Franziska Rintelmann, Medizinerin im jugendlich-ärztlichen Dienst, hat am Montag im Gesundheitsamt Vorschulkind Josephine untersucht.
Foto: Ellen Liebner
Personalnot im Gesundheitsamt
Eltern müssen weite Wege in Kauf nehmen
Plauen. Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes haben derzeit alle Hände voll zu tun: Bis zum Frühjahr müssen sie im Vogtland etwa 1700 Vorschulkinder untersuchen. Sie prüfen das Sehen, das Hören, das Verhalten, die Sprachentwicklung, mögliche Krankheiten. Am Ende geben die Mediziner eine Empfehlung: Einschulung ja oder nein?
Diese Schuleingangsuntersuchungen sind gesetzlich vorgeschrieben und fanden bislang in den Grundschulen vor Ort statt. In diesem Jahr allerdings ist das anders - und das sorgt für Unmut. Wegen eines "ärztlichen Personalengpasses im Kinder- und Jugendärztlichen Dienst des Gesundheitsamtes des Vogtlandkreises", wie Amtsärztin Kerstin Zenker formuliert, müssen die Eltern mit den Sprösslingen nämlich ins Amt kommen statt wie bislang umgekehrt.
Ins Amt kommen - das heißt nach Plauen, Auerbach oder Reichenbach. Einige Eltern aus entfernteren ländlichen Regionen kritisieren das . "Ich finde es ganz schlimm", sagt beispielsweise eine mehrfache Mutter aus der Nähe von Bad Brambach. Fast eine Stunde ist sie pro Strecke unterwegs, um ihren Sprössling ein paar Minuten in Plauen untersuchen zu lassen. "Verweigern nützt aber nichts, die Untersuchung ist schließlich vorgeschrieben."
Amtsärztin Zenker bestätigt den Fahrtaufwand, bittet aber auch um Verständnis: Die Untersuchungen seien zeitlich und effizienterweise nur zu schaffen, wenn die Schulaufnahmeuntersuchungen zentral in Plauen beziehungsweise in den Außensprechstunden des Gesundheitsamtes in Auerbach und Reichenbach durchgeführt würden.
Eine Besserung der Mediziner-Not im Gesundheitsamt stellt die Amtsärztin nicht in Aussicht - auch im nächsten Jahr werden die Eltern in den sauren Apfel beißen müssen. "Leider ist aus heutiger Sicht keine grundlegende Verbesserung der ärztlichen Personalsituation zu erwarten", so Kerstin Zenker. Bis auf Weiteres hofft die Amtsärztin deshalb "auf das freundliche Entgegenkommen'" der Eltern im Vogtland - im buchstäblichen Sinn des Wortes.


