Mit einer Wohnzimmergarnitur auf dem Altmarkt haben junge Plauener auf ihr Projekt Kunstruine aufmerksam gemacht. Mit einer Wohnzimmergarnitur auf dem Altmarkt haben junge Plauener auf ihr Projekt Kunstruine aufmerksam gemacht.

Foto: Ellen Liebner

Plauener wollen leere Häuser aufmöbeln

Musik, Theater, Handwerk: Junge Spitzenstädter wollen verfallene Gebäude in Kunstruinen verwandeln

Plauen. Ein Wohnzimmergarnitur auf dem Altmarkt sorgt für Aufsehen. Zwei Sofas, ein Sessel, Teppich, Tisch und Radio stehen dort. Junge Leute lümmeln auf den Möbeln herum, schwatzen, plaudern, diskutieren. Und zu diskutieren gibt es viel, denn diese jungen Leute haben Spannendes vor: Sie wollen leer stehenden Häusern in Plauen neues Leben einhauchen - mit Kunst und Kultur. Ihrer Vision haben sie einen Namen gegeben: Kunstruine.

Eine Kunstruine soll ein Ort werden, an dem sich Menschen treffen können, an dem Ideen- und Erfahrungsaustausch stattfindet und Ideen umgesetzt werden, ganz gleich in welchem künstlerischen Bereich. Grafik, Malerei, Musik, Theater, Streetart - alle sind willkommen. "Viele schimpfen auf Plauen, dass hier nichts passiert. Das Projekt Kunstruine ist mein Beitrag, damit endlich etwas passiert. Spaß macht's obendrein", sagt Stefanie Stößel, eine der Mitstreiterinnen. "Und leere Häuser gibt es ja genug."

Die Idee der Kunstruinen schwebt bereits seit zwei Jahren im Raum, inzwischen gibt's erste Erfolge zu vermelden. Zum einen hat sich die einst lose Truppe dem Plauener Verein Kultur-Musik-Kunstszene Plauen angeschlossen. Zum anderen ist die Idee im Rathaus auf reges Interesse gestoßen - so rege, dass Baubürgermeister Manfred Eberwein die Truppe bereits zu einer ersten Gesprächsrunde eingeladen hat.

600 Häuser stehen in Plauen leer. Nur die wenigsten müssen abgerissen werden. Der Großteil hingegen wartet darauf, aus dem Dornröschenschlaf wachgeküsst zu werden. Genau das wollen die Kunstruinen-Macher übernehmen. Knapp ein Dutzend Häuser haben sie im Visier, bei denen jetzt gemeinsam mit der Stadt Zustand und Eigentumsverhältnisse unter die Lupe genommen werden. Ist ein Objekt gefunden, wollen die Kreativen es mit kulturellem Leben füllen. Der Part der Stadt: "Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, die Gebäude nutzbar zu machen und den jungen Leuten auch helfen, an Fördermittel zu gelangen", so Bürgermeister Eberwein, der noch eine weitere Idee in den Raum stellt: Das Kunstruinen-Team könnte die leer stehenden Häuser nicht nur inhaltlich füllen, sondern auch von außen interessant gestalten. Aus Schandflecken sollen Hingucker werden. "Ich begrüße die Initiative der jungen Bürger sehr und wir werden sie bei ihrem Vorhaben unterstützen", sagt Eberwein. "Diesen jungen Leuten gehört morgen unsere Stadt."

 
erschienen am 22.06.2012 ( Von Nancy Dietrich )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
7
(Anmeldung erforderlich)
  • 26.06.2012
    17:10 Uhr

    crashy9708: @Nixe

    Gesellschaftliches Engagement ist gut und richtig.

    Während meiner Schulzeit habe ich das auch getan und auch danach und auch nach der Wende.

    Einen Dank, wie er sich gebührt, den erhielt ich stets - leider haben dann andere die Lorbeeren eingefahren und, gerade nach der Wende, hat man für sein Engagement noch den berühmten Tritt in den Hintern bekommen, indes die Anderen ihre heuchlerische Karriere fortsetzen konnten.

    Nun ja, trotzdem habe ich mich auch wieder engagiert - für eine bessere Zukunft meiner Kinder, wobei die Priorität nun nicht mehr auf der Allgemeinheit, sondern mehr im privaten Bereich gelegen hatte.

