Sandra Barth und ihr Hund Ben. Ein junges Mädchen unter Tausenden - mit dem Unterschied, dass es in der Knochenmarkspenderdatei registriert ist. Damit hat Sandra Barth ein Leben gerettet.
Sandra Barth und ihr Hund Ben. Ein junges Mädchen unter Tausenden - mit dem Unterschied, dass es in der Knochenmarkspenderdatei registriert ist. Damit hat Sandra Barth ein Leben gerettet.

Foto: Ellen Liebner

Plauen: Junge Frau rettet im Urlaub ein Leben

Drei der vier Sachsen, die das Blutzentrum Haema als Stammzellenspender vermittelt hat, kommen aus Plauen

Plauen. Da war dieser Mann, erzählt Sandra Barth. Ein Familienvater Mitte 40, der Leukämie hatte. An seinem Bett in dem Münchener Rehazentrum standen die Ehefrau und die 13-jährige Tochter und hatten gerade erfahren, dass der lange gesuchte Knochenmarkspender doch nicht spenden will. "Ich hätte mitheulen können", sagt Sandra Barth. Sie war als Therapeutin in dem Zentrum beschäftigt gewesen.

Die Geschichte hat sie bewegt. Inzwischen spendete sie selbst Stammzellen und rettete damit ein Leben. Bewusst ist ihr das nicht, sagt sie: "Ich kann's mir echt nicht vorstellen, dass wegen mir ein Mensch weiterleben darf."

Zum Tag der Lebensspende am Pfingstmontag werben Spender-Dateien und Blutspendezentren um Neukunden. "Manche Leukämie-Patienten warten jahrelang umsonst darauf, dass ihr genetischer Zwilling gefunden wird", sagt Marion Junghans vom Blutspendedienst Haema in Leipzig. Täglich fallen Spender-Daten aus dem weltweiten Netz, weil Menschen aus Altersgründen nicht mehr infrage kommen.

Sandra Barth lässt sich regelmäßig Plasma im Blutspendezentrum am Klostermarkt abnehmen. Vor zwei Jahren sah sie dort ein Werbeplakat zum Tag der Lebensspende und ließ sich registrieren. Sie musste ein wenig Blut abgeben und eine Einverständniserklärung unterschreiben, das war's. Die Wahrscheinlichkeit, dass das jemandem nützen könnte, war gering. Nach Angaben des Vereins für Knochenmarkspenden Sachsen kommt es binnen zehn Jahren nur bei fünf Prozent tatsächlich zu einer Spende.

Die 23-jährige Plauenerin hatte schon ein Jahr später einen Brief aus Dresden in der Post liegen, sie war gerade von der Frühschicht heimgekommen und seit vier Uhr auf den Beinen: "Ich dachte: Oh mein Gott. Das ist krass." Sandra Barth hätte auch absagen können, aber das kam für sie nicht infrage. Mit dem Brief hatte sich noch nichts entschieden. Sie war eine von zehn, die auf den ersten Blick als Spender für einen Patienten infrage kämen. Erst die nächsten Analysen zeigten, sie ist die Richtige - eine junge Frau, die heute als Feinkostverkäuferin in Plauen arbeitet, nach dem Dienst mit dem Labrador-Mix Ben spielt und sich nach den Wochenenden sehnt, wenn sie ihr Freund aus Chemnitz besucht. Ein junges Mädchen unter Tausenden - mit dem Unterschied, dass es in der Spenderdatei registriert ist.

Als im Winter passende Stammzellen für ein kleines Mädchen gesucht wurden, für Nele aus Reichenbach, überwanden sich Hunderte Vogtländer und ließen sich überprüfen. Nele half dann ein anderer aus der weltweiten Datei, doch einer der neu registrierten Vogtländer spendete kurz danach für ein nächstes Leben. Fast alle Spender, die die Haema aus Sachsen im vergangenen Jahr der globalen Datei zugearbeitet hat, sind aus Plauen. "Drei Plauener, ein Freitaler", sagt Marion Junghans.

Drei Tage Urlaub brauchte Sandra Barth, um ein Leben zu retten. Sie hat erfahren, dass es eine junge Frau mit Blutkrebs war. Die Haema macht keine Angaben dazu und verweist auf die Schweigepflicht. Der Empfänger stamme aber aus dem Ausland, und es gehe ihm den Umständen entsprechend gut. Nach der Stammzellenspende vor einem halben Jahr liege sein Lebensqualitätsindex bei 60 Prozent, das sei nicht schlecht.

Sandra Barth würde den Menschen gern kennenlernen, irgendwann: "Das wünsche ich mir." Es wird beim Wunsch bleiben, weil dessen Heimat das nicht zulässt. Gruppentreffen gibt es dort, organisiert von den Knochenmarkspendervereinigungen: Zehn Spender, zehn Empfänger. Wer wessen genetischer Zwilling ist, bleibt geheim.

 
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Plauen: Junge Frau rettet im Urlaub ein Leben
Stammzellenspende
 
erschienen am 28.05.2012 ( Von Manuela Müller )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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