Bibliothekarin Bibliothekarin Carola Horanyi drückt seit dieser Woche keine Stempel mit dem Rückgabedatum mehr in die Bücher, sondern überreicht den Lesern einen Papierausdruck.

Foto: Ellen Liebner

Vogtlandbibliothek: Stempel sind passé

Papierausdrucke ersetzen ab sofort Stempelkarten

Plauen. Carola Horanyi muss sich umgewöhnen. Wenn die Bibliothekarin künftig einem Nutzer der Vogtlandbibliothek ein Buch ausleiht, dann drückt sie nicht mehr auf den Stempel, sondern auf die Enter-Taste. Der Grund: Die Bibliothek will sich für die Zukunft rüsten.

Weil Stempeleinträge als Merkhilfen nicht mehr üblich sind, setzt die Bibliothek ab sofort auf Papierausdrucke. Darauf steht, wann die Nutzer die Ausleih-Exemplare zurückgeben müssen. Zuvor werden die Bücher gescannt. Bibliotheks-Chef Günther Reichel: "Die Medien, die wir verleihen, werden immer kleiner. In CDs zum Beispiel passen gar keine Stempelkärtchen mehr hinein. Für die Nutzer bedeutet das jetzt gewiss eine Umgewöhnung."

Die Stempel waren das letzte Relikt vergangener Zeiten. In anderen Punkten setzt die größte Bibliothek des Kreises schon seit Längerem auf moderne Mittel: Nutzer können zum Beispiel über ein Computersystem auf Mediensuche gehen. Das Programm gibt Auskunft: Wo steht das Buch? Ist es eventuell ausgeliehen? Bis wann?

Die Bildungsstätte ist zudem sachsenweite Vorreiterin als virtuelle Ausleih-Station: Sie war 2009 die erste Einrichtung im Freistaat, bei der man rund um die Uhr im Internet ausleihen konnte. Dabei klicken sich die Nutzer vom Heimrechner aus durch einen virtuellen Bestand von rund 5000 Medien. Anschließend laden sie das gewünschte Hörbuch oder das gesuchte Magazin für einen befristeten Zeitraum herunter. Das Angebot werde gut angenommen, freut sich Bibliotheks-Chef Reichel.

Eine andere Neuerung stieß indes kürzlich auf Kritik bei "Freie Presse"-Lesern: Bislang wurden frisch erschienene Zeitschriften einen Monat lang als Präsenzbestand vorgehalten - niemand durfte sie ausleihen. Diese Regelung gilt nicht mehr. Günther Reichel erklärt: "Ungefähr die Hälfte der Zeitschriften enthält inzwischen Zusatzmaterial wie DVDs oder CDs. Leihen wir diese Zeitschriften im ersten Monat nicht aus, können auch die Zusatzmedien nicht genutzt werden. Das ist uns zu schade."

70.000 Euro stehen jährlich für Neu-Anschaffungen zur Verfügung, die von den rund 5000 Nutzern ausgeliehen werden können. Besonders begehrt ist bei diesen Regionalliteratur. Schriften, Zeitungen und Fotos zu den Themen Geschichte, Kultur, Natur und Wirtschaft gibt es.

Insgesamt verfügt die Bibliothek über 156.000 Medien: Bücher, Zeitschriften, CDs, DVDs, Videos, Spiele. Mit letzteren versucht die Bildungsstätte, Kinder und junge Familien anzulocken. Um die Jungen kümmern sich zudem speziell geschulte Mitarbeiter: Sie gestalten spannende Aktionen für Vorschulkinder oder arbeiten mit Lehrern zusammen.

 
erschienen am 01.02.2012 ( Von Nancy Dietrich )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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