Zum ersten Mal in diesem Winter konnte Marcel Angermann mit seiner Tochter Sarah rodeln in Plauen -allerdings auf einer Gummi-Rutschbahn.
Foto: Ellen Liebner
Plauen macht Winterspiele ohne Winter
Wer nach Weihnachten noch Geld übrig hatte, konnte es am Sonntag ausgeben
Plauen. Für die Plauener Händler war es am Sonntag ein Experiment: Sie wollten sehen, wie ein verkaufsoffener Sonntag zum Jahresbeginn funktioniert. Nach Einschätzung des neuen Stadt-Galerie-Managers Waldemar Michel ist der Versuch geglückt. "Wir liegen, an den Besucherzahlen gemessen, 30 Prozent unter den Sonntagen in der Weihnachtszeit. Das kann sich im Januar sehen lassen", sagt Michel.
Um öffnen zu dürfen, brauchte es einen Anlass. Deshalb organisierte der Dachverband Stadtmarketing, unterstützt von der Initiative Plauen, erstmals Winterspiele auf dem Altmarkt. Während viele Händler mit ihrer Bilanz zufrieden sein dürften, hatten es die Gaudi-Macher schwer. Zuerst fehlte der Schnee und sie mussten ihr Programm umstellen, dann regnete es in Strömen. Der Trubel auf dem Marktplatz hielt sich auch in Grenzen, als der Regen aufhörte.
Bei den Besuchern kam die Idee dennoch an. "Prinzipiell finde ich es gut, dass die Innenstadt mit solchen Aktionen belebt wird", sagt zum Beispiel Silke Dreise-Nicklaus. Die Plauenerin kam mit ihren beiden Kindern. Vor allem Familien ließen sich vom Wetter nicht abschrecken und kamen zu den Winterspielen. Dort gab's Bogenschießen, Geschenkepaket-Weitwurf und Rodeln auf einer aufblasbaren Gummi-Rutschbahn. Die Handballer des SV 04 Oberlosa, die eine Kunstschneeball-Schlacht aufs Handballtor veranstalten wollten, hatten abgesagt.
Organisator Sascha Brand vom Dachverband Stadtmarketing betrachtete den Ablauf mit gemischten Gefühlen: "Wir haben die Philosophie, dass wir jemanden unterstützen, der Initiative ergreift." Bei den Gaudi-Spielen hätte er sich mehr Unterstützung gewünscht. Stattdessen blieben viele Läden am Altmarkt geschlossen. Wohl auch, weil sie sich vom Einkaufssonntag kein Geschäft versprochen haben.
Von der Resonanz trotz des Wetters war Sascha Brand überrascht. "Wir sind erstmal zufrieden", sagt er. Ob es die Winterspiele auch nächstes Jahr geben wird, ist offen. Ideen, sie auszubauen, gebe es. Eine davon wäre ein Weihnachtsbaum-Weitwurf, wie ihn einige Dörfer bereits praktizieren.
Kletterwald-Chef Jörg Böhm sprang kurzfristig ein und bot Bogenschießen an. Er äußerte eine Idee, die gut ankam, aber als "nicht umsetzbar" abgetan wurde: "Die großen Geschäfte und Einkaufszentren profitieren von dem verkaufsoffenen Sonntag. Viele machen selbst kleine Aktionen im Rahmen der Winterspiele. Sinnvoll wäre es doch, wenn sie diese auf den Altmarkt verlagern." Das könne man von den Händlern nicht erwarten, da sie ebenfalls Attraktionen bieten wollen, so Sascha Brand. "Für uns ist das schwer umsetzbar", sagt Stadt-Galerie-Manager Waldemar Michel. Im seinem Einkaufscenter waren zwei Vierschanzentournee-Sieger Zugpferde: Jens Weißflog und Manfred Deckert schrieben Autogramme und plauderten. Beide kamen mit einem Geständnis. Zuerst Deckert, der im Oktober für einen PR-Gag von einer Schanze gesprungen war: "Es hat wieder Spaß gemacht. Aber meine Mutti hat mir das Springen verboten." Danach Weißflog: "Mein letzter Sprung war am 15. Juli 1996. Ich habe seitdem ein Verbot von meiner Mutti."