    Die Kunst heute besteht darin, so zu überleben, dass auch der eigene Nachwuchs eine echte Chance und Perspektive haben wird.

    Engagement in dieser Gesellschaft ist eine Gratwanderung zwischen Aufwand und Nutzen, weil man nach jeder Legislaturperiode nicht mehr weiß, ob es einem gleich wieder so ergeht wie vor 20 Jahren.

    Was heute gesellschaftlich nützlich, dass kann schon morgen wieder ad absurdum geführt werden.
    Wer die Kunst des Wendens für sich entdeckt hat, der bringt es auch zu etwas.

    Na, wenigstens das Heucheln hatten wir ja schon im Kindesalter anerzogen bekommen.

    In der Kunst ist es nicht anders. Das beste Beispiel dafür sind doch all jene Künstler, die erst straff zum System und später straff zur Bundes-Fahne standen und stehen.

    Aber trotzdem finde ich es gut, wenn man versucht, das zu übertünchen, was auch in den letzten Jahren dem Verfall Preis gegeben wurde.

    Erinnert mich irgendwie auch an die Berliner Allee in Weißensee und an die Grenzbebauung Ost und West im geteilten Berlin.

    Was nutzt uns aber eine schöne Fassade, wenn das Gemäuer dahinter zusammenfällt?

    Sind Dach und Fundament marode, dann hilft auch keine Farbe!



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  • 26.06.2012
    15:06 Uhr

    Nixe: Jeder hat eine Berechtigung in der Gesellschaft, der Handwerker ebenso wie der Künstler, der Dichter und Denker ebenso wie der Bäcker und der Fuhrmann, sie alle wollen der Gesellschaft etwas gutes, unter Umständen auch der Wissenschaftler. Weniger wohl der Wirtschaftler, er denkt zumeist an seinen eigenen Gewinn, an stetige Kostenreduzierung und Gewinnoptimierung, Geld ist eigentlich alles was ihn interessiert. Er arbeitet auf Kosten der anderen, er botet sie aus. Er ist so erfolgreich und reich, weil andere dadurch arm werden. Sozial und nachhaltig interessiert ihn nicht. Aber er ist finanziell unabhängig erwirtschaftet seinen Lebensunterhalt und darüber weit hinaus selbst - und ist deshalb höher angesehen?!
    Die ganze Gesellschaft ist danach aufgebaut (Wirtschaftswachstum, Rentensystem basierend auf die Bevölkerungspyramide - eigentlich alles längst überholt, gar nicht machbar, nicht nachhaltig und nicht langfristig durchdacht diese Idee! neue Konzepte sind an der Zeit!)
    Ich meine, diese Einstellung, dass nur der etwas sinnvolles macht, wo am Ende das Geld klingelt in der Kasse, ist bestimmt nicht ganz richtig, denn sehr viele tun auch etwas für die Gesellschaft und bekommen leider keinen Dank bzw. keinen finanziellen, leider.
    Ich weiß nicht um welche Häuser es sich handelt, aber bei manchen ist es bestimmt gut, dass sie erhalten werden von den Händen der Künstlergruppe, sicherlich schließt das auch die Restaurierung/Sanierung mit ein. Es werden sicherlich nicht nur Wände besprüht und behängt? Plauen ist ja auch für seine Kulturszene bekannt, und da passt es schon ganz gut hin, eine lockere kreative Atmosphäre.

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  • 26.06.2012
    13:17 Uhr

    crashy9708: @eMeM:

    Wie gut, dass es noch Menschen gibt, die nach der Arbeit noch Zeit haben, sich künstlerisch zu betätigen.

    Wenn ich so meine Mitschüler höre, dann müssen die kilometerweit zur Arbeit fahren, haben kaum Zeit für ihre Kinder und sie sind froh, wenn sie am Wocheende das erledigen können, was in der Woche nicht möglich ist.

    Ich kann aus eigener Erfahrung sagen:

    Meine Freizeit bestand darin, mich um Kind und Familie zu kümmern, nebenbei noch den Vorsitz eines Fördeervereins zu leiten (in den Zeiten der Arbeitssuche), denn ansonsten war es nicht möglich, sich den schönen Künsten zu widmen.

