In Plattenbauten am Chrieschwitzer Hang verschwinden immer mehr Glühlampen aus Kellergängen. Besonders gefragt sind die 60-Watt-Lampen. Die Diebe tauschen sie gegen kaputte Birnen aus.Foto: dapd
Plauener Vermieter jagt Glühlampen-Diebe
Im Chrieschwitzer Hang werden die aussterbenden 60-Watt-Birnen aus den Plattenbauten geklaut
Plauen. Es gibt Einwohner im Chrieschwitzer Hang, die ein dunkles Geheimnis haben. Und das sieht so aus: Wenn in ihrer Wohnung eine Glühbirne kaputt geht, steigen sie in den Keller. Und das nicht, weil dort ihre Ersatzbirnen liegen. Sie tauschen die kaputte Privat-Lampe aus gegen eine der vielen funktionstüchtigen, die Kellergänge und Treppenhäuser ausleuchten. Betroffen sind vor allem die Elfgeschosser im Plattenbau-Gebiet. Den Schaden trägt die Wohnungsbaugesellschaft (WBG).
Mieter zeigen sich verärgert
"Wieder einmal sämtliche Glühbirnen geklaut. Ich frage mich, warum die Diebe sich nicht mal eine gesunde Birne aus meinem Garten angeln, statt ihren Mitbewohnern das Licht zu stibitzen", schreibt zum Beispiel der fiktive Hausmeister Bodo Krause in einer Ausgabe der WBG-Mieterzeitung. Ein Satz, der humorvoll klingt. Doch für die WBG ist beim Glühbirnen-Diebstahl Schluss mit lustig. "Mit Spaß hat das nichts zu tun", sagt die kaufmännische Prokuristin, Rositha Künzel.
Eine Statistik, wie viele Birnen pro Monat verschwinden, liegt nicht vor. Dennoch sind die Lampen ein Kostenfaktor für den Großvermieter, der schnell unterschätzt wird. Allein in den großen Blöcken im Chieschwitzer Hang befinden sich laut WBG rund 5000 Stück in Treppenhäusern und Kellern.
Kriminelle Energie
Aufgrund der Art, wie sie vorgehen, kann man den Birnen-Dieben eine gewisse kriminelle Energie zusprechen. Sie schrauben ihre defekte Privat-Lampe in die Hauslicht-Fassung hinein - im Glauben, dass die Hausmeister nichts mitbekommen. Sie sollen denken, ihre eigenen Birnen haben den Geist aufgegeben. Doch die Hausmeister kennen ihre Ware, und dazu muss man keine Leuchte sein: Die WBG bezieht Lampen bestimmter Hersteller, die sich von der Konkurrenz unterscheiden.
Der Diebstahl-Schaden hält sich in Grenzen, die betroffenen 60-Watt-Birnen gibt's schon für weniger als 50 Cent. Doch die Billig-Lampen sterben aus. Nachdem die 100-Watt- und 75-Watt-Exemplare nicht mehr produziert werden dürfen, stehen seit September auch die Bänder für die 60-Watt-Stromfresser still. Zahlreiche Händler haben Vorräte geordert, um den Bedarf lange decken zu können. Die diebischen Mietern machen es der Wohnungsbaugesellschaft schwer, auf die teureren Energiespar-Lampen umzusteigen. "Dann könnte das Problem zunehmen", sagt Rositha Künzel.
Versteckte Kameras
Schweigend hinnehmen will sie den Birnen-Klau nicht: "Wer erwischt wird, wird zur Kasse gebeten." Die Hausmeister seien wachsam. In manchen Häusern gibt es inzwischen versteckte Kameras, die die Diebe überführen sollen. Alles eine Frage der Zeit und des Lichts.



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