Lothar Rudeck (links) gehört in Plauen zu den derzeit rund 20 Stadtführern, die Touristen und Einheimische zu den Sehenswürdigkeiten führen und Informationen zur Stadtgeschichte geben. Das Team der Stadtführer wird nun verstärkt. 14 neue haben die Prüfungen bestanden.
Foto: Ellen Liebner
Plauen bekommt Stadtführer-Zuwachs
Immer mehr Reisegruppen buchen Führungen zu den städtischen Sehenswürdigkeiten
Plauen. Die Stadtführer haben alle Hände voll zu tun. "Reisebusse, Vereinsreisende, Wanderer, Schulklassen, Familien, Individualreisende", zählt Stefanie Brückner von der Tourist-Info im Rathaus all jene auf, die Stadtführungen buchen. "Auch wenn Plauener Familien eine Hochzeit oder anderes feiern, laden sie ihre Gäste gerne zu einer Stadtführung ein", berichtet Brückner. Zirka 20 Frauen und Männer erklären den Touristen in Plauen derzeit auf Honorarbasis, was es in der größten Stadt des Vogtlandes zu sehen gibt. 14 weitere kommen nun hinzu. Sie haben in den vergangenen Wochen eine Ausbildung als Stadtführer absolviert und die Prüfungen bestanden. Der Stoff war umfangreich.
Mehrere Stationen absolviert
Von Anfang April bis in die vierte Maiwoche hieß es büffeln: Fakten zur Stadt vermittelte die Tourist-Information. Im Stadtarchiv ist über die geschichtliche Entwicklung, im Museum über die Industrialisierung, den Zweiten Weltkrieg und die Friedliche Revolution 1989, in der Schaustickerei über die Entstehung und Entwicklung der Plauener Spitze berichtet worden. Bernhard Weisbach wusste über das Weisbachsche Haus zu informieren, Christian Pöllmann über das Konventgebäude am Komturhof.
Was viele Besucher aus anderen Regionen Deutschlands interessiert, das seien neben der Plauener Spitze die Bildgeschichten über Vater und Sohn von Erich Ohser. Kunsthistorikerin Elke Schulze von der Stiftung e.o.plauen sprach in einer Ausbildungsstunde vor den neuen Stadtführern über dieses Thema in der Galerie an der Nobelstraße. Nach der Aufforderung, die Touristen während des Rundganges neugierig auf einen Besuch der Schaustätte zu machen, zeigte Elke Schulze den MDR-Streifen "Tragödie eines Humoristen", in dem es um das Leben des Zeichners geht. "Ist Erich Ohser denn wirklich in Plauen begraben?", wollte eine Kursteilnehmerin wissen.
"Die Urne ist zu DDR-Zeiten von Baden-Württemberg über die Mauer nach Plauen versetzt worden", antwortete die Wissenschaftlerin. Plauener Familien, die mit dem Künstler bekannt waren, bemühten sich darum. In Baden-Württemberg lebte die Witwe Erich Ohsers.
Nach dem Besuch des Erich- Ohser-Hauses begaben sich die Teilnehmer des Lehrgangs zur Lutherkirche, die wie der Nonnenturm, die alte Stadtmauer am Malzhaus und natürlich die Nobelstraße zu den Stationen vieler Rundgänge gehört.
Nicht alle bestehen die Prüfung
Die Prüfung zum Stadtführer fand vergangene Woche statt. Neben Mitarbeitern der Tourist-Information fühlte auch Archivleiterin Martina Röber den Prüflingen auf den Zahn. Der Wunsch, Stadtführer zu werden, war sehr groß in Plauen. "Wir hatten ja 40 Bewerber und mussten 23 aussuchen", sagte Brückner. Nicht alle haben die Prüfungen geschafft, oder sie haben schon vorher die Ausbildung abgebrochen. Ausgewählt wurde unter anderem nach dem Alter, der Verfügbarkeit und den Vorkenntnissen. Besuchergruppen mit jungen Leuten bekommen einen möglichst jungen Stadtführer. So sind unter jenen, die am Mittwoch ihre Zertifikate erhalten, sowohl Senioren als auch Jugendliche, Schauspieler, Freiberufler, aber auch Angestellte, die sich damit einen Nebenerwerb schaffen.

