Die Straßenbahn "auf der Spur der Vernunft"? Viele Mitarbeiter dürften das anders sehen.
Foto: Ellen Liebner
Plauener Straßenbahn GmbH bezahlt Mitarbeiter künftig nicht mehr nach Tarif
Weniger Passagiere, gestiegene Kosten: der Verkehrsbetrieb muss sparen
Plauen. Die Plauener Straßenbahn GmbH tritt aus dem kommunalen Arbeitgeberverband aus. Damit löst der Verkehrsbetrieb seine Tarifbindung. Die Kündigung erfolgte zum 30. Juni und wird Ende des Jahres wirksam. Das bestätigte Aufsichtsratsvorsitzender Hansjoachim Weiß auf Anfrage von "Freie Presse". Geschäftsführerin Barbara Zeuner ist derzeit im Urlaub. Laut Weiß wurden die Mitarbeiter kürzlich auf einer Betriebsversammlung über den bevorstehenden Schritt des Unternehmens informiert.
Auslöser dafür sei der Tarifabschluss für den öffentlichen Dienst gewesen. Laut dem Aufsichtsratsvorsitzenden hätten zusätzliche Personalkosten in Höhe von "mehreren hunderttausend Euro" das Unternehmen überfordert. "Eine Steigerung der Fahrgastzahlen ist nicht zu erwarten, die Kosten werden aber nicht weniger. Wir wissen nicht, wo wir das Geld herbekommen sollen", sagte Weiß.
Bahnen noch alle zwölf Minuten?
Die Kostenbremse bei den Löhnen ist dabei nur eine Maßnahme, um die Straßenbahn in der Spur zu halten. Im Dezember würden die Fahrpreise leicht angehoben. Darüber hinaus steht möglicherweise auch noch eine Fahrplandebatte ins Haus. Überlegt werde, so Weiß, die Taktung der Bahnen zu verändern. Derzeit fährt in der Regel alle zehn Minuten eine Straßenbahn ab. Denkbar wäre, den Zeitraum auf zwölf Minuten zu erhöhen.
Hintergrund dieser Maßnahmen ist offenbar auch, dass im Herbst die Finanzierung der Straßenbahn erneut Thema im Kreistag wird. Der Landkreis ist für den Nahverkehr - und damit für die Straßenbahn zuständig. Zwar ist die Finanzierung der Tram bis Ende 2013 gesichert. Der Landkreis, der mit 1,1 Millionen Euro am Ausgleich des jährlichen Defizits von 3,5 Millionen Euro beteiligt ist, stellt jedoch heuer bereits seinen Haushalt für die nächsten beiden Jahre auf. "Ich erwarte harte Verhandlungen", sagt Weiß, gleichzeitig Stadt- und Kreisrat für die CDU.
OB: Was ist öffentlicher Dienst?
Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP) sieht das gelassen. "Ich gehe davon aus, dass der Landkreis seiner Verantwortung gerecht wird und die Straßenbahn auch in den Folgejahren mitfinanziert." Weil der Straßenbahn-Betrieb teuerer als der Einsatz von Bussen ist, lege sich Plauen schließlich selbst mächtig ins Zeug und schießt 1,7 Millionen aus städtischen Einnahmen zu. 700.000 Euro kommen überdies vom Verband Öffentlicher Personennahverkehr Vogtland (ÖPNV).
Oberdorfer ist auch vom Tarifausstieg des Unternehmens im Bilde. Obwohl er für die öffentliche Verwaltung ein Verfechter der Tarifbindung ist, sieht er den Austritt als begründet an. "Man steht im Vergleich mit Busunternehmen, für die andere Bedingungen gelten", sagt er. Man müsse daher die Frage diskutieren, was öffentlicher Dienst sei. Die Wohnungsbaugesellschaft sei auch nicht tarifgebunden, merkt er an.
Der Betriebsrat der Straßenbahn will derzeit keine Stellungnahme abgeben. "Wir müssen uns erst intern eine Meinung bilden", so Straßenbahn-Betriebsratschef Ralf Grimm. Die Gewerkschaft Verdi kündigte für nächste Woche eine Erklärung an.

