Generalmanager Manfred Kwade ist gerade aus der Beratung mit Werkleiter Gerhard Liebscher gekommen. Die Belegschaft hat ihn abgefangen, stellt ihn zur Rede.
Foto: Ellen Liebner
Philips-Beschäftigte gehen aufs Ganze
Aufgeheizte Stimmung auf dem Betriebsgelände - Mitarbeiter zwingen Generalmanager zu Stellungnahme - Jobs in Aachen angeboten
Plauen. Plauen. Donnerstagmittag brannte auf dem Betriebsgelände von Philips (ehemals Narva) die Luft. Rund 170 wütende Mitarbeiter des Werkes nahmen einen Vertreter der Konzernleitung in die Mangel, der gerade von einem Gespräch mit der Geschäftsführung des Plauener Werkes kam. Aufgebracht riefen sie ihm zu: "Machen Sie Ihre Entscheidung rückgängig!".
Philips Plauen soll 150 seiner derzeit 450 Beschäftigten verlieren, der Konzern will Teile der Produktion nach Polen auslagern. Seit Wochen kämpfen Betriebsrat und Gewerkschaft gegen diese Entscheidung. Seit Donnerstagmorgen vor Beginn der Frühschicht hängen Bilder von 300 Plauener Beschäftigten am Werkstor, dazu auch Fotos ihrer Kinder. Über ihnen steht: "Jeder Arbeitsplatz hat ein Gesicht!" Darunter eine Kinderzeichnung mit der Unterschrift: "Sichert den Arbeitsplatz meiner Mama."
1500 Jobs in der Industrie sind nach Gewerkschaftsangaben in der Region derzeit akut gefährdet. "Wir sehen nicht zu, wie Arbeitsplätze aus Profitgier verloren gehen", sagte Stefan Kademann (IG Metall). Die Beschäftigten der Frühschicht hatten sich nach ihrer Arbeit auf dem Betriebsgelände versammelt. Sie wussten, dass zur Stunde ein Vertreter der Konzernleitung bei ihrem Werkleiter Gerhard Liebscher im Büro saß, beide vermutlich über die Verlagerung nach Polen berieten. Gewerkschaft und Betriebsrat hatten deshalb dazu aufgerufen, Generalmanager Manfred Kwade kurz vor seiner Abreise im Werk abzufangen und ihn zur Rede zur stellen. Gewerkschafter Kademann vor der gereizten Belegschaft: "In Polen verdient ein gut ausgebildeter Industriearbeiter nur 400 Euro. Der Konzern will sich die Differenz zum Verdienst der Plauener Mitarbeiter einstecken."
Immer noch warteten die Arbeiter hartnäckig auf den Konzern-Vertreter. Die Stimmung wurde immer aggressiver. Ein anderer Gewerkschafter rief laut ins Mikrofon in die Richtung des Büros, in dem die Chefs berieten: "Schauen Sie dieser Belegschaft in die Augen. Sie haben ein Recht darauf." Plötzlich kam der Generalmanager gemeinsam mit dem Werkleiter aus dem Verwaltungsgebäude. Pfiffe ertönten, eine Frau rief ihm lauthals zu: "Haben Sie Kinder?" Es gab für den Manager kein Vorbeikommen an den erhitzten Arbeitern. Er bekam ein Mikro in die Hände gedrückt, sagte dann leicht irritiert: "Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen. Aber es gibt viele Wettbewerber in Asien. Wir werden prüfen, ob es Alternativen für eine Beschäftigung in Aachen gibt." In Aachen befindet sich ein weiteres großes Werk von Philips. Die 170 Arbeiter lachten hämisch. Dann aber wurden sie richtig wütend. "Pfui Teufel!", riefen sie und: "Wir wollen hierbleiben!".
Pikant: Philips Plauen macht Gewinne. Am Nachmittag fand ein Gespräch zwischen dem General Manager, OB Ralf Oberdorfer (FDP) und Landrat Tassilo Lenk (CDU) statt. Sie wollen versuchen, alternative Produkte nach Plauen zu holen.

