Dürfen hier bald Autos fahren? Die Kreuzung Bahnhofstraße/Stresemannstraße/Gottschaldstraße spielt in den Überlegungen eine zentrale Rolle. Dürfen hier bald Autos fahren? Die Kreuzung Bahnhofstraße/Stresemannstraße/Gottschaldstraße spielt in den Überlegungen eine zentrale Rolle.

Foto: Ellen Liebner

Plauen diskutiert über die Bahnhofstraße

Aufmachen oder aufwerten - Was denken die Politiker, was die Anlieger?

Plauen. Nach der Veröffentlichung neuer Verkehrsvarianten für die Bahnhofstraße durch die Stadtverwaltung (siehe Grafiken) wird in Plauen diskutiert. Zumindest unter den Fraktionen im Stadtrat gibt es dabei in der Grundsatzfrage - öffnen oder nicht - bereits einen eindeutigen Trend, wie eine Umfrage der "Freien Presse" zeigt. Bis auf die Grünen sprechen sich alle dafür aus, die Fußgängerzone oberhalb der Stresemannstraße/Gottschaldstraße aufzugeben. Eine neue Lösung sollte schnell her und ohne große Umbauten auskommen. Das fordern CDU, Linke und FDP. Eine Einbahnstraßen-Regelung hätte dabei viele Fans. Zurückhaltend äußert sich indes die SPD. Dabei hatten die Sozialdemokraten die seit Jahren immer mal wieder geführte Diskussion jetzt angeschoben und das Rathaus zur Variantenuntersuchung beauftragt. Bei deren Vorstellung am Montag im Bauausschuss schimmerte vor allem eines durch: Skepsis.

"Ich kann das nachvollziehen", sagt SPD-Fraktionschef Rainer Maria Kett. "Wenn wir nur Kleinigkeiten verändern, kann das große Auswirkungen haben." Vor allem die Straßenbahn bereitet ihm Bauchschmerzen. "Dass sie wegen Autos pausenlos anhält, geht nicht. Wenn jedoch querende Autos nur vor roten Ampeln stehen, wird's auch zur Unzufriedenheit führen." Kett will keinen Aktionismus, "der sich am Ende als Flop erweist" und sieht keine Entscheidung am Samstag und Sonntag.

Eine Lösung so schnell wie möglich und mit wenig Aufwand will hingegen Hansjoachim Weiß, Vorsitzender der CDU-Fraktion. Weiß tendiert zu Variante 3 - als Einbahnstraße. Mit dieser Lösung können sich auch die Verantwortlichen im Rathaus am ehesten anfreunden. Öffentlich festlegen wollte sich Verkehrsplaner Hagen Brosig zwar nicht. Aber seine Präferenz war in seinem Vortrag durchaus herauszuhören. Variante 3 schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: Durchgangsverkehr wird vermieden, die Erreichbarkeit trotzdem verbessert.

Dass die besser werden muss, haben die Linken erfahren. Petra Rank und Klaus Jäger klapperten für ein Meinungsbild die Geschäfte der Straße ab. "Die Stimmung war eindeutig", sagt Fraktionschefin Claudia Hänsel. Vor einer Debatte sollten sich aber alle Beteiligten klar werden, was deren Ziel sei, so die Linken: Bessere Verkehrsverbindungen, bessere Wohnqualität oder bessere Verkaufsmöglichkeiten? Die FDP drängt indes schon darauf, diese Debatte nicht auf die lange Bank zu schieben. "Im Frühherbst sollte ein Fahrplan für die Straße her", fordert Fraktionschef Sven Gerbeth.

Autos rein - für diesen Fall schüttelt Dieter Rappenhöner (Grüne) wie die meisten Anwohner nur den Kopf. "Das ist ein Rückfall in die 1960er Jahre, als man im Westen die Städte dem Auto geopfert hat", sagt er. "Der umgekehrte Weg ist richtig: Städte sollten ihren Bewohnern zurückgegeben werden. Ich bin nicht bereit, Belastungen für die Anwohner mitzutragen."

Ihre Meinung: Wie weiter mit der Bahnhofstraße? Schreiben Sie uns ihre Meinung: per Post oder red.plauen@freiepresse.de

 
erschienen am 29.06.2012 ( Von Tino Beyer )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
4
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  • 15.08.2012
    13:47 Uhr

    dercityhopper: leider ist es so schade und vermeidbar gewesen. aber die stadtgalerie hat die bahnhofstrasse auf dem gewissen. dies war natürlich nicht absehbar...
    aber natürlich musste plauen bei der arcadenwelle mitmachen...erst die architektonisch gelungenen kolonaden... dann den schönen freien platz am tummel zubetonieren um dann mit hängen und würgen eine neue bestimmung für das kaufhaus zu finden... und sich dann wunder, das die bahnhofstad´rasse ausstirbt... ganz grosses kino! leider!

