helbig. Manchen Plauener hat auch Felix R. schon mehrfach erwischt, einen knapp zehnmal. Helbig: "Er hat jedes Mal ohne zu zucken bezahlt."

Mindestens einmal ist die eifrige Feierabend-Politesse aber übers Ziel hinausgeschossen. R. zeigte einen Autofahrer an, der auf dem Theaterplatz neben dem Behindertenparkplatz stand. Der Wagen gehörte Uwe Gruber, der abends mit seiner schwerbeschädigten Frau im Theater war. Als er sich im Amt beschwerte, durfte er das Knöllchen zerknüllen. Für solche Fälle gibt es Ausnahmeregeln. Helbig: "Auch Politessen können Fehler machen."

 
erschienen am 01.03.2013 ( Von Manuela Müller )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
34
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  • 30.03.2013
    12:19 Uhr

    mylischer: Bezieht der junge Mann nicht Sozialleistungen? Wieso bekommt er keine Arbeit vom Amt angeboten? Ist das keine Beschwerde gegen das Amt wert? Sonst bekommen Menschen ,,zu viele Bewerbungsaufforderungen´´ und bei nichtbeachten wird das Geld gekürzt

    0 0
     
  • 09.03.2013
    10:03 Uhr

    ernstel1973: @fp2012: Was ihr da mit Felix macht ist ebenfalls Gossenniveau bzw. besser ausgedrückt RTL2-Niveau.

    Falschparker sollen bestraft werden, aber von ausgebildeten sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten.

    Keiner tut Felix einen Gefallen, wenn er zum Gespött der ganzen Nation gemacht wird. Er selbst ist vom Horizont her leider nicht in der Lage das einzuschätzen. Die FP und der MDR benutzen Felix, um die Auflagen bzw. die Einschaltquoten zu erhöhen - super Sozialkompetenz von euch.

    Das Vogtland ist schon jetzt dank der Medien nur ein Synonym für den Begriff Knallerbsenstrauch.

    0 2
     
  • 02.03.2013
    17:07 Uhr

    Gromoffel: Die nettesten Denunzianten kommen aus dem Vogtland! Ein weiterer Standortvorteil nach der "Billiglohn-Region".

    2 3
     
  • 02.03.2013
    12:57 Uhr

    Matthias1: Dem Knöllchen-Felix sollte HartzIV gestrichen werden. Wer jede Nacht Hilfspolitesse spielt, der ist tagsüber nicht ausgeschlafen genug, um dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen.

    5 2
     
  • 02.03.2013
    11:33 Uhr

    ThorstenMeyer: Kennt sich jemand genauer aus? Die Äußerung von f1234 müsste doch sogar strafrechtlich relevant sein, oder? Wenn der Betroffene Felix das liest, würde ich auf alle Fälle einen Screenshot machen und prüfen, ob man da irgendwas machen kann. Die Äußerung ist schockierend! Eine Entgleisung!

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