    Wer, wenn er endlich wieder einen Job hat, täglich mehr als 12 Stunden unterwegs ist, der ist nun einmal fix und fertig - es sei denn man arbeitet in gewissen Positionen im ÖD oder ist Beamter.

    Eines habe ich nach meinem "Burn Out" lernen müssen:

    Man kann nicht auf mehreren Hochzeiten "tanzen", sondern ich muss in meinem Leben Prioritäten setzen.

    Erste Priorität hat für mich mein Kind und das war gut so, denn ohne Engagement in der Schule und im Lernprozess wäre sie heute nicht so weit gekommen und würde vielleicht in Hartz IV aufgehen.
    So hat sie ihr ABI) und macht ihr Staatsexamen.

    Was ist wohl wichtiger:

    Eine Ruine oder die Zukunft der eigenen Kinder?

    Wenn in Plauen 600 Häuser leer stehen, dann ist das eine Schande, auch für die Kommunalpolitik - bei uns herrscht schon wieder "Mangelwirtschaft", wenn es um Wohnraum geht, auch um "unbezahlbaren".

    Wenn Wohnungen leer stehen, dann fragt man sich nartürlich nach den Ursachen für den Leerstand.

    Die sind oft sehr mannigfaltig, aber es läuft immer auf das Gleiche hinaus: GELD!

    Apropos Stolz:

    Ich bin selber auch zu stolz, H-IV zu beantragen und musste es trotzdem tun, aber ich brauche keine "Kunstobjekte", weil ich die Kunst des erfolgreichen Bewerbens beherrsche und jede Arbeit mache, die mich wieder frei von "Stütze" macht - einer Freiheit, die ich vor über 30 Jahren hatte und das trotz Mauer und Stacheldraht!

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  • 25.06.2012
    20:59 Uhr

    eMeM: @crashy9708
    Es ist mir noch nicht ganz klar, was Sie hier eigentlich bezwecken. Dennoch werde ich nochmals auf ein paar Punkte eingehen. Einiges in Ihren Ausführungen gehört allerdings nicht hierher, weshalb ich dazu auch nichts weiter sagen werde. Zu den Themen Arbeitsmarkt, 50+, usw. gibt es genug andere politische und soziale Plattformen.

    Noch gibt es unzählige alte, unbewohnte und teils sogar herrenlose Gebäude in Plauen, die man beleben und ansprechend gestalten könnte. Eine Initiative, wie sie vom ?Kunstruine?-Team ausgeht, kann da nur herzlich willkommen sein. Oder soll etwa sowas von vorneherein unverwirklicht bleiben, weil nicht sofort neue Arbeitsplätze entstehen?
    Die kommen schon, wenn die Stadt an Attraktivität gewinnt. Der Weg dorthin ist allerdings ein langer und beschwerlicher. Da ist jede hilfreiche Hand nützlich.
    Bemerkenswert ist nämlich, dass solche Initiativen in der Regel von Menschen ?nebenberuflich? gestartet und gepflegt werden, also in der Freizeit, ehrenamtlich. Oder eben von Künstlern, die mit Leib und Seele für die Kunst leben ? und vielfach weder einen 8-Stunden-Tag noch Hartz IV kennen. Letzteres nicht selten, weil sie zu stolz sind, um Unterstützung zu beantragen.
    Und die vielen anderen? Vielleicht trauen sie sich einfach nicht? Oder es fehlt einfach der richtige Kontakt oder Gemeinschaftssinn, das ?Wir?-Gefühl, Anerkennung? Meist ist es nur eine kleine Hemmschwelle, die überwunden werden muss.

