Mit dem Schießen ist es nicht getan, erlegte Wildschweine sollten auch auf Radioaktivität untersucht werden, fordert das Landratsamt.
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Verstrahlte Wildschweine: Amt drängt Jäger zu Kontrollen
Noch bis April haben vogtländische Jäger die Chance, erlegte Tiere gratis testen zu lassen
Plauen. Die Kritik, die Kai Wiedemann an der Jägerschaft übt, kommt noch sanft daher, ist aber unüberhörbar. "Wir appellieren, sich bei der Untersuchung von Schwarzwild auf Radioaktivität deutlich intensiver zu beteiligen", sagt der Sachgebietsleiter Lebensmittelüberwachung im Landratsamt. Soll heißen: Schießt und schickt Fleischproben zur Untersuchung an die Staatliche Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft Radebeul. Das bringt Klarheit. Die Kosten von je rund 13 Euro werden übernommen.
Allerdings sind aus den fünf vogtländischen Jagdverbänden erst 25 Proben eingegangen, stellt Wiedemann in einem auf Anfrage erteilten Zwischenbericht fest. Dabei gilt das Gratis-Angebot immerhin schon seit Wochen. Am fleißigsten waren die Jäger im Plauener Raum gewesen. 16 Proben haben sie auf den Weg gebracht. Allesamt waren übrigens unbedenklich. Radioaktives Cäsium 137 wurde nur im einstelligen Bereich nachgewiesen. Zulässig sind 600 Becquerel.
Hubertus Hauffe, Jäger aus Plauen, findet solche Tests nämlich nötig. "Wir stehen schließlich für unser Produkt ein und wollen, dass die Menschen, die direkt beim Jäger, beim Fleischer als Zwischenhändler oder in der Gaststätte Wild bestellen, dies auch bedenkenlos verzehren können." Zudem sei im Frühjahr naturgemäß wieder eine Zunahme der Becquerel-Werte möglich. Das liegt am Verhalten der Tiere. Die finden ihre Nahrung derzeit noch an der Oberfläche. Erst im Winter graben sie auf der Suche nach Fressbarem tiefer im Boden und stoßen so auf Bereiche, in den seit der Atomkatastrophe von 1986 vergleichsweise mehr Cäsium 137 steckt.
Dass erst wenig Proben eingegangen sind, hat allerdings auch Gründe, die die Jäger kaum beeinflussen können. Das Wetter erschwert ihr Hobby. So fehlt Schnee, der Schützen gerade nachts hilft, die dunklen Tiere besser orten zu können, sagt etwa Werner Wunderlich, Vorsitzender des Jagdverbandes Oelsnitz. "Aber das wird noch", ist er überzeugt, hofft auf mehr Jagdglück und versichert: "Dann wird von uns jedes erlegte Wildschwein kontrolliert."
Wunderlich hatte erst jüngst beklagt, dass der Wildschweinabsatz aufgrund von Berichten über die Belastung untersuchter Proben spürbar sank. Grundlage waren Zahlen des hiesigen Lebensmittelüberwachungsamtes. Auf Anfrage von Grünen-Kreisrat Volker Liskowsky räumte die Behörde ein, dass 25 Jahre nach Tschernobyl in einzelnen Proben von Wildschweinfleisch die Grenzwerte überschritten waren: Von 26 seit dem Jahr 2005 untersuchten Borstentieren waren sechs so stark belastet gewesen, dass sie nicht in Verkehr gebracht wurden.
Und was die Probenhäufigkeit betrifft, fühlen sich auch nicht alle Jäger gleichermaßen angesprochen. Vor allem dann, wenn, wie im Raum Reichenbach, kaum ein Wildschwein vorbeikomme. "Wir haben hier kein Standwild", erklärt Claus Singer, Vorsitzender der Reichenbacher Jägerschaft. Doch sollte doch mal eins vor die Flinte laufen, werde natürlich eine Probe genommen.


