Ein Blick in die Endmontage: Jürgen Schmidt bereitet hier den Einbau der Türen vor.

Foto: Ellen Liebner

MAN macht Plauener Neoplan-Werk fit für die Zukunft

Der Busbauer MAN Truck & Bus beginnt mit dem Ausbau seines Standortes im Vogtland

Plauen. Mit der Grundsteinlegung für ein neues Logistikzentrum hat der Münchener MAN-Konzern am Donnerstag mit dem geplanten Ausbau seines Standortes Plauen begonnen. Der Neubau mit 5800 Quadratmeter Nutzfläche soll bis Anfang kommenden Jahres fertig gestellt sein; 3,1 Millionen Euro investiert der Nutzfahrzeughersteller in die Erweiterung.

Der im vorigen Jahr aufgestellte Investitionsplan sieht vor, dass bis Ende 2013 insgesamt 19 Millionen Euro in den Ausbau und die Modernisierung der Fertigungsstätte fließen sollen. Dies werde Plauen zu einem der modernsten Bus-Werke in Europa machen, hieß es. So soll im Laufe des nächsten Jahres für etwa sieben bis acht Millionen Euro eine neue Lackiererei entstehen. Im dritten Bauabschnitt soll eine neue Montagehalle für zirka sechs Millionen Euro errichtet werden.

Neues Kundencenter geplant

Außerdem soll die Fabrik, in der die Reisebusse der Premium-Marke Neoplan hergestellt werden, ein neues Kundencenter bekommen. Möglicherweise wird der Konzern auch in eigene Stromversorgungseinheiten investieren. Hier sei aber noch alles offen, sagte Michael Kobriger, Leiter Omnibus-Produktion bei MAN Truck & Bus. "Wir denken über verschiedene alternative Konzepte nach", meinte er.

Im Zuge der Werkserweiterung soll die Produktion schrittweise steigen. Im vorigen Jahr haben nach Angaben von Kobriger 390 Busse das Werk verlassen. Dieses Jahr werden es knapp 500 sein. Damit könne man sehr zufrieden sein, betonte der Manager. 2012 komme ein neues Modell hinzu, das dann ab dem Folgejahr auch zu einer höheren Produktionszahl von 600 bis 650 Bussen führen soll. Langfristig sollen einmal gut 800 Fahrzeuge jährlich in Plauen montiert werden.

Die Reisebusse gehen an Kunden in ganz Europa, der Schwerpunkt liege jedoch auf Deutschland und der Türkei. Die Abnehmer seien in erster Linie Unternehmen der Tourismusbranche, am Bosporus würden die Neoplan-Fahrzeuge aber auch im Linienbus-Geschäft eingesetzt, so Korbiger. "Sie bilden dort das Luxussegment ab." Künftig will das Unternehmen weitere Märkte erschließen. Potenzial sieht der Manager etwa in Russland. Erst kürzlich war ein in Plauen hergestellter Reisebus vom Typ Neoplan Cityliner in Moskau als "Bus des Jahres" ausgezeichnet worden.

Standort profitabel

Nach Kobrigers Worten arbeitet der Standort rentabel und schreibt schwarze Zahlen. Derzeit sind hier den Angaben zufolge 470 Mitarbeiter beschäftigt, hinzu kommen 50 Leiharbeiter. Ob mit dem Ausbau der Fertigungsstätte weitere Stellen entstehen, ließ er offen. "Unsere Pläne zeigen Wachstum, damit ist im Normalfall auch ein Anstieg der Arbeitsplätze verbunden", sagte er lediglich. Im Moment sei er aber froh, die bestehende Belegschaft abgesichert zu haben. Noch im vorigen Jahr hatten die Beschäftigten um die langfristige Zukunft ihres Werkes gebangt. Der Grund: Der Konzern hatte entschieden, den Busrohbau ins knapp 750 Kilometer entfernte MAN-Werk im polnischen Starachowice zu verlegen, da im Vogtland eine Anlage zur sogenannten Kathodischen Tauchlackierung - eine Korrosionsschutzbehandlung - fehlte. Das Unternehmen argumentierte damals, dass der Aufbau einer solchen Anlage in Plauen unrentabel sei. Mitarbeiter und IG Metall befürchteten, dass es mit der Verlagerung zu einer Schließung auf Raten kommt. Es kam daraufhin zu Protestaktionen und Gesprächen zwischen Arbeitnehmervertretern, Politikern und Unternehmen. Im Juli vorigen Jahres gab schließlich der Konzern bekannt, auf Kündigungen verzichten und investieren zu wollen. Mit den Arbeitnehmervertretern wurde ein Zukunftstarifvertrag abgeschlossen. Die jetzt geplanten Investitionen gehen sogar noch darüber hinaus. Die Busgerippe kommen jedoch inzwischen per Lkw aus Polen. "Der Prozess war nicht einfach, wir haben lange gerungen um eine gute Lösung", blickte Kobriger  zurück. Für die Konzernleitung sei jedoch immer klar gewesen, dass die Marke Neoplan mit einem deutschen Produktionsstandort und somit mit Plauen verbunden ist, meinte der MAN-Manager.

 
erschienen am 22.09.2011 ( Von Jan-Dirk Franke )
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