Schweigemarsch Die Philips-Mitarbeiter sind am Freitag schweigend vor dem polnischen Lkw, der mit H4-Produktionsmaschinen beladen war, hergelaufen.

Foto: Ellen Liebner

Letzter Akt im Philips-Drama: Mitarbeiter marschieren in Trauer

Abtransport der H4-Produktionsmaschinen aus Plauener Philips-Werk hat begonnen

Plauen. Plauen. Einmal noch wollten sie ihre Wut zeigen. Ein letztes Mal mahnen, still, mit Fackeln in der Hand. An so viel Symbolik hatten die Mitarbeiter am Freitag im Plauener Philips-Werk aber wohl nicht gedacht: Als ein polnische Lkw, beladen mit Maschinen aus der H4-Produktionslinie, das Betriebsgelände verließ, war es fünf vor 12.

Schweigemarsch der Mitarbeiter

Schweigend lief die Belegschaft vor dem Lastwagen her, ein schwarzes Band vor sich tragend. "Wir wollen den letzten Weg der H4 gemeinsam gehen", sagte Andreas Rother. Der Betriebsrats-Chef erinnerte daran, wie die Mitarbeiter vor mehr als 20 Jahren jene Maschinen ausgepackt hatten, die sie am Freitag davonfahren sahen - die Stimmung war so trüb wie die grauen Wolken über dem Werksgelände.

Die Maschinen werden jetzt woanders benötigt. In Polen. Dorthin hat Philips die H4-Lampenherstellung verlegt. Aus Kostengründen, wie die Geschäftsleitung sagt. Der erste Lkw mit den Plauener Maschinen war bereits am Donnerstagabend auf die Reise geschickt worden, der zweite folgte am Freitag - für die Philips-Mitarbeiter ein trauriger Tag. Für einige von ihnen sind diese Juli-Arbeitswochen die letzten: Ab 1. August müssen 118 der insgesamt rund 450 Beschäftigten in eine Transfergesellschaft wechseln. Weitere haben sich entschieden, zu gehen.

Protest soll Unmut zeigen

Maria Müller zum Beispiel. Vom ersten Tag der Lehre bis jetzt war sie im Werk beschäftigt. Die 55-Jährige nimmt die Abfindung, die Philips zahlt. Ohne zu wissen, wie es für sie weitergeht. Als am Freitag der Lkw zum Abtransport bereitstand, musste sich die Frau setzen. "Mit dem stillen Protest heute möchte meinen Unmut zeigen. Ich mache das für die bleibenden Mitarbeiter", sagte sie.

Andreas Pflug ist so einer, der bleibt. Wie viele andere auch hat er sein gesamtes Berufsleben bei Philips, einst Narva, verbracht. Freitag noch einmal symbolisch auf die Straße zu gehen, war für den Plauener eine Selbstverständlichkeit. "Wahre Helden setzen Zeichen", stand auf seinem T-Shirt geschrieben. Mit lodernder Fackel, schweigend aber bestimmt, zogen er und die Mitarbeiter vor dem polnischen Lastwagen her. Mehr konnten sie nicht tun. Das Kapitel H4-Lampenproduktion in Plauen wird nun geschlossen.

Während die einen in Wehmut zurückblickten, wartete Fahrer Ryszard schon vor dem Tor. Sein Lkw sollte als nächster beladen werden.

 
erschienen am 22.07.2011 ( Von Nancy Dietrich )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
1
(Anmeldung erforderlich)
  • 23.07.2011
    09:42 Uhr

    crashy9708: "Heute gestohlen - morgen in Polen!"

    Wie oft hörte man schon diesen Satz?
    Offiziell klingt das dann so:
    "Die Auslagerung des Produktionsstandortes erfolgte unter Berücksichtigung der derzeitigen wirtschaftlichen Lage auf dem Automobilmarkt und in Abstimmung mit der wirtschaftlichen Entwicklung in den Ländern der europäischen Union!"

    Übersetzt heißt das:
    Die Firmen sind immer darauf aus, ihre Gewinne zu maximieren und deshalb wurde die EU ins Leben gerufen, die diese "Art von Gewinnmaximierung" sogar noch subventioniert; denn Geld "stinkt" nicht, auch wenn die Art und Weise der Beschaffung "zum Himmel stinkt"!
    Na, wenigstens fahren die Polen noch deutsche Autos aus dem lieben Nachbarland Bayern, auch wenn die Zulieferer schon lange im ehemaligen Ostblock ansässig sind.

    Eine positive Seite sollte man dem Drama doch abgewinnen:
    Es dient wenigstens der Arbeitsplatzsicherung der MA in den ARGEN und Jobcentern und in all jenen "Schein-Instituten" ,die (natürlich staatlich finanziert) die zukünftigen Arbeitslosen "beschäftigen" und "weiterbilden", damit die BA für Arbeit (und Erholung) in Nürnberg ihre Arbeitsmarktzahlen weiter nach "unten" korrigieren kann und damit versucht, der Koalition die nächste Wahl zu retten.

    Nun, liebe Plauener, steckt den Kopf nicht in den Sand, denn früher sprach man in Polen auch an vielen Orten Deutsch und Arbeit gibt es in Polen derzeit genug. Wenn auch der Lohn kaum zum Urlaub auf Mallorca reicht - vor über 20 Jahren musste auch die Ostseeküste für uns herhalten und an die grenzt Polen ja auch!

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