Renate Richter: In Dresden geboren, wohnte sie zunächst in Stuttgart und in München. Vor fünf Jahren verschlug es sie nach Plauen.
Foto: Ellen Liebner
Neu-Plauenerin hält Ruck-Rede vor Stadtrat
Renate Richter vermisst nicht nur die Plauener Spitze
Plauen. Donnernder Applaus. Beinahe hätte es Bravo-Rufe gegeben. Nein, so einen Auftritt wie den von Renate Richter gab es im Plauener Stadtrat lange nicht. Eine Frau nutzt die Einwohnerfragestunde für eine Manöverkritik zum Thema Plauener Spitze. Unbefangen, ehrlich und emotional redet sie sich von der Seele, was ihr auf den Nägeln brennt.
"Plauen, Stadt der Spitze, was bedeutet dieser Slogan? Wo ist die Spitze beim Spitzenfest? Wo ist die Spitze in der Stadt?" In einem bayerischen Kurort habe sie Plauener Spitze in einem Schaufenster entdeckt. "Da habe ich mir die Nase plattgedrückt. Aber in Plauen? Ich suche einen Spitzenladen mit hoher Qualität, etwas Elegantes. Hier gibt es aber nur Lädle." Zur Not müsse eben die Stadt selbst ein solches Geschäft eröffnen, so die 72-Jährige - was Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP) direkt ablehnte. "Die Zeit der HO ist vorbei." Er gab ihr aber auch recht: "Es gibt eine große Lücke zwischen Anspruchsdenken und Wirklichkeit."
Auch Tage nach ihrer Ruck-Rede am Mikrofon des Ratssaals klopft ihr noch das Herz. All ihren Mut habe sie dafür zusammengenommen, sagt Renate Richter. Aber nicht nur das Thema Spitze beschäftigt die Frau, die nach Jahren in München 2007 aufgrund von Verwandten nach Plauen gezogen ist. Vor allem die Debatten zur Innenstadt verfolgt sie genau. Denn die City zwischen Albertplatz und Weisbachschem Haus ist ihr erweitertes Wohnzimmer. Dort ist sie viel unterwegs, beobachtet, sucht Kontakte. Sie ärgert sich, wenn bei einer Stadtführung die Bahnhofstraße links liegen gelassen wird. Und sie freut sich, wenn ihre Hinweise beherzigt werden.
Im Bürgerbüro sprach sie mal vor, weil ihr an einer schönen Grünfläche am Albertplatz eine Bank fehlte. "14 Tage später standen dort zwei Bänke. Ich dachte, ich sehe nicht richtig", erzählt sie. Ein Aha-Erlebnis. "Das hat mich bestätigt, dass man etwas bewegen kann. Und wenn es nur zwei Bänke sind." Seither spricht sie von "meiner Bank". "Ihr Garten" liegt indes am Mühlgraben vor den Weberhäusern. "Das ist dort unten die schönste Ecke. Auch vom Weisbachschen Haus ist sie begeistert. "Das gehört mir", sagt sie augenzwinkernd, und hat sich den Menschen angeschlossen, die dort das Spitzenzentrum hinhaben wollen: den Freunden Plauens. Für sie mittlerweile ein Stück Heimat in einer immer noch recht fremden Stadt, in der ihr zu viel geschimpft wird. "Was kann ich ändern? Das ist für mich jetzt die wichtigste Frage." Renate Richter will mitgestalten. "Mein Leben lang habe ich mich aus der Politik rausgehalten. Aber jetzt habe ich zu viel Zeit."
Nach ihrem Auftritt im Rat bekam sie gleich eine Einladung. Am Mittwoch laden Andreas Ernstberger und Andreas Zelle zu einer Bahnhofstraße-Diskussion ein. Sie findet 19 Uhr im ehemaligen Blumenladen neben dem Geschäft "Stoopid" an der Bahnhofstraße statt. Renate Richter ist dabei. Vielleicht wieder mit einer Ruck-Rede.


16:44 Uhr
crashy9708: "Spitzenstadt Plauen"?
Es waren einmal:
Ein moderner Bahnhof mit einem modernen Busbahnhof, wo man - auch wenn meist nicht weiter westwärts - jederzeit mit dem ÖPNV mobil war.
Eine Hochschule in Neuendorf, auch wenn sie den GT der DDR gehörte und noch vor der Wende nach Suhl verlegt wurde.
Ein NARVA-Kombinat, ein "Sachsendruck", eine PLAMAG, eine "Plauener Spitze" (alles sogenannte "Devisen-Bringer"), ja sogar ein "Ratskeller" im neuen Rathaus, ein Kaufhaus MIT Fahrstuhl" eine Tram, die sogar noch bis tief in die Nacht fuhr - das war eben einmal.
Wenn ich hier nicht gleich die "Zellwolle" und deren Gestank, sowie die Ruinen zwischen den Häuserzeilen mit erwähne, dann hat es einen Grund:
Vieles hat sich in den letzten Jahren verbessert und vieles wurde neu errichtet, aber Ruinen sind geblieben, wenn sie auch heute woanders zu finden sind und "anrüchig" ist die "Zellwolle" auch nicht mehr, dafür gibt es andere Orte in der Stadt.
Man kann im Leben zwar nicht alles haben, aber man muss verstehen, aus dem Wenigen einfach Mehr zu machen, und damit gebe ich dieser Frau vollkommen Recht.
Schade, wenn weder im Landrat, noch in der Kommune jemand darauf kommt.
Es reicht eben nicht, wenn sich die "Oberen" ihre "Pyramiden" errichten und dabei das Volk vergessen.
Pharaonen waren noch Herrscher - die Herrschaften heute sind wenigstens auf das Votum ihrer Wähler angewiesen.
Wird Zeit, dass Plauen wieder zu einer "Großstadt" wird - Plauen braucht scheinbar die Zuwanderung unvoreingenommener Menschen, die die Sache unabhängig und von Außen betrachten.
Der Entwicklung der Stadt tut dies sicher gut.