In 35 Lebkuchenherzen wie diesen lebten Larven und Käfer.Foto: pholidito/Fotolia.de
Schüler finden Maden in Weihnachtsmarkt-Lebkuchen
Kontrolleure haben die verunreinigten Pfefferkuchen vom Plauener Weihnachtmarkt eingezogen
Plauen/Jößnitz. In 35 Lebkuchenherzen haben Lebensmittelkontrolleure des Landratsamtes Larven und ausgewachsene Brotkäfer in Plauen nachgewiesen. Die Pfefferkuchen stammen von einem Stand auf dem Weihnachtsmarkt. Kai Wiedemann, Leiter der Lebensmittel- und Fleischüberwachung, bezeichnet den Vorfall am Dienstag auf Anfrage als "ekelerregenden Sachverhalt".
Schüler der Jößnitzer Grundschule hatten die Gebäckstücke am Sonntag geschenkt bekommen - als Belohnung für das Singen bei der alljährlichen Seniorenweihnachtsfeier im dortigen Gemeindezentrum "Hasengrund". Eine Lehrerin hatte die Herzen am Freitag für die Mitwirkenden gekauft, die Klassen 3 und 4. Die Kleinen lieben die Zuckerbomben mit den flotten Sprüchen. "Es ist eine Tradition, von der wir nun erst einmal absehen werden", sagt Schulleiterin Andrea Ott.
Gesundheitlich unbedenklich
Ein Vater hatte den Schädlings-Befall noch im Gemeindezentrum bemerkt und die Verantwortlichen informiert: Unter der Klarsichtfolie rumorte es. Die Schule startete einen Rundruf bei den bereits nach Hause gefahrenen Eltern, um die Lebkuchen zurückzuholen. Zudem wurde das Amt für Lebensmittelüberwachung im Vogtlandkreis alarmiert. Die meisten Kinder hatten ihr Naschwerk noch nicht angerührt.
Für eine Mutter aus Jößnitz (Name ist der Redaktion bekannt) war die Nachricht jedoch ein Schock. Schließlich hatte ihre elfjährige Tochter, die als Ehemalige bei der Aufführung mitgemacht hatte, die vermeintliche Leckerei fast aufgegessen. Ein Eckchen war für die Kontrolle übrig. Auf einer Bruchstelle von zwei Zentimetern Länge reckten sich den Eltern gleich drei Maden entgegen. "Der Ekelfaktor war hoch", sagt die Jößnitzerin. Das Abendbrot musste die Familie ausfallen lassen. Die Mutter zeigte sich am Dienstag verunsichert, rief deshalb bei der Zeitung an. Alle Informationen liefen über die Schule. Sie hätte sich seitens des Amtes mehr Transparenz gewünscht. "Es müssen doch auch andere gewarnt werden."
Das Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt habe sich bewusst gegen eine öffentliche Rückrufaktion entschieden, heißt es auf Nachfrage. "Die Verhältnismäßigkeit muss gewahrt bleiben", sagt Kai Wiedemann. Der Verzehr der verunreinigten Lebkuchen sei gesundheitlich unbedenklich. Den Karton zog das Amt trotzdem ein. Noch vor Eröffnung des Marktes am Montagmorgen überprüften Lebensmittelkontrolleure alle vier Stände, die in Plauen vergleichbare Waren verkaufen. Nach jetzigem Stand seien allein die beanstandeten Lebkuchen verunreinigt. Der Händler stammt nicht aus Sachsen.
Eltern reagieren verunsichert
Auf den Herzen fehlte ein Mindesthaltbarkeitsdatum. Nach Angaben des Verkäufers seien sie bis 2012 haltbar. Drei bis vier Monate dauert die Entwicklung der Larve zum Käfer. Die Landesuntersuchungsanstalt in Dresden prüft weitere Proben des Verkaufsstands. Dem Inhaber droht eine vierstellige Geldstrafe. Die Verkäuferin hat sich bei den Betroffenen entschuldigt. Sie bangt jetzt ums Geschäft. "Mir ist nichts aufgefallen, sonst hätte ich die Ware nicht verkauft", sagt sie und verweist auf den Hersteller. Diesen habe die Firma jetzt gewechselt. Und die Jößnitzer Grundschüler haben an der Naschwerk-Bude nun freie Auswahl.


