Immer häufiger bleiben im Unterricht Stühle leer.
Foto: Andreas Seidel/Archiv
Plauen: Schulschwänzer bereiten Sorgen
Eine von der Stadtverwaltung initiierte Umfrage unter Schulleitern bringt große Probleme ans Tageslicht
Plauen. Ein leerer Stuhl im Klassenzimmer, das ist in Plauens Schulen längst Normalität. Immer mehr Schüler bleiben dem Unterricht fern. Sie haben keinen Bock. "Das ist ein Teufelskreis. Zunächst bleiben sie einen Tag fort, dann zwei. Dann merken sie: Es drohen kaum Konsequenzen. Doch sobald sie länger fehlen, werden auch die Noten schlechter. Die Schüler befördern sich immer mehr ins Abseits", schildert Monika Morgner, Chefin der Rückert-Mittelschule.
Doch beim Schulschwänzen allein bleibt es nicht. Mobbing, Beleidigung, Konflikte im Elternhaus: Plauens Pädagogen tragen zunehmend Sorgenfalten im Gesicht. Um all die 'Konflikte aufzulisten, mit denen die Schulen zu kämpfen haben, hat die Stadtverwaltung erstmals eine Umfrage unter den 20 Bildungseinrichtungen in städtischer Trägerschaft initiiert - mit teils erschreckenden Ergebnissen: Drei Viertel aller Plauener Schulen plagen sich mit Schulschwänzern herum. In 14 von 20 Schulen treten regelmäßig Konflikte zwischen Mitschülern auf. In fast der Hälfte der Bildungsstätten sind Internetmobbing und Beleidigung bekannt. Es gibt sogar Schulen in Plauen, die täglich mit dem Jugendamt, Jugendgerichtshilfe oder der Polizei in Kontakt stehen.
Kein Schultyp bleibt von den Problemen verschont. "Auch in Gymnasien gibt es soziale Auffälligkeiten", sagt Schulbürgermeister Uwe Täschner (parteilos). Obwohl er die allgemeine Situation in Plauens Bildungseinrichtung noch als "gut", die Klassengrößen als "entspannt" einstuft, so sagt Täschner zugleich: "Die Anzahl problematischer Schüler nimmt zu."
Gründe dafür gibt es viele: schlechte Noten, ein schwieriges soziales Umfeld, keiner da, der sich kümmert. "Nicht die Kinder sind das Problem, sondern einige Eltern", sagt Carmen Hahnemann, die Rektorin der Astrid-Lindgren-Schule. "Eltern unterstützen ihre Kinder inzwischen häufig darin, unangenehme Situationen zu vermeiden und schreiben ihnen eine Entschuldigung", schildert Simone Heilmann von der Hufelandschule. Es fehle die Erziehung, etwas auszuhalten. Statt sich durchzubeißen, bleiben die Schüler lieber zu Hause. Im schlimmsten Fall - in der Regel nach dem fünften Tag unentschuldigten Fehlens in einem Schulhalbjahr - droht ein Ordnungswidrigkeitsverfahren, verbunden mit Geldstrafen von bis zu 200 Euro.
Vergangenes Jahr wurden vogtlandweit 240 dieser Verfahren eingeleitet. Doch viele Schwänzer juckt das kaum. Selbst die Drohung, von der Schule zu fliegen, ist ihnen egal. "Das ist ein gesellschaftliches Problem", sagt Grundschul-Chefin Hahnemann. Um den Konflikten Herr zu werden, fordern die Direktoren schon seit Längerem den Einsatz von Schulsozialarbeitern. "Schulsozialarbeiter werden die Probleme sicher nicht lösen. Aber sie sind speziell geschult und können Lehrer entlasten", erklärt Petra Engelhardt vom Diesterweg-Gymnasium.
Nach monatelanger Kritik hat der Vogtlandkreis jetzt den Einsatz sechs dieser pädagogischen Fachkräfte in Aussicht gestellt.


13:52 Uhr
dercityhopper: jaja, die gute alte antiautoritäre erziehnung... mein kind muss sich entfalten können... und eines tages gibt es regeln an die sie sich halten müssen... überraschung..
die lehrer mit etwas strengerem regiement werden dann och von den eltern dafür angegriffen... oh ja, wo sind denn die eltern? ah ja, ein gewisses klientel muss ja hartz4 tv schauen und hat da natürlich keine zeit sich um die ganzen malte-jonas und jaqueline-jessicas zu kümmern...
