Diese Vitaminkapseln hätte er früher gebraucht, sagt Dietrich Klug. Weil sein Arzt das nicht erkannt haben soll, verlangt er Schadenersatz.
Foto: Ellen Liebner
Kranker Lehrer zwingt Arzt vors Gericht
Plauener wirft Hausarzt Pfusch vor - Er soll eine folgenschwere Blutkrankheit nicht erkannt haben
Plauen. Dietrich Klug läuft mit seinen 53 Jahren wie ein alter Mann. Langsam geht er und ein bisschen gebückt. Doch die Schuld, dass er so gebrechlich ist, gibt Klug nicht seinem Körper. Er sagt, das liegt an seinem Hausarzt: "Der hat gepfuscht!"
Ein Streit, der jetzt das Landgericht Zwickau beschäftigt. Klug will, dass sein ehemaliger Arzt, ein Allgemeinmediziner aus Plauen, für seine Gebrechen haftet. Er verlangt Schadenersatz von dessen Versicherung. Es gab eine erste Verhandlung, bei der Klug sein Tagesziel erreicht hat: Er konnte seine Hausarzt-Akte abfotografieren. "Das war nur die Ouvertüre. Ich spiele jetzt meine Trumpfkarten aus, eine nach der anderen", sagt Dietrich Klug. Er lebt sein Leben nach Strategien. Klug ist Lehrer für Mathematik und Physik und Hobby-Schachspieler.
Seit zweieinhalb Jahren ist Dietrich Klug krank. Es begann mit tauben Händen und Lähmungen in den Beinen. Klug bekam Gleichgewichtsstörungen, konnte nicht mehr Radfahren. Er fühlte sich dauermüde. Sein Arzt schickte ihn ins Krankenhaus zur Gefäßsprechstunde, wo er auf Durchblutungsstörungen untersucht wurde. Alles in Ordnung, hieß es. Also verschrieb der Hausarzt Physiotherapie und versorgte ihn mit Krankenscheinen. Und er nahm Blut.
Dieses Blutbild ist der Knackpunkt. Es gibt Parameter, die von Normwerten abweichen. Klug hat Fachbücher gelesen und sagt: Der Arzt habe perniziöse Anämie übersehen, eine Form der Blutarmut, bei der der Körper zu wenig Vitamin B 12 bekommt. Dietrich Klug ließ sich sein Blutbild später geben und schickte es übers Internet an Ärzte. "Sie haben alle sofort erkannt, was mit mir los ist", sagt er. Unbehandelt endet perniziöse Anämie tödlich.
Klug erfuhr von seiner Krankheit erst nach vier Monaten. Auf den Rat seines Physiotherapeuten sei er zum Neurologen gegangen - der ihn in die Klinik einwies. Klug wurde zu spät behandelt, bekam zu spät die Vitamin-B-12-Spritzen, sagt er selbst. Es blieben Schäden. Bis heute hat er Gangstörungen.
Der Hausarzt ist sauer. "Das entspricht alles nicht der Wahrheit. Die wichtigsten Blutwerte sind in Ordnung", sagt er. Dass ihn ein Patient vor Gericht zerrt, sei ihm noch nie passiert. "Glatte Lüge", sagt er, und "riesengroße Sauerei".
Der nächste Trumpf, den Dietrich Klug spielen will, ist die Sache mit dem Neurologen. Klug behauptet, sein Hausarzt habe ihn nie überwiesen, er sei vom Physiotherapeuten darauf gebracht worden. Der Arzt behauptet das Gegenteil. Zweimal habe er Klug hingeschickt, schon kurz nachdem das Blutbild vorlag. Weil Privatpatienten wie Klug keine Überweisung brauchen, sei die in keinen Unterlagen zu finden. Der Lehrer lacht bitter: "Ich wäre sofort zum Neurologen gegangen, wenn er mich geschickt hätte. Als Kranker klammert man sich an jeden Strohhalm."