    Eine Schnittstelle zu schaffen, um möglichst viele Leute für die Initiative ?Kunstruine? zu erreichen, das war auch das Ansinnen der jungen Leute, als sie sich mit ihrer Idee und ihrem Anliegen jüngst auf dem Altmarkt präsentierten. Vielleicht gibt es ja demnächst noch weitere Aktionen um mehr Leute mit ins Boot zu holen. Es ist ja jeder willkommen, der mitmachen will.
    Ich glaube nicht, dass es der Allgemeinheit am sogenannten Kunstverständnis fehlt. Ich denke viel mehr, dass es vielen Menschen einfach schwer fällt, sich auf etwas Neues, Ungewohntes und Fremdes einzulassen. Wie ist denn das bei Ihnen? Horchen Sie doch einmal in sich hinein?
    Das Zitat ?Kunst kommt von können? (?und kennen) stammt im Übrigen von Herder aus dem Jahr 1800 und wird in dieser Abkürzung seit der Zeit des Nationalsozialismus hauptsächlich von Menschen, die sich mit neuen Kunstrichtungen schwer tun, immer noch gerne zur Diffamierung von Kunst verwendet.
    Herder dagegen schrieb damals weiter (sinngemäß), dass Kunst sowohl Können als auch Kennen in einem großen Maß vereinigen müsse. Stärke im Können zeichne eher den Praktiker bzw. Handwerker aus, die Stärke im Kennen eher den Theoretiker.
    Wer Kunst, Können und Kennen schon von Kindesbeinen an einigermaßen verständlich vermittelt bekommen hat und sich somit eine fundierte eigene Meinung dazu bilden kann, kann sich glücklich schätzen. Wer sein Wissen und/oder Kennen und/oder Können dann auch noch mit anderen teilen mag, in dem er (oder sie) sich engagiert, wird auch selbst davon profitieren.

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  • 25.06.2012
    13:36 Uhr

    crashy9708: @ eMeM.

    Auf was soll ich hier mit einem gewissen "Neid" blicken?

    Fakt ist doch:

    Über Jahre hinweg wurden 1-EUR-Jobber dafür benutzt, Bauruinen entweder abzureissen oder aufzumöbeln.

    Gott sei Dank, dass ich dazu nie die Gelegenheit hatte, weil ich trotz mehrfachen H-IV-Bezuges immer wieder einen Job gefunden habe.

    Derzeit habe ich auch einen, der knapp über dem H-IV-Satz eines ledigen Arbeitslosen liegt, nur dass ich um vier Uhr in der Früh aufstehe und um fünf Uhr Nachmittags vom Hof gehe.
    Ein H-IV-Empfänger - sogar ein "Künstler" würde für diese Arbeit nicht einmal seinen großen Zeh aus dem Bett bewegen!

    Anpacken ist ja richtig, aber warum packen so wenige mit an und warum "nur" die Künstler?

    Kunst kommt von Können und Könner gibt es unter den Arbeitslosen ja wohl genügend - nur dass diese bei solchen Projekten wieder außen vor bleiben, denn Könner kosten Geld und Kunst ist manchmal doch recht brotlos, oder?

    Die Idee an sich ist ja gut, wenn sie zusätzliche Arbeitsplätze schaffen würde.

    "Kunstobjekte" gibt es auch in der Hauptstadt - nur es fehlt der Allgemeinheit dann halt am "Kunstverständnis".

    Das "Tacheles" ist so ein "Kunstobjekt" - leider sieht das Haus noch immer so aus, wie es 1945 von den anglo-amerikanischen Bombern zerstört wurde. Solange aber die Statik noch i.O. ist, solange geht ja alles gut.

    Apropos Fördermittel:

    Irgendwie klingt das auch danach, dass junge "Künstler" aus H-IV raus wollen und das ist gut so, denn die Statistik muss ja endlich mal wieder "Erfolge" verzeichnen.

    Aber was wird mit den Menschen, die gerade in den letzten Monaten auf die Straße geflogen sind?

    Damit meine ich die Generation 50+, die kaum noch Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat.

    Nicht jeder ist eben für die "Kunst" geboren, oder?

    Aber jeder kann sich in der "Kunst" des Überlebens auf dem Arbeitsmarkt engagieren und das heißt nun einmal: ANPACKEN UND DURCHZIEHEN!

    Während meiner Schulzeit hatte ich einen bekannten Maler und Grafiker als "Kunst-Erzieher".
    Sein Vorbild und das meiner Eltern haben dafür gesorgt, anzupacken, auch wenn es schwer fällt, je älter man wird.

    Natürlich kann Plauen dadurch nur gewinnen:

    Wenns ums leidige Geld geht, dann ist Geiz geil und solange das Stadt-Säck'l nichts davon spürt, da wird auch alles erlaubt sein - sollen die 1-EUR-Jobber doch schon bald der Vergangenheit angehören.

    Woher nehmen und nicht stehlen?

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