Menü
 


Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Spielautomaten manipuliert: Steuersünder auf Anklagebank

Einen Betrag in Millionenhöhe sollen ein Spielotheken-Betreiber und ein Mitarbeiter am Fiskus vorbeigeschleust haben. Gestern begann der Prozess.

Von Ricarda Terjung
erschienen am 16.03.2016

Plauen/Chemnitz. Angst vor dem Ex-Chef: Am Chemnitzer Landgericht war sie gestern Thema. Auf der Anklagebank saß der 38-jährige Uwe S.. Mithilfe seines Angestellten Kay R. soll der gebürtige Plauener von 2001 bis 2007 Steuern in Höhe von rund zwei Millionen Euro hinterzogen haben. Vorgeworfen wird beiden zudem die Veranstaltung unerlaubten Glücksspiels in 73 Fällen. Denn mit 73 Spielautomaten in Plauen, Auerbach und Delitzsch sollen die beiden auch Geld verdient haben, nachdem der betreffende Automatentyp 2006 verboten worden war. Allein eine Verurteilung wegen des Angebots des verbotenen Spiels würde eine Freiheitsstrafe von mindestens drei Monaten bedeuten.

Ziel dieses Spiels war es, Punkte zu sammeln. Der Spieler warf einen Spielchip im Wert von 100 Punkten - das entsprach fünf Euro - in das Gerät. Der Zufall bestimmte, ob der Spieler Punkte gewann oder verlor. Nach wenigen Sekunden endete das Spiel. Im Fall eines Gewinns warf der Automat Chips aus. Ihr Gegenwert wurde bar ausgezahlt. Diese Praxis bestätigte vor Gericht eine Zeugin, die vor der Gesetzesänderung bei dem Unternehmen mit Sitz in Plauen beschäftigt gewesen war.

Weil Spieler mit diesem Automatentyp mehr als 80 Euro pro Stunde verlieren können, kam 2006 das Verbot. Geschäftsführer Uwe S. ließ alle Automaten umbauen. Sie warfen so keine Token mehr aus. Er durfte sie also weiter legal betreiben. S. soll aber seine Angestellten angewiesen haben, den Gegenwert der gewonnen Punkte weiter auszuzahlen. Zwei Zeuginnen, die bereits 2008 und 2009 im Zuge der Ermittlungen ausgesagt hatten, gaben gestern an, davon nichts zu wissen.

Eine der beiden hatte im fraglichen Zeitraum vorübergehend in der Buchhaltung ausgeholfen. Die 29-Jährige sagte, sie erinnere sich, dass Technik-Chef R. das Geld aus den Automaten eingesammelt und die Abrechnung direkt zu S. gebracht habe. Mit der Gesetzesänderung hätte sich an der Praxis im Unternehmen nichts geändert.

Bei der dritten Zeugenvernehmung fiel das Stichwort Angst. Die Richterin verlas die Aussage einer Sekretärin aus dem Jahr 2009. Darin hatte die Frau angegeben, dass den Spielern auch nach der Gesetzesänderung der Gegenwert der Chips ausgezahlt worden sei, dass es bei Kontrollen ein Warnsystem mit telefonischen Rundrufen in allen Spielotheken des Unternehmens gegeben habe - und, dass die 45-Jährige sich wegen ihrer Aussage vor S. fürchte. Gestern hingegen sagte sie mehrfach, sie habe keine Angst. Und das, was ihr als ihre eigene Aussage vorgelesen wurde, habe sie sicher nicht gesagt - auch wenn ihre Unterschrift auf dem Papier stehe.

Die Angeklagten und ihre Verteidiger äußerten sich gestern nicht zur Anklageschrift. Denn der Staatsanwalt verlas aktualisierte Beträge zu den offenbar hinterzogenen Steuern, die den Verteidigern bislang nicht vorgelegen hatten. Sie wollten erst in Ruhe die neuen Zahlen einsehen, sagte einer der Verteidiger. Die Verhandlung wird fortgesetzt.

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Lesen Sie auch:
  • freiepresse.de
  • Plauen
Spielotheken-Chef bleibt Knast erspart  

Plauen/Chemnitz. Sieben Jahre hatten Steuerfahnder den Plauener Spielhallen-Chef Uwe S. im Visier. Gestern ist er verurteilt worden. Wie eine anonyme Anzeige zum Millionen-Prozess wurde. weiter lesen

  • 10.03.2016
  • freiepresse.de
  • Plauen
Messerstecher-Prozess geht ohne Urteil zu Ende  

Plauen. Ein Tunesier war angeklagt, einen Landsmann in Plauen 2014 schwer verletzt zu haben. Doch das Opfer fehlte vor Gericht. weiter lesen

  • 04.04.2016
  • freiepresse.de
  • Werdau
Polizeidirektion Leipzig/Archiv
Anschlag auf Asylunterkunft: 32-Jähriger räumt Tat ein 

Zwickau/Crimmitschau (dpa/sn) - Nach dem Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Crimmitschau (Landkreis Zwickau) hat einer der drei mutmaßlichen ... weiter lesen

  • 25.05.2016
  • freiepresse.de
  • Plauen
Gericht - Feuerteufel muss drei Jahre in Haft  

Plauen/Zwickau. Der Brandstifter von Altchrieschwitz bleibt hinter Gittern. In einer Berufungsverhandlung hat ihn das Landgericht Zwickau gestern zu drei Jahren Gefängnis ... weiter lesen

 
Kommentare
0
(Anmeldung erforderlich)

 
 
 
 
Wetteraussichten für Plauen
Fr

20 °C
Sa

25 °C
So

23 °C
Mo

19 °C
Di

21 °C
 
Unsere Youtube-Videos

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Freie Presse Immobilien
Immobilienangebote für Plauen und Umgebung

Finden Sie Ihre Wohnung in der Region Plauen

Immobilienportal

Mietangebote

Kaufangebote

 
 
 
 
Online Beilagen

Die aktuellen Angebote von Ihrem Media Markt

Das Leben ist ein Wunschkonzert!

 
 
 
 
Ärztliche Notdienste
Apotheken und Ärzte der Region

Manchmal muss es schnell gehen. Notrufe und Notdienste der Apotheken und Ärzte finden Sie hier.

weiter lesen
 
 
 
 
Freie Presse vor Ort

08523 Plauen
Postplatz 7
Telefon: 03741 408-0
Öffnungszeiten:
Mo. bis Fr. 9.00 - 18.00 Uhr
Sa. 9.00 - 12.00 Uhr

weiter lesen
 
 
 
 
 
 
 
 
Unsere Partner
Chursächsische Sachsenlotto
 
 
 
 
 
|||||
mmmmm