18:17 Uhr
Nebukatnezar: Das ist nun einmal das System unseres Landes, Kinder dürfen nicht erzogen werden, sie dürfen machen was sie wollen und wenn Ältern und Lehrer durchgreifen werden diese angebrangert. Jahrtausende wurden Kinder zu Ehrlichkeit, Anstand, Höflichkeit, Achtung und Respekt vor Erwachsene erzogen und wieso ist das heute schlecht. Das Ergebnis dieser heutigen Erziehung kann man jeden Tag bei Jugendlichen sehen. Jeder Lehrer und Lehrausbilder kann einen nur leid tun.
17:18 Uhr
gelöschter Nutzer: Tja, die Schulen fordern. Genau wie später die Unternehmen, die Vorgesetzten, Chefs. Wer das nicht begreift bleibt auf der Strecke.
Mit Kuschelpädagigik wird man nicht auf die knallharten Bedingungen der Wirtschaft vorbereitet.
Und: Die Schulen werden auch nicht um die lieben Kleinen herumgebaut.
Schon vor 30 Jahren hat sich das gegen den Strom schwimmen NICHT ausgezahlt.
12:44 Uhr
crashy9708: Immer sind die Lehrer schuld?
Typisch für diese Gesellschaft:
Erst einmal die Fehler bei den Lehrern suchen und nicht bei sich selber - die Politiker leben es uns ja noch vor.
In jeder Schule gibt es Elternsprechstunden und wer nicht kommt:
DIE ELTERN!
Dass so mancher Lehrer nur noch gestreßt ist, das kann man bei dem Mangel an Fachkräften und den zahlreichen Ausfällen durch Krankheit und sonstige "Abkommandierungen" durchaus nachvollziehen.
Dass unsere Kinder "nur noch Druck" bekommen, das liegt nicht an den Lehrern, sondern an all jenen, die für dieses Dilemma verantwortlich sind:
Den Schreibtischtätern, die weder von Pädagogik, noch von der Verwaltung überhaupt einen Schimmer von Ahnung haben.
Letztendlich liegt es aber an jedem selber, wie er mit den Lehrern klar kommt.
Wäre es nach den ersten Einschätzungen der Lehrer gegangen, würde meine Tochter nicht einmal den 10-ten-Klasse-Abschluss haben.
Heute hat sie das ABI und, wenn alles gut geht, macht sie im nächsten jahr ihr Staatsexamen.
Der Weg war auch steinig und wir waren auch mit vielen Entscheidungen nicht einverstanden, aber wir haben uns regelmäßig mit den Lehrern unterhalten und haben auch keine schulische Veranstaltung ausgelassen.
Vielleicht lag es auch an unserer Tochter, dass es während der ganzen Zeit kaum Anlaß zur Kritik gab.
Die Probleme, die es gab, die haben wir jedenfalls für alle Seiten akzeptabel beseitigt.
WIE ES IN DEN WALD HINEIN SCHALLT, SO SCHALLT ES AUCH WIEDER HERAUS!
Apropos Sorgen:
Sorgen wurde unser Kind auch los und wenn nicht gleich beim Lehrer, dann eben bei uns und wir haben dann immer eine Möglichkeit gefunden, sachlich mit dem Lehrer zu reden.
Wenn man natürlich gleich auf Kontra geht, dann macht auch ein Lehrer zu - menschlich verständlich!
10:30 Uhr
Lockenlilly: Immer wird es auf die Eltern, Gesellschaft usw. geschoben.
Das viele Probleme durch die Lehrer entstehen mag keiner sehen.
Da geht das Kind zu seiner Lehrerin, weil es seine Sorgen loswerden möchte und bekommt zu hören "Geh stiften".
Da wird Ehrlichkeit mit sinnlosen Starfarbeiten bestraft, anstatt sich Problemen zu stellen und sachlich zu argumentieren.
Die Kinder bekommen nur noch Druck und wehe man schwimmt gegen den Strom.