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  • 03.07.2012
    15:38 Uhr

    Alexa33: Ich schlage vor, dass in Plauen erst einmal die Ampeln vernüftig eingestellt werden, bevor man überhaupt nur daran denkt, die Bahnhofstrasse für den Verkehr zu öffnen.
    Dass der Handel sich mehr erhofft ist klar - allerdings lassen sich Fehler, die vor 20 Jahren gemacht wurden, nicht so leicht beheben.
    Unzählige Einkaufszentren im Randgebiet von Plauen treiben den Bürger aus der Stadt.
    Und wenn am Ende Tausende Autos mehr durch die Innenstadt rollen - man kann sein Geld nur einmal ausgeben!
    Ich möchte dringend darauf hinweisen, dass sich im besagten Gebiet Schule, Kindergarten sowie Pflegedienste/Pflegeeinrichtungen befinden.
    Im Kreuzungsbereich Kaiserstrasse - Jößnitzer Strasse ist während der Hauptverkehrszeiten jetzt schon die Hölle los.
    Sollen unsere Kinder die Abgase fressen?
    Hier sollten mal die Emissionswerte bestimmt und die Frage gestellt werden, ob das den Anwohnern gesundheitlich zugemutet werden kann.
    Es darf nicht immer nur um Profit gehen - der Mensch, der in der Stadt wohnt und seine Gesundheit, müssen im Mittelpunkt des Denkens und Handelns stehen.
    Und dass ein Herr Klotz durch Plauen spaziert und sagt wo's lang geht, beunruhigt mich sehr.
    Kam der Mann uneingeladen oder haben wir für sein Urteil auch noch bezahlt?

    0 1
     
  • 03.07.2012
    09:36 Uhr

    gsx600: Bahnhofstraße?? Seit Eröffnung der Stadtgalerie ist die doch fast tot und zwischen Albertplatz und Bahnhof nicht mehr existent dank sozialistischer architektonischer Entgleisung. Welche Geschäfte sollten Käufer denn in die Bahnhofstraße und die abzweigenden Straßen locken? Und zwischen Bebelstraße und der oberen Bahn gibt es überhaupt keine Geschäfte mehr dank englischer Bomben. Da sind Autos wenigstens Farbtupfen am Straßenrand.

    1 0
     
  • 30.06.2012
    10:30 Uhr

    crashy9708: Was soll denn das schon wieder???

    Einerseits regt sich die Volksmasse auf, wenn der Individual- und Schwerverkehr durch Städte und Gemeinden donnert und auf der anderen Seite sollen Fußgängerzonen wieder fallen?

    Die Bahnhofstraße kenne ich offen und geschlossen für den Verkehr und ich muss sagen, dass sie mir persönlich als Fußgängerzone mehr gefallen hat.

    Für mich waren die Geschäfte bisher immer gut zu Fuß erreichbar und früher kam man auch schnell zum Busbahnhof, auch vor dessen Neubau am oberen Bahnhof.

    Heute ist der Busbahnhof Geschichte, denn was man jetzt am oberen Bahnhof vorfindet, das hat mit einem Drehkreuz für den ÖPNV ja wohl nix mehr zu tun.

    ... und wenn man das Straßenbahnnetz auch noch weiter zu verkehrsschwächeren Zeiten ausdünnt, dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn die Kunden ganz wegbleiben.

    Apropos wegbleiben:

    Vergleiche ich die Preise des Einzelhandels in Plauen mit denen der Bundeshauptstadt, dann gehe ich zwar in Plauen zum Einkaufsbummel, aber der Warenkorb bleibt (fast) leer.

    Im EH West-Preise verlangen, aber im Osten Ost-Löhne und -Renten zahlen, das fördert bei Weitem nicht die Kaufkraft.
    Die Bahnhofstraße ist in ihrer Ausdehnung ja auch nicht so lang, dass man als Bürger über Stunden hinweg unterwegs ist.

    Plauen hat die gleichen Fehler gemacht wie andere Städte:

    Zu viele Einkaufsmärktegleich wurden nach der Wende auf der grünen Wiese errichtet ohne die, auch zu DDR-Zeiten durchaus vorhandene, Händlerstruktur zu berücksichtigen.

    In den beiden innerstädtischen "Einkaufs-Tempeln" findet man auch vorwiegend nur solche Ladenketten, die sich auch auf der grünen Wiese schon breit gemacht haben - mit wenigen Ausnahmen.

    Schaue ich mir hingegen Potsdam an, wo die Kunden auch nicht überall mit dem Auto hinkommen, da gibt es genug Geschäfte, die auch Nischenprodukte anbieten.

    Für Plauen wäre ein Rückfall in die 60-er nicht nur ein Kollaps, sondern dieser führt über Kurz oder Lang zum innerstädtischen Verkehrsinfarkt.

    Sollen sich doch die Plauener mal die Potsdamer Straße in Berlin ansehen, wo kaum noch der ÖPNV durchkommt - trotz Busspuren; nur dass diese Straße wesentlich länger ist.

    Die Bahnhofstraße als Einbahnstraße - in welche Richtung denn?

    Bergauf oder bergab?

    Egal wie, die Straba ist immer im Gegenverkehr.
    Wenn dann noch der "Durchgangsverkehr mit dieser Lösung vermieden werden soll, dann kann ich aus meinen Erfahrungen aus über 30 Jahren Straßenverkehr nur darüber lachen, denn Autofahrer sind wie Wasser:

    Beide suchen sich ihre Wege auch ohne andere danach zu fragen!

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