Seit dem Gerichtstermin hat er wieder einen Trumpf, findet er: Fotos seiner Patientenakte. Mit denen will er nachweisen, dass er nicht zum Neurologen geschickt wurde. Seit mehr als zwei Jahren verbraucht Klug, der allein lebt, seine Ersparnisse. Zuletzt war er Lehrer am Berufsschulzentrum e. o. plauen, doch sein Arbeitsverhältnis ruht. Krankentagegeld bekommt er nicht. Vom Landesamt für Steuern und Finanzen hat er eine fiktive Gehaltsrechnung angefordert: Was hätte er verdient, wenn er von Januar 2009 bis Juli 2011 gearbeitet hätte? Die will er der Haftpflichtversicherung seines ehemaligen Hausarztes schicken, damit sie für den Ausfall geradesteht. Und er fordert Schmerzensgeld. "Wenn die Versicherung in der Zwei-Wochen-Frist nicht zahlt, reiche ich Klage ein."
Hätte der Arzt den Fehler zugegeben, hätte er nie geklagt, sagt Klug. Jetzt rechnet er damit, bald wieder in einem dieser Säle zu sitzen, die er so gut kennt. Oft schon hat er sich vor Gericht Recht erzwungen. Er wälzt Gesetzbücher und jetzt auch medizinische Fachbücher. Zum Beispiel darüber, wie man Blutbilder liest.



14:18 Uhr
Mandy83: @gsx600 woran erkennt man/frau einen "Magentyp"??? und was ist ein "Magentyp"? etwa eine krankheit??? unabhängig davon wird eine perniziosa - perniziöse anämie - immer mit einer V.-B12-Supplementationstherapie behandelt. google einmal mit den wörtern perniziöse anämie.
selbst wenn dem so wäre wie du schreibst, hat der arzt jedenfalls gepfuscht, wenn die angaben des betreffenden stimmen sollten. die v.-b12 spritzen kann eine krankenschwester oder ein krankenpfleger dem betreffenden setzen, dazu bedarf es nicht einmal eines arztes!!!
17:56 Uhr
gsx600: Bleibt zu hoffen, dass das Gericht faire Gutachter findet, denn hier scheint ja einiges ungereimt zu sein. Hoffe nur, dass der Lehrer nicht selbst mit Schuld an seiner Krankheit hat, scheint mir ein echter "Magentyp" zu sein und chron. Magenentzündung befördert ggf. die perniziöse Anämie, wünsche ihm alles Gute
17:18 Uhr
crashy9708: Ist DAS KLUG Herr Klug(???):
"Hätte der Arzt den Fehler zugegeben, hätte er nie geklagt, sagt Klug."
Das klingt für einen "Außenstehenden" wie "Klippschule". Welcher Arzt gibt einen Fehler zu, wenn man ihm sagt:
"Hey, Sie, ich unternehme nichts, wenn Sie alles zugeben!"
Also zeigen Sie mir jemand, der auf diese Art und Weise dem Fordernden eine positive Antwort gibt.
Herrn Klug rate ich, er solle mal eine Auszeit nehmen und sich in eine tiefenpsychologische Behandlung begeben - mir hat es geholfen, denn ich hatte die gleichen Symptome bei meinem "Burn Out".
Was das Lesen von "Fachbüchern" betrifft, so scheint mir, dass Herr Klug dadurch mehr "neunmal-klug" als schlau wurde.
Warum wurde er denn kein Arzt? Die Medizin ist keine Mathematik, bei der man auf Zahlen zurückgreifen kann, sondern ein Beruf, der mehr braucht als nur "Schulweisheiten".
Wenn Herr Klug schon so klug ist, warum war er dann nicht klug genug, rechtzeitig den behandelnden Arzt zu wechseln, wenn er in dessen Arbeit kein Vertrauen mehr hat?
Ich lies mir das nur 1x gefallen und holte mir den richtigen neurologischen Befund bei einer anderen Ärztin.
Übrigens:
Ich bin kein Privatpatient!