Foto: dapd

Rosenbach legt sich mit der Post an

Gelber Riese erkennt die vor einem Jahr gegründete Gemeinde nicht an

Rosenbach. Rosenbach? Kennen wir nicht. Diese Erfahrung musste ein Bürger der vogtländischen Gemeinde machen, als er voriges Jahr ein Postsparbuch eröffnen wollte. Er gab Rosenbach als seinen Wohnort an. Doch das Computersystem der Postbank nahm den offiziellen Ortsnamen nicht an.

Mit dieser kleinen Anekdote hat Rosenbachs Bürgermeister Achim Schulz (FDP) im Gemeinderat das Problem veranschaulicht. "Die Post hat Rosenbach noch nicht anerkannt", sagte er. Und dass, obwohl schon vor über einem Jahr die Gemeinde aus der Fusion von Leubnitz, Mehltheuer und Syrau entstanden ist.

Schon im Oktober wandte sich Schulz deshalb schriftlich an die Post. Was er dort erfuhr: Die Nicht-Anerkennung Rosenbachs ist kein Versehen, sondern Absicht. Bislang gelten für das Gebiet der Gemeinde drei verschiedene Postleitzahlen. Das würde die Post gern ändern. Für 4600 Einwohner genüge eine Postleitzahl, so die Auskunft vom Gelben Riesen an den Bürgermeister.

Mit nur einer Postleitzahl würde Rosenbach auch als Ortsname anerkannt. So weit so gut. Der Knackpunkt steckt jedoch im Detail: Voraussetzung für eine einheitliche Postleitzahl ist, dass alle Straßennamen in der Gemeinde nur einmal vorkommen. Derzeit gibt es aber Dopplungen. "Wir müssten also Straßennamen ändern", sagt Achim Schulz. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, hat ihn die Post jetzt sogar einbestellt: Termin ist am 14. Februar in Zwickau.

Doch der Bürgermeister denkt gar nicht daran, zum Valentinstag auf Schmusekurs umzuschalten. Straßennamen zu ändern, das komme überhaupt nicht in Frage, sagt Schulz. "Damit müssten Einwohner erneut in die Meldestelle kommen und würden noch einen Aufkleber auf ihren Ausweis bekommen", sagt er - mit all den Folgen einer Adressänderung. "Das wollen wir unbedingt vermeiden." Bestätigt sieht er sich durch die Sächsische Gemeindeordnung. Die schreibt nicht vor, dass es innerhalb einer Gemeinde keine Mehrfachbezeichnungen bei Straßennamen geben darf. "Man kann uns also nicht zwingen", schlussfolgert der Ortschef. Am Ende bleibe eben alles so, wie es ist. Briefe kämen jedenfalls an.

Dass es innerhalb von einer Kommune durchaus auch auf lange Sicht nebeneinander existierende Postleitzahlen geben kann, beweist Mühltroff. Mühltroff hat die 07519, das zu Mühltroff gehörende Kornbach die 08539 - und damit die gleiche Postleitzahl wie das jetzt zu Rosenbach gehörende Mehltheuer mit seinen Ortsteilen. Der Grund: Mühltroff wechselte 1992 von Thüringen nach Sachsen, Kornbach gehörte seit jeher zu Sachsen. Die frühere Zugehörigkeit zum Thüringer Postleitzahlenkreis blieb dennoch bis heute erhalten. Ähnliche Konstellationen gibt es in Elsterberg und seinen Ortsteilen.

 
erschienen am 28.01.2012 ( Von Tino Beyer )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
2
(Anmeldung erforderlich)
  • 29.01.2012
    22:00 Uhr

    abczyx: Wenn ich den Artikel richtig verstehe, ist der von Ihnen vorgeschlagene Plan ja genau, was der BM erreichen will. Wenn ich zitieren darf: "Bislang gelten für das Gebiet der Gemeinde drei verschiedene Postleitzahlen. Das würde die Post gern ändern. Für 4600 Einwohner genüge eine Postleitzahl, so die Auskunft vom Gelben Riesen an den Bürgermeister." Die PLZ-Aenderung scheint also ebenfalls ueberhaupt nicht den Wuenschen des Buergermeisters zu entsprechen, die Strassennamenaenderung waere ein weiteres laestiges Nebenprodukt, dass er erst recht verhindern will.

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  • 29.01.2012
    13:38 Uhr

    democracy: Ich habe den Eindruck, daß die Ansicht von Bürgermeister Schulz etwas realitätsfern ist:
    Der gesunde Menschenverstand sagt einem doch, daß man innerhalb einer Gemeinde Rosenbach und unter EINER Postleitzahl keine Doppelung von Straßennamen zulassen kann. Wie stellt sich das Herr Schulz z.B. bei der Eingabe einer Adresse in GPS vor? Man kann doch nicht den verschiedensten Zustellern oder Lieferanten die Suche in mehreren Ortschaften zumuten ? es sei denn, der Zusatz des Ortsteilnamens wäre zwingend. Aber auch das funktioniert wohl nicht bei GPS. Dabei entsteht bei mir auch die Frage, ob das Problem nur die Post betrifft? Könnte eine Verwechslungsgefahr z.B. auch für Rettungswagen oder Feuerwehr bestehen?
    Abgesehen davon, wird die Bevölkerung wohl noch auf lange Zeit die alten Postleitzahlen und Anschriften nutzen.
    Mein Vorschlag: Die bisherigen Postleitzahlen beibehalten und mit "Rosenbach" verwenden. Das funktioniert in anderen Orten ja auch (z.B. Plauen). So kann es keine Verwechslung geben.

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