Lessing-Gymnasiasten der achten Klassen fordern mehr Lehrer an ihrer Schule. Am Freitag soll es eine Protestaktion auf dem Schulgelände geben. Dafür haben die jungen Leute bereits Plakate gebastelt.
Foto: Ellen Liebner
Lehrermangel in Plauen: Gymnasium muss Klassen zusammenlegen
Lessing-Gymnasiasten sollen künftig statt in vier nur noch in drei Klassen lernen
Plauen. Durch das Plauener Lessing-Gymnasium schwappt eine Welle der Empörung. Ausgelöst hat sie ein Brief, den Schulleiter Frank Maik Richter vergangene Woche den Eltern übermittelt hat - ein Schreiben mit brisantem Inhalt: Die Klassen 8a bis 8d müssen im nächsten Schuljahr zusammengelegt werden. Aus vier macht drei.
Schüler und Eltern sind in Aufruhr. Statt rund 20 Schüler pro Klasse sollen künftig 28 gemeinsam lernen. "Wir haben das drei Wochen vor Schuljahresende erfahren, wurden vor vollendete Tatsachen gestellt. Ich weigere mich, das einfach hinzunehmen", sagt Elke Werz, Mutter eines Betroffenen. Die Befürchtungen: Klassenverbände werden auseinandergerissen, Freundschaften zerstört, die Lernbedingungen verschlechtern sich deutlich. "Das kann nicht richtig sein", so Elke Werz. Bei einem kurzfristig organisierten Treffen am Dienstag haben Schüler und Eltern beschlossen: Das lassen wir uns nicht gefallen. Sie wollen gemeinsam protestieren.
Am Freitag soll es nach der ersten großen Pause gegen halb 10 Uhr eine Kundgebung auf dem Schulhof geben. Als "dreist", eine "Frechheit" bezeichnen die Betroffenen die Klassenzusammenlegung. "Wir Schüler dürfen gar nicht mitreden, dabei betrifft es uns direkt", klagt Achtklässlerin Melanie Müller. Die Kritik von Schülern und Eltern richtet sich vor allem Richtung Kultusministerium und Bildungsagentur. Letztere hatte die Klassenzusammenlegung angeregt: In einer Anweisung hatte sie die Schulleiter aufgefordert, die Klassengrößen zu überprüfen und an das Schulgesetz anzupassen.
Dieses Gesetz legt fest, dass in einer Klasse bis zu 28 Schüler lernen dürfen. Für das Lessing-Gymnasium hat das dramatische Folgen: "Bei einer derzeitigen Gesamtschülerzahl in der achten Klassenstufe von 84 ist nur die Bildung von drei Klassen gerechtfertigt", so Schulleiter Richter. "Mir ist bewusst, dass diese Maßnahme für Ihre Kinder nicht einfach zu verkraften sein wird", schreibt er den Eltern. Dem Gymnasiums-Chef sind die Hände gebunden - er muss gar ein weiteres Dilemma hinnehmen. Sechs Pädagogen werden an andere Schulen versetzt. Das Wort Lehrermangel ist in aller Munde.
In der zuständigen Regionalstelle der Bildungsagentur in Zwickau legt man das indes anders aus. "Wir gehen davon aus, dass es im kommenden Jahr keinen Mangel in dem Sinne geben wird, dass Klassen keinen Lehrer haben. Aber die Gesetzlichkeiten werden künftig konsequenter umgesetzt. Das bedeutet, dass noch viel mehr Schulen Klassenzusammenlegungen hinnehmen müssen", erklärt Arndt Schubert, Sprecher der Bildungsagentur in Zwickau. Mitspracherecht für Eltern und Schüler gebe es dabei nicht. "Für die Eltern entsteht jetzt der Eindruck eines Einschnitts, doch die Bedingungen sind eben nicht mehr so komfortabel. Wir müssen die Lehrer, die wir noch haben, so aufteilen, dass es aufgeht", so Schubert. Heißt das, dass die Schüler ausbaden müssen, dass im Freistaat derzeit zu wenig Lehrer verfügbar sind? "Ja, das ist richtig", sagt der Pressesprecher.
Die Pädagogenausbildung wurde inzwischen zwar aufgestockt, bemerkbar macht sich das jedoch frühestens in drei Jahren. Elke Werz dauert das zu lange: "Ich bin Mutter. Ich will jetzt kämpfen. Wir können unseren Kindern zeigen, dass es sich lohnt, sich zu wehren."


20:36 Uhr
leser1: Tja, und die eben frisch ausgebildeten Referendare sitzen mit 1,3er (und besseren) Abschlüssen arbeitslos zuhause. Das ist doch Bildungspolitik in Sachsen. Besser noch, jetzige Referendare werden nicht angestellt, aber für eine unbekannte und sicher nicht unerhebliche Summe werden vom Kultusministerium Briefe an heutige Abiturienten verschickt, sie mögen doch Lehramt studieren. Was soll man als arbeitsloser Junglehrer dazu sagen und davon halten????
10:10 Uhr
crashy9708: Sachsens ganzer Stolz?
Wie war das doch gleich: Der Freistaat bietet seinen Schülern die besten Bedingungen, sich aufs spätere Leben vorzubereiten.
Nun dies:
Aus 4 mach 3 - sehr schlimm.
ImJahre 1977 waren wir auch über 25 Schüler in unserer ABI-Klasse und wir waren 4 Parallelklassen.
Noch schlimmer: Wir hofften damals vergeblich - nicht auf Lherer, sondern darauf, das auch mal eine Stunde Unterrichrt ausfällt - die Hoffnung starb damals immer zum Schluß.
Wir wurden sogar "gezwungen", nach der letzten ABI-Prüfung richtig "Kohle" zu schaufeln: 1.250,- Mark musste ich danach nachhause schleppen und nur, weil ich freiwillig in der Nachtschicht gearbeitet hatte.
Trotz so vieler Schüler in der Klasse wurde uns das ABI auch nicht geschenkt und wir kamen alle im Unterricht mit, weil wir zwar kein "Team", dafür aber ein "Kollektiv" waren und im "kollektiv" lernte es sich verdammt gut - auch nach der Schule und ohne Lehrer.
Es kommt nicht auf die Zahl der Schüler pro Klasse an, sondern auf die Qualität der Lehrer, der Lehrmittel und natürlich die Qualität des Umgangs aller, auch innerhalb der Klassen.