Mit diesem Bordstein verschaffte sich der Täter Zugang zum Handygeschäft: Erst schlug er die Scheibe der Eingangstür ein, dann klaute er von innen die Handys, die im Schaufenster lagen. Marco Kus (im Bild mit Hund Klecksi) ist fassungslos. 
Mit diesem Bordstein verschaffte sich der Täter Zugang zum Handygeschäft: Erst schlug er die Scheibe der Eingangstür ein, dann klaute er von innen die Handys, die im Schaufenster lagen. Marco Kus (im Bild mit Hund Klecksi) ist fassungslos.

Foto: Ellen Liebner

Opfer sucht Dieb im Internet

In Plauen ist ein Handyladen leergeräumt worden - Inhaber sucht den Einbrecher über Youtube

Plauen. Es ist 1 Uhr in der Nacht zum Montag: Vor dem Handygeschäft von Marco Kus in der Stresemannstraße läuft ein Mann hin und her. Er ist relativ jung, trägt kurzes Haar, eine Art Bomberjacke, ein weißes Shirt schaut unten heraus. Neugierig blickt er ins Schaufenster, geht, kommt wieder.

Nur zwei Stunden später wird in den Laden eingebrochen. Der Täter klaut weit über 70 Handys, mehrere Tausend Euro Schaden entstehen - was er jedoch nicht ahnt: Er wird bei der Tat gefilmt. Von einer Kamera, die Marco Kus in seinem Geschäft installiert hat. Der Ladenbesitzer glaubt: Der Einbrecher könnte genau jener Mann sein, der Stunden vorher das Schaufenster inspiziert hatte. "Die Kleidung ist die Gleiche, nur dass der Mann bei dem Einbruch ein Basecap trug", berichtet der Bestohlene.

Um den Dieb zu finden, setzt Marco Kus nun auf die Hilfe des Internets. Auf die Internetplattform Youtube hat er ein Video geladen, das den mutmaßlichen Täter zeigt. Jeder kann den 60-Sekunden-Film anschauen - für konkrete Hinweise auf den Unbekannten vor seinem Schaufenster verspricht Marco Kus eine Belohnung. Weit über 160 Klicks gab es gestern Abend schon - ein entscheidender Tipp war jedoch noch nicht dabei.

Schon sieben Mal haben Einbrecher versucht, in das Geschäft von Marco Kus einzusteigen - ein achtes Mal will er verhindern. Der 29-Jährige verbessert nochmals die Sicherheitsmaßnahmen. Auch die Scheibe in der Eingangstür wird er erneuern - durch sie war der Täter in der Geschäft gelangt. Eingeschlagen hatte er sie mit einem schweren Bordstein. Weil er sich dabei verletzte, konnte die Polizei Blutspuren sicherstellen. Ohne Zeugenhinweis nutzt jedoch die beste Blutspur nichts - deshalb der Weg ins Netz.

Nach Angaben von Polizeisprecher Oliver Wurdak ist es das erste Mal, dass ein Vogtländer im Netz per Video auf Verbrecherjagd geht. Ob Marco Kus damit Erfolg hat, wird sich zeigen: Ein positives Beispiel, das bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hat, gibt es immerhin. In Erfurt hatte sich im vergangenen Jahr ein Fahrraddieb der Polizei gestellt, nachdem seine Tat auf Video aufgezeichnet und ins Internet gestellt worden war. Der Druck, gefasst zu werden, war für ihn einfach zu groß.

Das Video auf Youtube:

 
erschienen am 05.08.2011 ( Von Nancy Dietrich )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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